Kredit im Mittelalter: Kultur-, sozial- und wirtschaftswissenschaftliche Herangehensweisen

Ort
Köln
Veranstaltungsort
Universität zu Köln
Veranstalter
Arbeitskreis spätmittelalterliche Wirtschaftsgeschichte
Datum
03.12.2015 - 04.12.2015
Bewerbungsschluss
30.06.2015
Von
Dr. Julia Bruch

Der Arbeitskreis spätmittelalterliche Wirtschaftsgeschichte lädt ein zu seiner 3. Tagung, die sich dem Thema „Kredit“ widmen wird.

Die Erforschung des Phänomens „Kredit“ macht besonders deutlich, dass die Wirtschaftsgeschichte kultur-, sozial- und wirtschaftswissenschaftliche Herangehensweisen verbinden sollte, um ein Thema in seiner ganzen Tiefe zu erfassen.

Kredite können soziale Beziehungen schaffen, strukturieren und zerstören. Die Kreditvergabe gibt vom Mittelalter bis heute Anlass zu moralischen Diskussionen darüber, ob und zu welchen Konditionen Geld verliehen werden darf. Die Vorstellung, dass Geld aus Geld entstehen kann, nicht nur aus Arbeit, stellt für den menschlichen Geist nicht nur im Mittelalter, sondern auch heute noch eine Herausforderung dar. Die Geschichte beispielsweise des Wucherdiskurses und der Zinsverbote zeigt immer auch die Kreativität, diese Verbote zu umgehen. So wurde zugleich die Grundlage für neue formale und informelle Regelsysteme geschaffen. Die Auswirkungen von Zinssenkungen und -steigerungen oder die Effekte der Handelbarkeit von Kreditpapieren, zu deren Beschreibung die Wirtschaftswissenschaften Modelle anbieten, betrafen alle Menschen, die Kredite aufnahmen oder vergaben, und somit einen großen Teil zumindest der städtischen Bevölkerung des Mittelalters.

Folgende Fragen sollen auf der Tagung unter anderen diskutiert werden:
- Welche Normen und Vorschriften regelten den Umgang mit Kredit im mittelalterlichen Europa?
- Welche Quellen geben Auskunft über Zinssätze, Überziehungspraktiken, Stundung etc., das heißt auf welcher empirischen Grundlage können Studien über Kredit im Mittelalter fußen?
- Wie schuf, festigte und veränderte die Kreditvergabe soziale Beziehungen zwischen zwei Menschen bzw. Organisationen, wie wirkte sie auf das gesamte soziale Gefüge einer Gemeinschaft?
- Wie wurden die Grenzen des Sag- und Machbaren ausgehandelt, durchgesetzt, verändert und gegebenenfalls umgangen?
- Wie funktionierte der Markt für Kredite? Welche Auswirkungen zeigten z.B. schwankende Zinssätze, die Einführung der Handelbarkeit von Kreditpapieren oder die Einschränkung der Kreditvergabe auf die jeweilige Wirtschaft?
- Wie kann man einen Kreditmarkt definieren? Welche Gemeinschaft konstituiert sich mittels Kreditvergabe?

Interessenten bitten wir, bis zum 30. Juni 2015 einen Abstract (500 Wörter) und einen kurzen Lebenslauf zu senden an: arbeitskreis@wirtschaftsgeschichte.org.

Kontakt

Dr. Julia Bruch

Universität zu Köln, Historisches Institut, Lehrstuhl für Mittelalterliche Geschichte
Albertus Magnus Platz, 50923 Köln

arbeitskreis@wirtschaftsgeschichte.org

Zitation
Kredit im Mittelalter: Kultur-, sozial- und wirtschaftswissenschaftliche Herangehensweisen, 03.12.2015 – 04.12.2015 Köln, in: H-Soz-Kult, 22.03.2015, <www.hsozkult.de/event/id/termine-27479>.