Normative Fragen von Geschichte

Ort
Berlin
Veranstaltungsort
FU Berlin, Semnarzentrum, Otto-von-Simson-Str. 26, Raum L 115, 14195 Berlin-Dahlem
Veranstalter
Arbeitskreis "Geschichtsdidaktik theoretisch" der Konferenz für Geschichtsdidaktik e.V., Prof. Dr. Martin Lücke, Prof'in Dr. Bärbel Völkel
Datum
06.04.2016 - 08.04.2016
Bewerbungsschluss
15.03.2016
Von
Martin Lücke

Geschichte normativ aufzuladen und an gesinnungsbildenden Leitlinien entlang zu erzählen kann in einer pluralistischen und heterogenen Gesellschaft kein wünschenswertes Ziel mehr sein. Andererseits gilt innerhalb der Geschichtsdidaktik der Konsens, dass Geschichte der historischen Orientierung dient und historisches Denken auf kulturelle Kohärenz ausgerichtet ist. Sind das keine normativen Anliegen? Sodann scheint es eine ‚Pflicht zum Erinnern’ zu geben, damit uns die unselige Vergangenheit nicht wieder heimsucht. So kann ein ständiges „Erinnere dich!" als normativer Imperativ für den Umgang mit Geschichte verstanden werden, um einer "Identitätsbildung durch Geschichte" Rechnung tragen zu können. Auch scheint es bei Gedenkstättenbesuchen nach wie vor so etwas wie eine normative Erwartung an ein einwandfreies Verhalten am historischen Ort, an dem der Opfer des Nationalsozialismus gedacht wird, zu geben. Diese Beispiele ließen sich erweitern. Wie verhält sich das Prinzip eines `reflektierten Geschichtsbewusstseins`, das zu schulen auch Sinn und Zweck des historischen Lernens sein soll, zu diesen normativen Anliegen? Im Rahmen des nächsten Workshops des Arbeitskreises `Geschichtsdidaktik theoretisch’ soll das Verhältnis von Geschichte und Normativität genauer in den Blick genommen und im Hinblick auf Chancen und Grenzen, aber auch blinde Flecken untersucht werden.
Der Workshop findet auf der Basis von pre-circulated papers statt. In diesen Debattenbeiträgen, die im Vorfeld an die Teilnehmenden verschickt werden, erfolgen kritische und pointierte Stellungnahmen zu Aspekten der oben aufgeworfenen Fragen. Auf der Tagung selbst sollen nicht die Paper selbst vorgestellt werden. Vielmehr erfolgen gebündelte Kommentare zu jedem Beitrag, die in die anschließende Diskussion einleiten.

Programm

Mittwoch, 6. 4. 2016

14.00 Uhr Begrüßung

14.30 Uhr – 16.00 Uhr: Interdependenzen: Sprache, Narrativität und Normativität
Kommentator: Martin Lücke
Phillipe Weber: Produktion und Artikulation von Normen beim historischen Erzählen
Stefan Benz: Genetisches erzählen, empirische Erkundungen, normative Erwartungen – zu Jörn Rüsens genetischer Sinnbildung

16.30 Uhr – 18.00 Uhr: Normsetzungen in der Historiographie
Kommentatorin: Bea Lundt
Andreas Buller: Über das Mitleid des Historikers
Jörg van Norden: Wahrheit und Konstruktion – ein epistemologisches Dilemma
Gabriele Jancke: Rezeption der Katharina von Bora – Wahrheit, Konstruktion, normative Vorstellungen von Gesellschaft

19.00 Uhr: Abendvortrag
Prof. Dr. Peter Schulz-Hageleit:
Vermächtnisse als roter Faden einer normativen Orientierung im Geschichtsunterricht

Donnerstag, 7. 4. 2016

9.00 Uhr – 10.30 Uhr: Digital History – Virtuelle Konstruktionen von Geschichte und die Unsterblichkeit der Zeitzeugen
Kommentator: Thomas Sandkühler
Susann Hogervorst: Live Stories / Life Stories. Die Verwendung digitalisierter Zeitzeugnisssen im Geschichtsunterricht
Andrea Kolpatzik: Zeitgeschichte im digitalen Zeitalter – Normen vs. Kompetenzen?

11.00 Uhr – 12.30 Uhr: Normative Bezüge im Bereich Public History
Kommentatorin: Juliane Brauer
Christine Gundermann: „Und die Moral von der Geschicht`…“ - Ethikdebatten in der Public History
Marcus Ventzke/Benjamin Bräuer: Orientierendes historisches Denken und sein normativer Bezug
Clemens Tangerding: Abgrenzung und Empathie im Konflikt

12.30 – 14.00 Uhr: Mittagspause

14.00 Uhr – 15.30 Uhr: Sprache geht vor Sache? Der Geschichtsunterricht als Sprachfach
Kommentator: Peter Schulz-Hageleit
Thomas Martin Buck: Sprache als unhintergehbare Norm für den Geschichtsunterricht
Christoph Kühberger: Normative Aspekte in Schulgeschichtsbüchern anhand von Aufgabenstellungen

16.00 Uhr – 17.30 Uhr: Urteilsbildung im Geschichtsunterricht und ihr Normenbezug
Kommentator: Michele Barricelli
Wolfgang Hasberg: Ästhetische Urteile im Geschichtsunterricht?
Oliver Plessow: Wieviel Normativität braucht Geschichtsvermittlung?
Michael Zech: Normbildung statt Normvermittlung im Geschichtsunterricht – Urteilsbildung als Individuationsvorgang

19.00 Uhr: Gemeinsames Abendessen

Freitag, 8. 4. 2016

9.00 Uhr – 10.30 Uhr: Historische Identitäten in pluralen Geschichtsklassen
Kommentatorin: Bärbel Völkel
Urte Kocka: Normativer Geschichtsunterricht in heterogen zusammen gesetzten Klassenzimmern einer Einwanderungsgesellschaft
Lale Yilderim: Wie verhalten sich Geschichtsbewusstsein, Geschichtskultur und historische Identität in einer Einwanderungsgesellschaft normativ zueinander?

11.00 Uhr – 12.30 Uhr: Abschlussbesprechung

Kontakt

Sebastian Telschow

Didaktik der Geschichte, FU Berlin
Koserstraße 20, 14195 Berlin-Dahlem
030/838-55650

sebastian.telschow@fu-berlin.de

Zitation
Normative Fragen von Geschichte, 06.04.2016 – 08.04.2016 Berlin, in: H-Soz-Kult, 19.02.2016, <www.hsozkult.de/event/id/termine-30244>.