Podiumsdiskussion "Wem gehören die Dinge im Museum"

Ort
Köln
Veranstaltungsort
Rautenstrauch-Joest Museum - Kulturen der Welt - Köln
Veranstalter
Historisches Institut, Abteilung für Neuere und Neueste Geschichte, Universität zu Köln Rautenstrauch-Joest Museum - Kulturen der Welt
Datum
01.02.2016
Von
Steffi de Jong

„Wem gehören die Dinge in Museen?“ Diese Frage stellen sich Expertinnen und Experten bei der gleichnamigen Podiumsdiskussion am Montag, 1. Februar 2016 um 18 Uhr im Rautenstrauch-Joest-Museum – Kulturen der Welt, die in Kooperation mit dem Historischen Institut der Universität zu Köln stattfindet. Das Publikum ist eingeladen, mit den Podiumsgästen zu diskutieren, der Eintritt ist frei.

Berühmte Künstler ziehen angesichts des geplanten Kulturschutzgesetzes ihre Leihgaben aus Museen ab. Gegenstände aus früheren Kolonialgebieten werden zurückgefordert. Persönliche Zeugnisse von Gefangenen in ehemaligen Konzentrationslagern sind nicht ohne weiteres zugänglich. Fälle wie diese verleihen der vertrauten Frage neue Brisanz: Wem gehören die hier gesammelten Dinge eigentlich?

Museen stehen für die staatliche Aufgabe des Bewahrens. Andere Akteure bestreiten den damit verbundenen Anspruch auf Besitz und Verwertung der Dinge. Ein extremes Beispiel sind die Zerstörungen in Palmyra und an anderen Orten durch den Islamischen Staat. Welche symbolische Bedeutung haben die Dinge in diesen Konflikten – und welche Bedeutung kommt ihnen zu, wenn sie Teil einer Museumssammlung werden? Welche Rolle spielen Museen, Gedenkstätten und Wissenschaft in diesem Spannungsfeld? Wie begründen Herkunftsgemeinschaften ihre Ansprüche? Wer soll über die Zugänglichkeit von emotional besetzten Dingen entscheiden? Darf beispielsweise eine Bäuerin aus der Eifel in einem Kölner Museum vor dem dort ausgestellten früheren Altarbild ihrer Heimatgemeinde beten?Fragen wie diese stehen an dem Abend zur Debatte.

Zu den Referenten:
Prof. Ciraj Rassool leitet das African Programme in Museum and Heritage Studies der University of Western Cape in Kapstadt und arbeitet hier etwa eng zusammen mit dem Robben Island Museum. Zuvor war der Historiker unter anderem Mitglied des Stiftungsrats des District Six Museum und des South African History Archive. Zu seinen Forschungsschwerpunkten zählen neben Freiheitsbewegungen und politischen Biografien sowie deren Darstellung in Museen auch Kulturerbe und Repatriierungen.

Dr. Beate Kozub ist als freiberufliche Restauratorin und Wissenschaftlerin für Museen, Privatsammler und Hochschulen tätig. Sie hat unter anderem für die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg, im Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland in Bonn und für das staatliche Museum Auschwitz-Birkenau gearbeitet, sowie mehrere Forschungsaufenthalte in den USA, Polen und Chile absolviert. In ihrer Dissertation untersuchte sie restauratorische und konservatorische Maßnahmen an Objekten mit Mahnfunktion in dem staatlichen Museum Auschwitz-Birkenau.

Prof. Dr. Klaus Schneider ist Direktor des Rautenstrauch-Joest-Museums – Kulturen der Welt in Köln. Unter seiner Leitung fand der Umzug des Kölner ethnologischen Museums vom Ubierring in den 2010 eröffneten Neubau am Neumarkt statt, dessen innovativer Ausstellungsansatz mit dem Europäischen Museumspreis ausgezeichnet wurde. Der Ethnologe blickt auf eine langjährige Forschung in Westafrika zurück und war zuvor am Museum für Völkerkunde in Hamburg sowie an der Universität Frankfurt a. M. tätig.

Dr. Sabine Arend leitet die Abteilung Museologische Dienste – (Depot, Fotothek) an der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück/Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten und ist in dieser Funktion auch für die Erweiterung der Sammlung durch Ankäufe und Akquirierung von Nachlässen zuständig. Die Kunsthistorikerin, die sich in ihrer Promotion mit Fragen des Kunstraubes im besetzten Polen auseinandergesetzt hat, forscht derzeit u.a. zu Objekten, die Gefangene im Konzentrationslager Ravensbrück heimlich hergestellt hatten.

Durch den Abend führt Dr. Steffi de Jong, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Historischen Institut der Universität zu Köln. In ihrer Dissertation untersuchte die Kulturwissenschaftlerin, wie Zeitzeugen des Holocaust und des Zweiten Weltkriegs in Museen dargestellt werden. Derzeit untersucht sie den Umgang mit Tönen und Stille in Museen, sowie den Einsatz von digitalen Medien für die Erinnerung an den Holocaust.

Kontakt

Steffi de Jong

Historisches Institut, Universität zu Köln

sjong@uni-koeln.de

Zitation
Podiumsdiskussion "Wem gehören die Dinge im Museum", 01.02.2016 Köln, in: H-Soz-Kult, 21.01.2016, <www.hsozkult.de/event/id/termine-29986>.