Politische Ikonographie: Gegenstände, Begriffe und Horizonte

Ort
Berlin
Veranstalter
kunsttexte.de/Sektion Politische Ikonographie; Gastredaktion: L. Schaumann/L. Hengst
Datum
15.12.2014
Bewerbungsschluss
01.04.2015
Von
L. Hengst

Call for Papers - kunsttexte.de/Politische Ikonographie

Politische Ikonographie: Gegenstände, Begriffe und Horizonte

Im Zuge der Neuaufstellung der Sektion „Politische Ikonographie“ der Zeitschrift „Kunsttexte“ (www.kunsttexte.de) soll in der kommenden Ausgabe die politische Ikonographie als Konzept in den Fokus genommen werden.
Dies bedeutet, dass einerseits die fundamentalen Variablen der politischen Ikonographie befragt werden und andererseits, dass mögliche Perspektiven der Erweiterung oder Veränderung jener Variablen in den Blick genommen werden sollen.
Wenn politische Ikonographie als Forschung zu verstehen ist, die sich mit der – in weitestem Sinne - bildlichen Inszenierung und Kommunikation von Macht und Politik befasst, die dabei auch aus der bildlichen Inszenierung resultierende Folgen, wie die Veränderung politischer oder kultureller Identitäten und überhaupt ideologischer Beeinflussung und Lenkung in den Blick nimmt, bedeutet eine Befragung der Fundamente und Perspektiven des Konzeptes vor allem Folgendes:
Es gilt erstens zu bestimmen, was unter Macht verstanden werden kann, ob Macht also auf den politischen Souverän in Form eines Alleinherrschers oder in Form eines Staates beschränkt werden kann, ob Macht überhaupt im Sinne der Herrschaft zu verstehen ist oder ob Macht nicht gar als etwas gelten muss, das menschliche Beziehungen z.B. in Sinne von Verhaltensweisen der strategischen Beeinflussung grundsätzlich durchzieht und darüber hinaus auch von der Person auf sich selbst angewendet wird, wenn sie ihr Leben gestaltet.
Weiterhin wäre zu fragen, wie die Wirkung der Macht im Rahmen dieser vielgestaltigen Formen der Macht jeweils verstanden werden kann: handelt es sich um eine rational wirkende Macht, die sich auch denjenigen, welche durch die Macht gelenkt werden, einsichtig machen kann, oder hat Macht eine Funktion an sich, d.h. dient ggf. allein der Sicherung der bestehenden Machtverhältnisse, ohne dass diese mit einer rationalen Funktion (darüber hinaus) verbunden werden könnten.
Solche Überlegungen scheinen dann auch je die Perspektive auf die Repräsentation der Macht zu verändern: Während eine irrationale Macht des Bildes als Supplement zu bedürfen scheint, insofern es ihrer Inszenierung und Vermittlung dient, kann eine rationale Macht evtl. auch als ihr eigenes Bild verstanden werden, insofern sie sich im Rahmen ihres rationalen Funktionierens kommunizieren und rechtfertigen könnte. Wenn weiterhin die Kommunikation von Macht auch der (Um-)Formung kultureller und politischer Identitäten dient, gilt es außerdem zu fragen, in wie weit dann nicht ebenfalls das entsprechend geformte Subjekt bzw. die entsprechend geformte Gesellschaft als Bild der Macht und als Objekt ihrer Kommunikation verstanden werden müssten, statt nur als das Ergebnis der Bildrezeption. Ausgehend hiervon könnte dann noch grundsätzlicher gefragt werden, ob die Ikonografie nicht bereits beim Subjekt und dessen (selbst-)Formung ansetzt anstatt erst bei einem Objekt der bildlichen Darstellung.

Entsprechend sind Beiträge zu den folgenden oder ähnlichen Fragestellungen denkbar:

Was kann als Bild der Macht verstanden werden? Gilt als solches im Rahmen der Forschung zur politischen Ikonographie primär die repräsentative Herrschaftsdarstellung in Malerei und Plastik mit spezifischen – auch gestisch-mimischen – Attributen, die fotografische Inszenierung von zur Wahl stehenden Kandidaten auf Plakaten oder die digital verbreitete Videoaufzeichnung einer zeichenhaften Handlung eines politischen Repräsentanten oder kann Macht sich auch in ihrer rationalen Funktion bzw. in der Formung des Lebens einer Person in einer Weise zur Darstellung bringen, die unter dem Begriff der politischen Ikonographie diskutiert werden kann?
Löst die rationale Funktion von Macht die Notwendigkeit ihrer bildlichen Kommunikation ab oder verändert diese?
Wenn Macht als rationale Funktion zu verstehen ist, müssen dann nicht auch die Ökonomie oder das Recht darunter gefasst und weiterhin deren spezifische Formen der Repräsentation im Kontext der politischen Ikonographie verhandelt werden?
Ist Macht aber nicht sogar mit Foucault als eine alle Beziehungen durchziehende Funktion aufzufassen, die weiterhin auf die Lebensgestaltung und Lebensauffassung des einzelnen Subjektes ausgreift und diese zu ihrem Bilde formt?
Und müsste darüber hinaus diese kulturelle oder individuelle Form des Lebens nicht nur als Ergebnis sondern auch selbst als inszenierendes oder vermittelndes Zeichen der Macht verstanden werden?

Besonders willkommen sind Beiträge aus dem Forschungskontext der politischen Ikonographie, welche die vorstehend genannten Überlegungen zu Grundbegriffen und Perspektiven aufgreifen, wobei auch Forschungsbeiträge zu konkreten Darstellungen der politischen Ikonographie vor dem skizzierten Hintergrund gerne aufgenommen werden.
Da die Klärung dieser Grundfragen aber auch Zuständigkeiten der Philosophie, der Politikwissenschaft, der Soziologie sowie weiterer angrenzender Disziplinen betrifft, sind Beiträge aus diesen Gebieten ebenfalls ausdrücklich erwünscht, sofern sie dem Kontext der politischen Ikonographie vermittelt sind.
Artikel können bis zum 1. April 2015 eingereicht werden und sollten sich in einem Umfang von 20.000 bis 50.000 Zeichen (ohne Leerzeichen) bewegen. Rezensionen können ggf. etwas kürzer ausfallen. Dem Artikel sollen ein Abstract von maximal 200 Wörtern und eine Auflistung von 5 Schlüsselwörtern vorangestellt werden. Der Abstract, die Auflistung der Schlüsselwörter sowie alle Anmerkungen und das angehängte Literaturverzeichnis zählen mit zur Zeichenmenge des Artikels. Bitte beachten Sie auch die Veröffentlichungsrichtlinien unter:
http://www.kunsttexte.de/index.php?id=151

Einreichungen können zusammen mit einer biographischen Notiz an einen der Gasteditoren dieser Ausgabe gesendet werden:
Lutz Hengst: hengst[at]kunsttexte.de
Linda Schaumann: politicaliconography[at]gmail.com

https://sites.google.com/site/politicaliconography/

http://www.kunsttexte.de/index.php?id=898&tx_ttnews[tt_news]=1133&tx_ttnews[backPid]=101&cHash=c3e2880bc619874f8e1d13bffb67d3e913bffb67d3e9

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Call for papers
Political Iconography: matters, concepts and perspectives

As part of the realignment of the section “Political Iconography” of the e-journal “Kunsttexte” (www.kunsttexte.de) we wish, in the next issue, to focus on Political Iconography as a concept.
That means, on the one hand, to consult fundamental variables of Political Iconog-raphy, on the other hand, to take into account potential perspectives of broadening or transforming these variables.
If Political Iconography is to be understood as research, which is – in the broadest sense –concerned with pictorial staging and communication of power and politics and which also takes into account consequences resulting from pictorial staging, such as the transformation of political or cultural identities or ideological manipulation and con-trol in general, a study on the foundations and perspectives of the concept, above all, implies the following:
First of all, it is necessary to define what can be understood by power, that is, if power can be confined to the political sovereign in form of an autarch or in form of a state, if power is to be understood in the sense of sovereignty at all or if power has to be regarded as something which generally pervades human relationships, e.g. in the sense of a conduct of strategic manipulation, and which, furthermore, is applied by the individual to him- or herself, when he or she is shaping his or her life.
Beyond that, one could ask, how the function of power can be understood in the context of these divers forms of power and in each specific case of these: e.g. is a rationally operating power concerned, which can become an evidence for those, who are conducted by that power, or is one examining a case in which power is an end in itself and perhaps serves solely the purpose of securing the existent power relations, without including the possibility of connecting these with a rational func-tion (apart from the wish to secure power in itself)?
Such considerations seem in each case to change the perspective on the represen-tation of power: Whereas an irrational power seems in need of the image as sup-plement, insofar as it serves its staging and communication, a rational power may be understood as its own image, insofar as it could justify and communicate itself in the context of its rational functioning. If, furthermore, the communication of power also serves the (trans-)formation of cultural or political identities, it is, additionally, important to ask in how far the correspondingly formed subject or the correspond-ingly formed society would not as well have to be regarded as the image of the power and as object of its communication, instead of only as a result of the recep-tion of the image. Based on this, one could, even more fundamentally, ask, if ico-nography does not already begin with the subject and his or her (self-)formation, instead of only with an object of pictorial representation.

Correspondingly, contributions addressing the following or similar questions are in-vited:

What can be understood by an image of power? Do, in the context of research on Political Iconography, the prestigious depiction of sovereignty in paintings or by plastics with specific – also gestural or mimic – attributes, the photographical staging of candidates up for election on placards or the digitally distributed video recording of a symbolic action of a political representative primarily count as such or can power just as well present itself in a fashion, which can be discussed under the concept of Political Iconogra-phy by its rational function or by the formation of the life of a person?
Does the rational function of power supersede the necessity of its pictorial commu-nication or transform it?
If power can be understood as a rational function, is it not necessary to, as well, discuss economy and the law under it and, furthermore, to discuss their specific forms of representation in the context of Political Iconography?
But is power not, with Foucault, at the same time, to be understood as a function pervading all relationships, which, in addition, informs the way and idea of life of each subject, molding both according to its own image?
And would, beyond that, this cultural or individual form of life not only have to be understood as a result of power but also in itself as a staging or communicating icon of power?

Contributions from the research context of Political Iconography, which address the aforementioned considerations on basic concepts and perspectives, are particu-larly welcome, although research contributions on specific depictions of political ico-nography in the light of the given outline will be willingly accepted, as well.
But as the clarification of these issues also concerns responsibilities of philosophy, political sciences, sociology, and other adjacent disciplines, contributions from these areas are likewise emphatically invited, insofar they involve the context of political iconography.

Articles can be submitted until April 1, 2015 and should range between 20,000 and 50,000 characters (blanks not included). Where required, reviews may be somewhat shorter. Articles should be preceded by an abstract of 200 words maxi-mum and a list of 5 key-words. The abstract, the list of key-words, as well as all annotations, and an annexed list of the literature used are counted among the amount of characters of the article.
Please note the following guidelines for publications: http://www.kunsttexte.de/index.php?id=151

Articles along with a biographical note can be submitted to one of the guest editors of this issue:
Lutz Hengst: hengst[at]kunsttexte.de
Linda Schaumann: politicaliconography[at]gmail.com

https://sites.google.com/site/politicaliconography/

http://www.kunsttexte.de/index.php?id=898&tx_ttnews[tt_news]=1133&tx_ttnews[backPid]=101&cHash=c3e2880bc619874f8e1d13bffb67d3e913bffb67d3e9

Kontakt

Linda Schaumann:
politicaliconography[at]gmail.com
Lutz Hengst:
hengst[at]kunsttexte.de

Redaktionsadresse:

kunsttexte e.V.
c/o Institut für Kunst- und Bildgeschichte
Humboldt-Universität zu Berlin
Unter den Linden 6
10099 Berlin

Zitation
Politische Ikonographie: Gegenstände, Begriffe und Horizonte, 15.12.2014 Berlin, in: H-Soz-Kult, 19.12.2014, <www.hsozkult.de/event/id/termine-26715>.