INschrift–ABschrift–TRUGschrift. Bild- und Schriftinformationen als Mittel der Legitimation und Akzeptanz von Zahlungsmitteln in vormodernen Gesellschaften

Ort
Osnabrück
Veranstaltungsort
Universität Osnabrück
Veranstalter
Universität Osnabrück, Historisches Seminar, Wirtschafts- und Sozialgeschichte
Datum
25.09.2017 - 27.09.2017
Bewerbungsschluss
15.09.2017
Von
Steinbach, Sebastian

Während sich Geld in der Moderne zunehmend von seiner materiellen Komponente löst (elektronisches Buchgeld) und davon unabhängige Legitimationsstrategien entwickelt, waren seine Verbindung zum Material (Edelmetall) und die Funktion als ökonomisches und herrschaftspolitisches Kommunikationsmittel (Mediencharakter) bis in die Neuzeit für den (Nominal-)Wert und die Akzeptanz im Warenverkehr von entscheidender Bedeutung.

Die Verbindung von Bild- und Schriftinformation ist der materiellen Form des Geldes dabei in nahezu allen Zeiten ihres Gebrauchs in unterschiedlich stark ausgeprägter Form eigen gewesen und diente der herrschafts-politischen und sozio-kulturellen Kommunikation. Der von der Fritz Thyssen Stiftung geförderte Workshop untersucht das wechselseitige Verhältnis von Bild- und Schriftinformationen in Bezug auf die Legitimation, Akzeptanz und Dominanz von Zahlungsmitteln in antiken und vormodernen Gesellschaften im Zusammenspiel mit deren materiell-medialem historischen Umfeld. Im Fokus steht dabei die Frage, inwieweit schrift-symbolische Kommunikation im Zusammenhang mit ikonographischen und numerischen Informationen als Mittel einer obrigkeitlich-verordneten und/oder sozial-anerkannten Akzeptanz eigener und Toleranz fremder Geldsorten diente und beeinflusst wurde.

Auch soll das Zusammenspiel von Materialität und Medialität epochenübergreifend von Vertretern verschiedener Fachdisziplinen (u.a. Wirtschaftsgeschichte, Kunstgeschichte, Philosophie und Numismatik) untersucht und diskutiert werden. Es gilt dabei, die unterschiedlichen Differenzierungslinien des Charakters von Bild- und Schriftlichkeit im pekuniär-monetären Umfeld und ihr wechselseitiges Verhältnis auszuloten: Dazu können beispielsweise ein beglaubigender (Garantiestempel), ein informativer (Botschaft), ein magisch-repräsentativer (Symbol) oder ein ikonographischer (Bild) Charakter zählen. Auch wird der Betrachtungshorizont neben den reinen Zahlungsmitteln auf andere bildliche und narrative Medien beispielsweise der Kunstgeschichte oder der Sphragistik komparativ ausgeweitet werden, um die Entwicklung von materieller Visualität in pekuniär-monetären Zusammenhängen genauer analysieren zu können. Die Beiträge sind jeweils als Fallstudien der einzelnen Disziplinen angelegt, von deren Erkenntnissen aus die verschiedenen Abstraktionsebenen der ikonographisch-epigraphischen Medialität des Geldes untersucht und diskutiert werden können.

Programm

Montag, 25.09.2017

Veranstaltungsort: Universitätsbibliothek Osnabrück, Zimeliensaal, Alte Münze 16, Raum 09/114

19:00 Uhr
Öffentlicher Abendvortrag. Harald Wolter-von dem Knesebeck (Bonn): Bischof Bernward von Hildesheim und sein Umgang mit Bild und Schrift

Dienstag, 26.09.2017

Veranstaltungsort: Universität Osnabrück, European Legal Studies Institute, Süsterstraße 28, Raum 44/E03

Moderation am Vormittag: Thomas Vogtherr (Osnabrück)

9:00 Uhr
Begrüßung und Eröffnung

9:15 Uhr
Sebastian Steinbach (Osnabrück): Schriftbilder und Buchstabenzauber. Dimensionen und Formen monetärer Bild- und Schriftlichkeit am Beispiel europäischer Münzen des Frühmittelalters

10:00 Uhr
Gottfried Gabriel (Jena): Politische Ikonographie des Geldes

10:45 Uhr
Kaffeepause

11:15 Uhr
Judith Ellenbürger (Hamburg): Bausteine zu einer Medialität des Geldes

12:00 Uhr
Lutz Ilisch (Tübingen): Bild, Motto oder Namensnennung als Alternativen der Personenbezeichnung in der frühen islamischen Münzprägung des 7./8. Jahrhunderts

12:45 Uhr
Mittagspause

Moderation am Nachmittag: Jan Keupp (Münster)

14:00 Uhr
Bernhard Weisser (Berlin): Buchstaben und Bild. Funktionen von Schrift auf antiken griechischen Münzen

14:45 Uhr
Christiane Kunst (Osnabrück): Materialität und Medialität. Zur Akzeptanz römischen Silbers im 3. Jahrhundert

15:30
Kaffeepause

16:00 Uhr
Michael Grünbart (Münster): Reduplizierte Autorität. Das kaiserliche Stempelwesen und der kontrollierte Warenaustausch in Byzanz

16:45 Uhr
Harald Derschka (Konstanz): Zur Ikonografie stauferzeitlicher Brakteaten in Süddeutschland

Mittwoch, 27.09.2017

Veranstaltungsort: Universität Osnabrück, European Legal Studies Institute, Süsterstraße 28, Raum 44/E03

Moderation am Vormittag: Sebastian Steinbach (Osnabrück)

9:00 Uhr
Torsten Hiltmann (Münster): Zwischen Individualität und Autorität. Visuelle Differenzierungsprozesse auf hoch- und spätmittelalterlichen Münzen (12.-15. Jh.)

9:45 Uhr
Philipp R. Rössner (Leipzig): Schlechte Münze, böses Geld? Soziale, ökonomische und kulturelle Spannungsfelder in Marktgesellschaften der Vormoderne (c. 1400-1900)

10:30 Uhr
Kaffeepause

11:00 Uhr
Hendrik Mäkeler (Uppsala): Inschriften als intrinsische Werte. Wie Papier einen Materialwert erlangt

11:45 Uhr
Ruth Wolff (Florenz): Falscher Text, falsches Bild, falscher Mensch? Zu Problemen der Siegelfälschung im italienischen Mittelalter

12:30 Uhr
Zusammenfassung und Abschlussdiskussion

13:00 Uhr
Ende der Veranstaltung

Kontakt

PD Dr. Sebastian Steinbach

Historisches Seminar
Universität Osnabrück
+49 541 969-4260

sebastian.steinbach@uni-osnabrueck.de

Zitation
INschrift–ABschrift–TRUGschrift. Bild- und Schriftinformationen als Mittel der Legitimation und Akzeptanz von Zahlungsmitteln in vormodernen Gesellschaften, 25.09.2017 – 27.09.2017 Osnabrück, in: H-Soz-Kult, 05.05.2017, <www.hsozkult.de/event/id/termine-34056>.