Reichsstadt als Argument

Ort
Mühlhausen
Veranstaltungsort
Puschkinhaus, Puschkinstraße 3
Veranstalter
Mühlhäuser Arbeitskreis für Reichsstadtgeschichte; Organisatoren: Mathias Kälble (Dresden) und Helge Wittmann (Mühlhausen)
Datum
12.02.2018 - 14.02.2018
Bewerbungsschluss
15.01.2018
Von
Mühlhäuser Arbeitskreis für Reichsstadtgeschichte

Im Ordnungsgefüge des Alten Reiches nahmen Reichsstädte eine Sonderstellung ein. Unmittelbar zu König und Reich genossen sie Freiheiten, die andere Städte nicht besaßen, nahmen an Hof- und Reichstagen teil und waren durch ihre Reichsunmittelbarkeit vor den Zugriffen der Fürsten besser geschützt. Dies wiederum eröffnete ihnen größere Handlungsspielräume und weitreichende Autonomie, die sie gegenüber anderen Städten mehr oder weniger deutlich hervorhoben.
Andererseits waren Reichsstädte von reichspolitischen Problemen wie Thronstreitigkeiten und Interregnum, den Bemühungen um einen Reichsfrieden und kirchenpolitischen Fragen viel unmittelbarer betroffen als andere Kommunen. Sie waren immer wieder mit besonderen Gefahren und zusätzlichen Belastungen etwa durch militärische oder finanzielle Hilfen für das Reich konfrontiert.
Reichsstadt zu sein war somit nicht nur eine Frage der rechtlichen Stellung im Ordnungsgefüge des Reiches, sondern vor allem eine politische Frage, abhängig von konkreten Herrschaftskonstellationen, und nicht zuletzt eine Frage der Wahrnehmung und des Selbstverständnisses städtischer Eliten.
Was es bedeutete, Reichsstadt zu sein, war deshalb keineswegs klar festgelegt, sondern vielfach das Ergebnis von Aushandlungsprozessen, die den konkreten Status von Reichsstädten immer wieder neu definierten. So konnte es für eine Stadt, abhängig von ihrer jeweiligen Situation, von Vorteil sein, ihre tatsächliche oder auch nur beanspruchte Sonderstellung als Reichsstadt zu betonen, andererseits war es mitunter sinnvoll, den Reichsstadtstatus zu leugnen, wenn damit Ansprüche von König und Kaiser abgewehrt werden konnten.
Die Tagung „Reichsstadt als Argument“ versucht, über einen langestreckten Zeitraum vom Spätmittelalter bis zum Ende des Alten Reiches spezifische und wiederkehrende Argumentationsmuster und -kontexte herauszuarbeiten und vergleichend zu betrachten. Dabei rückt die grundsätzliche Frage nach dem Selbstverständnis von Städten als „Reichsstädte“ im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit in den Fokus.

Programm

Programm (Änderungen möglich)

Montag, 12. Februar 2018, Puschkinhaus

Begrüßung: Helge Wittmann (Mühlhausen)
13.00 Uhr Mathias Kälble (Dresden), Zur Einführung – Reichsstadt als Argument

Moderation: Thomas Zotz (Freiburg i. Br.)
13.30 Uhr Gerold Bönnen (Worms), Bischof, Geistlichkeit, Rat – „Reichsstadt“ als Argument in Konflikten in Speyer und Worms (ca. 1300 bis 1520)
14.15 Uhr Olivier Richard (Straßburg), Mobilisierung, Ignorierung, Erfindung des reichsunmittelbaren Status bei elsässischen Reichsstädten im Spätmittelalter?

15.00 Uhr bis 15.30 Uhr – Pause

Moderation: Felicitas Schmieder (Hagen)
15.30 Uhr Doris Bulach (München), Kaiserliche Macht und Reichsstadtstatus – Privilegierungen und Verpfändungen mitteldeutscher Reichsstädte durch Ludwig IV.
16.15 Uhr Gabriele Annas (Frankfurt a. M.), Kein Reichstag ohne Reichsstadt? „Des heiligen reichs stete“ und die Reichsversammlungen des späten Mittelalters

Ort: Kirche St. Nicolai, Bastmarkt
17.30 Uhr Besichtigung mit Vortrag
Begrüßung: Teja Begrich, Pfarrer zu St. Nicolai
Moderation: Michael Rothmann (Hannover)
Vortrag:
Martin Sünder (Mühlhausen), Der Reichsstadtstatus als Argument in Mühlhausen im Zeitalter von Reformation und Bauernkrieg

Ort: Historisches Rathaus, Ratsstraße 19
19.00 Uhr Öffentliche Abendveranstaltung
Begrüßung: Johannes Bruns, Oberbürgermeister der Stadt Mühlhausen
Grußwort: Andreas Lesser, Friedrich-Christian-Lesser-Stiftung
Moderation: Michael Rothmann (Hannover)
Vortrag:
Barbara Stollberg-Rilinger (Münster), Reichsstadt, Reichsverfassung und die symbolische Inszenierung von Status

Dienstag, 13. Februar 2018, Puschkinhaus

Moderation: Rolf Hammel-Kiesow (Lübeck)
09.00 Uhr Henning Steinführer (Braunschweig), Zwischen Reich und Fürstenherrschaft – Die Städte Braunschweig und Magdeburg im Ringen um ihre Selbständigkeit im 16. und 17. Jahrhundert
09.45 Uhr Oliver Auge (Kiel), Zwischen Kaiser und König – Hamburg auf dem Weg zur Reichsstadt

10.30 Uhr bis 11.00 Uhr – Pause

Moderation: Thomas Lau (Freiburg i. Ü.)
11.00 Uhr Rudolf Gamper (St.Gallen), „… die selb statt kain richstatt nie gesin ist“. Politische Argumentation der Fürstabtei und der Reichsstadt St.Gallen im Spätmittelalter und in der frühen Neuzeit
11.45 Uhr
Evelien Timpener (Hannover), Die Karte als Argument? Bildliche Darstellungen von territorialen Verhältnissen in Gerichtsprozessen zwischen Frankfurt und Hanau-Münzenberg im 16. Jahrhundert

12.30 Uhr bis 14.30 Uhr – Pause

Moderation: Klaus-Peter Schroeder (Heidelberg)
14.30 Uhr Helmut G. Walther (Jena), „Unsere und des Reichs Städte“ – Zum Wandel der Vorstellungen von kollektiven Freiheitsrechten im Reich des Spätmittelalters
15.15 Uhr Siegrid Westphal (Osnabrück), Reichsstädtisches Agieren und Argumentieren bei den Verhandlungen des Westfälischen Friedenskongresses

16.00 Uhr bis 16.30 Uhr – Pause

Moderation: Michael Diefenbacher (Nürnberg)
16.30 Uhr Joachim Halbekann (Esslingen am Neckar), Die „Esslinger Studien“ und die Erforschung der reichsstädtischen Geschichte
17.15 Uhr Schlussdiskussion
Stephan Selzer (Hamburg), Reichsstadt als Argument – Eine Rückschau

18.00 Uhr bis 18.15 Uhr – Pause

18.15 Uhr Sitzung des Mühlhäuser Arbeitskreises für Reichsstadtgeschichte

Mittwoch, 14. Februar 2018
Exkursion nach Eschwege
Mit Unterstützung des Mühlhäuser Geschichts- und Denkmalpflegevereins e.V.

09.00 Uhr Abfahrt vom Puschkinhaus

Ort: Eschwege, Neues Rathaus, Ratssitzungssaal
10.00 Uhr
Begrüßung: Alexander Heppe, Bürgermeister der Stadt Eschwege
Moderation: Ursula Braasch-Schwersmann (Marburg)
Vortrag:
Steffen Krieb (Freiburg i. Br.), Dem Reich ohne Mittel unterworfen: Die Berufung auf Kaiser und Reich bei der Formierung der Reichsritterschaft

11.00 Uhr Stadtführung

14.00 Uhr Abfahrt vom Stadtbahnhof Eschwege

15.00 Uhr Ankunft in Mühlhausen

Kontakt

Dr. Helge Wittmann

Stadtarchiv Mühlhausen, Ratsstraße 25, 99974 Mühlhausen

03601/452-142

stadtarchiv@muehlhausen.de

Zitation
Reichsstadt als Argument, 12.02.2018 – 14.02.2018 Mühlhausen, in: H-Soz-Kult, 23.11.2017, <www.hsozkult.de/event/id/termine-35804>.
Redaktion
Veröffentlicht am
23.11.2017
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