Carl Goldmark (1830 – 1915). Werk, Leben, kulturelles Umfeld und Rezeptionsgeschichte

Ort
Wien
Veranstaltungsort
Festsaal der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien, Seilerstätte 26, 1010 Wien
Veranstalter
Institut für Kulturwissenschaften und Theatergeschichte der Österreichischen Akademie der Wissenschaften in Kooperation mit dem Institut für Analyse, Theorie und Geschichte der Musik der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien
Datum
27.11.2014 - 29.11.2014
Von
Peter Stachel, Institut für Kulturwissenschaften und Theatergeschichte der ÖAW

Am 2. Januar 2015 jährt sich zum 100. Mal der Todestag des alt-österreichischen Komponisten Carl Goldmark. Der als Sohn des Kantors der jüdischen Gemeinde in Deutschkreutz (Burgenland) aufgewachsene Goldmark war Jahrzehnte lang eine der Zentralfiguren des Wiener Musiklebens. Seine Oper „Die Königin von Saba“ war vom Tag der Uraufführung (10. März 1875) bis zum Anschluss Österreichs an NS-Deutschland 1938 eines der Repertoirestücke des Wiener Opernhauses (277 Aufführungen im Lauf von mehr als sechs Jahrzehnten). Ähnliches gilt für das Budapester Opernhaus, aber auch an vielen anderen Opernhäusern der ganzen Welt – bis New York und Buenos Aires – wurde dieses Werk mit großem Erfolg aufgeführt.

Darüber hinaus komponierte Goldmark zwei Symphonien, mehrere Symphonische Dichtungen, ein Violinkonzert, Lieder- und Klavierzyklen, Chorwerke und Kammermusik – insgesamt um die 150 Kompositionen. Er war ein begehrter Kompositionslehrer, unter anderem gehörte Jean Sibelius, der sich aus diesem Grund zeitweilig in Wien niederließ, zu seinen Schülern. Gemeinsam mit Johannes Brahms und dem Kritiker Eduard Hanslick bildete er das Triumvirat des Wiener Musiklebens, mit dem sich jeder gut stellen musste, der auf Förderung hoffte. Als Gustav Mahler sich um die Direktion der Hofoper bemühte, versäumte er nicht, bei Goldmark um ein Empfehlungsschreiben zu bitten.

Die Konferenz beschäftigt sich u.a. mit der der zentralen Rolle, die Goldmark über Jahrzehnte im Wiener Musikleben eingenommen hat und den Gründen dafür, warum er heute in der „Musikstadt Wien“ fast vollkommen vergessen scheint. Der Bruch in der Rezeptionsgeschichte lässt sich eindeutig auf die NS-Zeit datieren. Geklärt werden soll auch, warum es nach 1945 nicht zur Weiterführung der Rezeptionsgeschichte kam.

Programm

Donnerstag, 27. November 2014

14:00 Eröffnung der Konferenz
Peter Stachel: Kurze Einführung
Begrüßung

Peter Stachel (Wien) „Für Freund und Feind ist er nicht sowohl zum Musiker wie als Jude geboren“. Annäherungen an Carl Goldmark
David Brodbeck (Irvine, California) Viennese Antisemitism and Goldmark's „Innermost Self“
Daniel Katz (Düsseldorf) Beispiele jüdischer Identität in der klassischen Musik

17:00 Podiumsdiskussion: (Wie) Kann Carl Goldmark heute gespielt werden?
Gernot Gruber (Musikwissenschaftler, Wien)
Primavera Driessen-Gruber (Orpheus Trust, Wien)
Thomas Albertus Irnberger (Violinist)
Peter P. Pachl (Künstlerischer Leiter pianopianissimo-musiktheater, Berlin).
Moderation: Johannes Leopold Mayer (ORF, Wien)

19:00 Konzert

Freitag, 28. November

09:30
Thomas Aigner (Wien) Carl Goldmarks Werdegang und familiäres Umfeld
Adalbert Putz (Deutschkreutz) Carl Goldmark und der „sechste Erdteil“

11:30
Dieter Hecht (Wien) Blühende Gärten und revolutionäre Garden – Jugendreminiszenzen Carl Goldmarks
Johann Hofer (Oberpullendorf) Carl Goldmark: Leben und Werk im Spiegel der Presse

15:00 Uhr
Anil Bhatti (New Delhi) Shakuntalas Nachleben im 19. und 20. Jahrhundert mit einem Hinweis auf Goldmarks Werk. Kulturhistorische Anmerkungen
Konrad Melchers (Berlin) Karl Goldmarks Oper "Die Königin von Saba", eine jüdische Interpretation der Legende

17:00 Uhr
Carolin Bahr (Freiburg) / Angelika Silberbauer (Wien) Ein langer Weg. Untersuchungen zur Vor- und Uraufführungsgeschichte der „Königin von Saba“
Balázs Mikusi (Budapest) „Die Oper unseres Landsmanns wird eine Repertoire-Oper des Nationaltheaters werden“: Die ungarische Rezeption von Carl Goldmarks „Die Königin von Saba“

Anschließend:
Führung durch die Musiksammlung der Wienbibliothek im Rathaus

Samstag, 29. November

9:30 Uhr
Cornelia Szabó-Knotik (Wien) Multi-Identität versus Exotismus: Carl Goldmarks Ort im Kreis der musikalischen Eliten Wiens
Golan Gur (Berlin) Karl Goldmark und das Phänomen der jüdischen Wagnerianer
Fritz Trümpi (Wien) „Die Königin von Saba“ im Austrofaschismus: Die politische Umgebung der Premiere von 1936

13:30 Abfahrt nach Deutschkreutz

15:00: Adalbert Putz Führung: Spuren der jüdischen Gemeinde in Deutschkreutz
16:00: Martin Czernin (Burgenländisches Landesmuseum) Vorstellung Carl Goldmarkmuseum und anschl. Besichtigung vor Ort.

16:30: Festvortrag
Christian Glanz (Wien) Leben und Komponieren im Kontext kakanischer Mehrfachidentitäten

Die Konferenz wird finanziert durch die Gemeinde Wien, die Universität für Musik und darstellende Kunst Wien und die Österreichische Akademie der Wissenschaften, der Tagungsteil in Deutschkreutz durch die Marktgemeinde Deutschkreutz.

Kontakt

PD Dr. Peter Stachel
Institut für Kulturwissenschaften und Theatergeschichte
Österreichische Akademie der Wissenschaften
Postgasse 7 / 4
A-1010 Wien
peter.stachel@oeaw.ac.at

Zitation
Carl Goldmark (1830 – 1915). Werk, Leben, kulturelles Umfeld und Rezeptionsgeschichte, 27.11.2014 – 29.11.2014 Wien, in: H-Soz-Kult, 03.10.2014, <www.hsozkult.de/event/id/termine-25991>.
Redaktion
Veröffentlicht am
03.10.2014
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