Protestantisch-höfische Musikkultur zwischen 1700 und 1750. Gottfried Heinrich Stölzel (1690–1749) im Kontext seiner Zeit

Ort
Gotha
Veranstaltungsort
Forschungsbibliothek Gotha, Schloss Friedenstein, 99867 Gotha
Veranstalter
Forschungsbibliothek Gotha der Universität Erfurt; Dr. Erik Dremel, Theologische Fakultät der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg; Bert Siegmund, Stiftung Kloster Michaelstein; Prof. Dr. Christiane Wiesenfeldt, Hochschule für Musik FRANZ LISZT Weimar, Institut für Musikwissenschaft Weimar-Jena
Datum
30.09.2016 - 02.10.2016
Bewerbungsschluss
30.11.2015
Von
Carius, Hendrikje

Die protestantische Musikkultur an mitteldeutschen Höfen im frühen 18. Jahrhundert bietet nach wie vor Forschungspotentiale hinsichtlich der musikalischen Praxis, ihrer Akteure und Netzwerke sowie nicht zuletzt ihrer historisch-politischen Kontextualisierung. Dies betrifft auch einen der zeitgenössisch bedeutenden, heute jedoch im öffentlichen Bewusstsein vergleichsweise unbekannten Vertreter der protestantischen Musikpraxis in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts, den Kapellmeister, Komponisten, Musiktheoretiker und Theologen Gottfried Heinrich Stölzel (1690-1749). Dabei prägte er diese während seiner über dreißigjährigen Tätigkeit als Gothaer Hofkapellmeister (1720 bis 1749) am Hof selbst und darüber hinaus. Er legte ein umfangreiches Œuvre in fast allen musikalischen Gattungen vor, von denen ein Bruchteil in Gotha, Sondershausen und anderen (mittel)deutschen Archiven und Bibliotheken überliefert ist.

Die Tagung soll Stölzels Wirken mittels musikwissenschaftlichen, kultur- und politikhistorischen sowie theologischen Zugriffen erstmals breit im zeitgenössischen Spannungsfeld von Musik, Hofkultur, Politik und Konfession analysieren. Ausgehend von einer Bestandsaufnahme zum Wirken Stölzels stehen einerseits das Amt, die Funktionen und Netzwerke des Gothaer Hofkapellmeisters und andererseits der Gothaer Hof als Raum konfessioneller Musikkultur im Mittelpunkt. Das Themenfeld ‚Gothaer Hofkapellmeister‘ wird aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet: Neben den Aufgaben, der Bedeutung und der Reichweite des Kapellmeisteramts im Zeitraum von 1700 bis 1750 steht die Musik als Medium höfischer Kultur in Gestalt von höfischen Strategien, musikalischen Praktiken und ihren Inszenierungsmedien, intermedialen Kontexten sowie der Repertoire- und Musikertransfer zwischen den mitteldeutschen (und italienischen) Höfen der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts im Zentrum. Im Themenfeld ‚Gothaer Hof als Raum konfessioneller Musikkultur‘ wird der Blick auf die Musik als konfessionell-höfisches Ereignis, als Grundlage konfessioneller Bildung am und durch den Hof (Musiktheorie, Musikästhetik, Musikausbildung an protestantischen Eliteschulen im Herzogtum etc.) sowie als über den Hof hinaus wirkendes konfessionelles Medium (Rezeption der Werke, Verschenken von Abschriften, Ausleihen von Musikern etc.) gerichtet. Die Tagung setzt in besonderer Weise auf die Verbindung von Quellenarbeit mit interaktiven Formaten: Bestandteil der Tagung wird sowohl ein quellenorientierter Workshop, der den interdisziplinären Austausch intensivieren soll, als auch ein Gesprächskonzert mit dem Telemannischen Collegium Michaelstein unter der Leitung von Prof. Ludger Rémy sein.

Wir bitten interessierte Nachwuchswissenschaftler/innen um Korreferate aus allen kulturhistorisch arbeitenden Fachrichtungen (z. B. Geschichte, Kunstgeschichte, Literaturwissenschaft, Musik und Theologie bzw. Kirchengeschichte) zu folgenden Themenbereichen:

Themenfeld I: Der Gothaer Hofkapellmeister: Amt, Funktionen, Netzwerke
- Höfische Strategien, Musik als Medium höfischer Kultur; musikalische Praktiken und ihre Inszenierungsmedien, intermediale Kontexte, z.B. ausgehend von Bildmedien (Druckgraphik, Gemälde), Gesangbücher
- Repertoire- und Musikertransfer zwischen den mitteldeutschen (und italienischen) Höfen der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts

Themenfeld II: Der Gothaer Hof als Raum konfessioneller Musikkultur
- Musik als konfessionell-höfisches Ereignis (Fokus auf ausgewählte Kompositionen)
- Musik als Grundlage von konfessioneller Wissensbildung am und durch den Hof (Musiktheorie, Musikästhetik, Musikausbildung an protestantischen Eliteschulen im Herzogtum etc.)
- Musik als über den Hof hinaus wirkendes konfessionelles Medium (Fokus auf Rezeption der Werke)

Themenvorschläge für einen Vortrag (Abstract von max. 2.500 Zeichen) sowie eine Kurzvita können bis zum 30. November 2015 an hendrikje.carius@uni-erfurt.de eingereicht werden. Eine Publikation der Tagungsbeiträge ist geplant.
Eine Übernahme der Reise- und Aufenthaltskosten wird angestrebt, kann aber zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch nicht in Aussicht gestellt werden.

Kontakt

Dr. Hendrikje Carius

Universitäts- und Forschungsbibliothek Erfurt/Gotha
Forschungsbibliothek Gotha
Schloss Friedenstein
99867 Gotha
+49 (0) 361 737 -5532

hendrikje.carius@uni-erfurt.de

Zitation
Protestantisch-höfische Musikkultur zwischen 1700 und 1750. Gottfried Heinrich Stölzel (1690–1749) im Kontext seiner Zeit, 30.09.2016 – 02.10.2016 Gotha, in: H-Soz-Kult, 16.10.2015, <www.hsozkult.de/event/id/termine-29197>.
Redaktion
Veröffentlicht am
16.10.2015