Christen unter totalitärer Herrschaft von 1945 bis ca. 1960 (ČSSR, Ukraine, SBZ/DDR, Polen)

Ort
Bad Kissingen
Veranstaltungsort
Bildungs- und Begegnungsstätte „Der Heiligenhof“
Veranstalter
Institut für Kirchen- und Kulturgeschichte der Deutschen in Ostmittel- und Südosteuropa e.V.
Datum
07.08.2016 - 10.08.2016
Von
Bogade, Marco

Das Institut für Kirchen- und Kulturgeschichte der Deutschen in Ostmittel- und Südosteuropa e.V., Tübingen (IKKDOS), veranstaltet zusammen zusammen mit dem Europäischen Netzwerk Erinnerung und Solidarität und der Akademie Mitteleuropa e.V., Bad Kissingen, die internationale Tagung

"Christen unter totalitärer Herrschaft von 1945 bis ca. 1960 (ČSSR, Ukraine, SBZ/DDR, Polen)"

Die Tagung thematisiert mit der geplanten Tagung die Situation und die Geschichte der (katholischen) Kirche unter kommunistischer Diktatur bzw. kommunistischen Diktaturen in einem regional komparatistischen Ansatz mit Fokus auf die SBZ/DDR, Polen, Tschechoslowakei und die Ukraine. Der zeitliche Rahmen soll dabei das Ende des Zweiten Weltkriegs und etwa das Jahr 1960 bilden; den Endpunkt bestimmen jeweils länderspezifische Entwicklungen unterschiedlich). Auch die Perspektive auf andere Konfessionen (u.a. die griechisch-katholische Kirche in der Ukraine) soll aufgegriffen und diskutiert werden. Der (regional-) komparatistische Ansatz steht dabei, ausgehend von der Situation der deutschen/deutschsprachigen Christen, deutlich im Vordergrund.
Alltags- und mentalitätsgeschichtliche Aspekte werden eingebunden, wenn die Fragerichtung auf die Situation einzelner Gruppen (Ethnien, Konfessionen) oder auf Einzelpersonen gerichtet wird. Historiker können beim Blick auf die Menschen und ihr Handeln und Leiden in totalitären Systemen den institutionellen Rahmen nicht ausblenden; das Verhältnis von Staat/Staatspartei und Kirche, respektive Kirchenleitung, Ideologie der Herrschaft und theologische Reflexion in den Kirchen wird also auch Gegenstand der Untersuchungen sein – nach Möglichkeit aber insofern sie Bedingung sind für die alltägliche Situation, in der christliche Existenz sich vollzieht.
Wo Theorien an die Fakten herangetragen werden, ist die kritische Prüfung von Theorien nötig. Das gilt für die Totalitarismustheorien ebenso wie für die Rede von der „Kirche“. Die grundsätzliche Reflexion des Selbstverständnisses der Agenten muss also parallel geführt werden.

Folgende Schwerpunkte sollen behandelt werden:
- Diktaturenwechsel/Zwischenphasen – ein Überblick über die äußere, die politische Entwicklung
- Repressionsformen: Angriffe auf Strukturen, Verfolgung einzelner und Gruppen, Ringen um einen modus vivendi, Ghettobildung
- Herrschaftsnähere und herrschaftsfernere Gruppen: Konfessionen im Vergleich. Welche Faktoren bestimmten die Gruppenidentität? Frömmigkeitspraxis, religiöse Traditionen, ethnische, nationale?
- Reaktion auf Repression im alltäglichen Leben, in der Theologie, „Widerstand“: Gab es in der Auseinandersetzung mit totalitären Systemen neben Konfrontation auch Phasen der Anpassung, viel-leicht auch der Resignation? Oder gar der Kollaboration? Wer war aus welchen Gründen und mit welchen Intentionen dazu bereit? Be-stimmt primär die Sorge um einen Freiraum für ‚kirchliche Interes-sen‘ das Verhalten oder die Sorge um die Freiheit der Menschen, um die Menschenrechte?
- Welche Motive für Überlebensstrategien, für Anpassung, aber auch für Non-Konformität, für Widersetzen und Widerstand lassen sich jeweils feststellen? Welche Auffassung vom Menschen, von der Kirche, von den Aufgaben der Seelsorge, vom Staat verbirgt sich dahinter?
- Wo finden wir die Fakten? Wie sichern wir Quellen?
- Wie gehen wir mit „Wirkungen“ von Repressionsmaßnahmen“ auf die Menschen um – etwa das Erbe von Traumata?

Programm

Sonntag, 7. November

19:00 Uhr: Begrüßung und Vorstellungsrunde
Einführung in das Tagungsthema (Rainer Bendel, Tübingen)

THEMENSCHWERPUNKT: TSCHECHOLSOWAKISCHE SOZIALISTISCHE REPUBLIK (ČSSR)
20:00 Uhr: Zur Situation der Christen in der ČSSR (Otfrid Pustejovsky, Waakirchen)

Montag, 8. November

09.00 Uhr: Zwei Antlitze der katholischen Kirche nach dem kommunistischen Machtantritt in der Tschechoslowakei - Widerstand und Anpassung (Jaroslav Šebek, (Prag/Praha
9:45 Uhr: Christen unter totalitärer Herrschaft in der Slowakei (Ivan A. Petranský, Preßburg/ Bratislava)

THEMENSCHWERPUNKT: UKRAINISCHE SOZIALISTISCHE SOWJETREPUBLIK
11:00 Uhr: Drei Tage, die die Ukraine veränderten. Die Pseudo-Synode von Lemberg von 8. bis 10. März 1946 zur „Liquidierung“ der Griechisch-Katholischen Kirche in Galizien (Karin Boeckh, Regensburg)
13:45 Uhr: Untergrundalltag: bischöfliche Sukzession, Priesterausbildung und Seelsorge am Beispiel der Ukrainischen Griechisch-Katholischen Kirche (Andriy Mykhaleyko, Eichstätt)
14:30 Uhr: Stalinistische «Wiedervereinigung der Unierten» in der Ukraine: Motive, Modelle, Methoden (Oleh Turiy, Lemberg/L’viv)

THEMENSCHWERPUNKT: SOWJETISCHE BESATZUNGSZONE/DDR
15:45 Uhr : Christen zwischen den Fronten. Die Jugendweihe als Ausdruck des Kirche-Staat-Konflikts in der DDR (Thomas Arnold, Dresden)
16:30 Uhr: Bischof Julius Döpfner im Blick der Staatssicherheit (Jörg Seiler, Erfurt)
17:15 Uhr: SBZ/DDR: Leichter Gegenwind im Sturm des Sozialismus. Zum Leben der Christen in der DDR und ihre kirchlichen Möglichkeiten (Josef Pilvousek, Erfurt)

Dienstag, 9. November

Ab 09.00 Uhr: Exkursion nach Bamberg

10:00 Uhr: Ankunft im Begegnungszentrum der Ackermann-Gemeinde Bamberg, Friedrichstraße 2
- Vortrag und Präsentation: „Verfolgte Kirche in Böhmen. Die Aktivitäten der Ackermann-Gemeinde Bamberg bis zur Wende“ (Franz Kubin, Bamberg)
- Gespräch mit Priester Ionuţ Paun (Rumänische orthodoxe Gemeinde in Bamberg)
15:00 Uhr: Stadtführung „Bamberg und Ostmitteleuropa“ (Marco Bogade, Bamberg)

Mittwoch, 10. August

THEMENSCHWERPUNKT: VOLKSREPUBLIK POLEN
09.00 Uhr: (Situation in Polen) (Bernard Linek, Opole/Oppeln) - angefragt
09.45 Uhr: Die Situation der Ukrainer in Ermland und Masuren nach ihrer Umsiedlung in dieses Gebiet im Jahre 1947 (Andrzej Kopiczko, Olsztyn/ Allenstein)
11.00 Uhr: (Situation in Polen) (Grzegorz Bębnik, Katowice/Kattowitz) - angefragt
11.45 Uhr Zusammenfassung und Diskussion (Rainer Bendel, Tübingen)

Kontakt

Martin Wambsganß

Institut für Kirchen- und Kulturgeschichte der Deutschen in Ostmittel- und Südosteuropa e.V.
Sekretariat: Seelhausgasse 11a 72070 Tübingen
07071-949017
03212-6275151
ikkdos@web.de

Zitation
Christen unter totalitärer Herrschaft von 1945 bis ca. 1960 (ČSSR, Ukraine, SBZ/DDR, Polen), 07.08.2016 – 10.08.2016 Bad Kissingen, in: H-Soz-Kult, 24.07.2016, <www.hsozkult.de/event/id/termine-31557>.
Redaktion
Veröffentlicht am
24.07.2016
Beiträger