Zukunftsvorstellungen im osmanischen Europa (15.-20. Jahrhundert)

Ort
Bochum
Veranstaltungsort
Bochum, RUB
Veranstalter
Ruhr-Universität Bochum, Arbeitskreises “Osmanisches Europa“, Dr. Andreas Helmedach, Prof. Dr. Markus Koller
Datum
22.11.2018 - 24.11.2018
Bewerbungsschluss
30.03.2018
Von
Arbeitskreis Osmanisches Europa

Will der Historiker die Menschen der Vergangenheit verstehen, muss er deren Zukunftserwartungen kennen, die sich wohl zu allen Zeiten häufig genug von der Zukunft unterschieden haben, mit der jene Menschen im tatsächlichen Leben konfrontiert worden sind.
Lucian Hölscher, Pionier und profiliertester Erforscher historischer Zukunftsvorstellungen der europäischen Neuzeit, datierte in seinem bekannten Werk „Die Entdeckung der Zukunft“ ebenjene „geschichtsphilosophische Erschließung“ der „Zukunft“ auf das späte 18. Jahrhundert, wobei er auf zwei bemerkenswerte Wendezeiten um 1770 und 1830 hinwies. Eine entscheidende Antriebskraft für den Wandel von der „vormodernen“ zur „modernen Zeitvorstellung“ war laut Hölscher die „fortschreitende Historisierung“ der Welt durch die moderne Geschichtswissenschaft seit der frühen Neuzeit, durch die der Wandel der Welt nicht mehr der vom Christentum vorgegebenen Vorbestimmung und eschatologischer Endzeiterwartung, sondern einer Folge geschichtlicher Ereignisse zu unterliegen schien, die ihrerseits nun zunehmend als „Fortschritt“ gedeutet wurde.
Wie jeder grundlegende Neuansatz in den Geisteswissenschaften ist auch der Hölschers zur Entdeckung der Zukunft kritisiert worden; so hat man seine Fokussierung auf Elitenkulturen bemängelt. Andere haben darauf hingewiesen, dass auch nach der „Durchsetzung“ des modernen Zukunftsbegriffes Kontinuitäten älterer „Typen“ von Zukunftsvorstellungen zu beobachten sind. In Anlehnung an Peter Burke ist auf die Rationalität der frühen Neuzeit und die Fähigkeit vieler Menschen dieser Epoche hingewiesen worden, langfristige Zukunftsplanungen zu betreiben und Entwicklungen zu antizipieren. Letztere Überlegungen kommen den Zielen des Arbeitskreises Osmanisches Europa besonders entgegen, der sich der Frühneuzeitforschung für den Südosten des europäischen Kontinents verpflichtet fühlt.
Aus der Perspektive der Geschichte des osmanischen Europas, die in der des häufig als maßgebend angesehenen Geschichte des westlichen Europas nun einmal nicht aufgeht, stellen sich Fragen: Wann und unter welchen Bedingungen ist dort der Wandel von eschatologischer Endzeit-Zukunft zur „genetisch-säkularen“, zur „modernen“ offenen und „fortschrittlichen“ geschehen? Was waren die Antriebskräfte dieses Wandels? Waren vormoderne Zukunftsvorstellungen gleichsam unverbunden mit dem Auftritt der modernen „Fortschritts“-Zukunft seit etwa 1770? Gab es osmanisch-europäische Spezifika der Zukunftsvorstellungen – etwa aus der Konkurrenzsituation von Islam, Orthodoxie und Katholizismus? Wie war das Verhältnis zwischen „autochthonen“ Zukunftsvorstellungen und denen, die die aus den verschiedensten Richtungen kommenden Eroberer und Hegemonialmächte mitbrachten? Gab es im osmanischen Europa ähnliche „Wellen“ der „Entfaltung“ politisch-sozialer Zukunftshorizonte wie die von Hölscher beobachteten und herausgearbeiteten im „Westen“?
Mit der Jahreskonferenz 2018 des Arbeitskreises Osmanisches Europa an der Ruhr-Universität Bochum vom 22. bis zum 24. November des Jahres möchten wir den Ansatz Lucien Hölschers auf den Südosten Europas anwenden und damit eine Lücke in der Forschung angehen. Dabei sind wir offen für Vorschläge, die sich, inspiriert von Konzept der „Zukunftserwartung“, anders als Hölscher selbst, auch der Vor- und Frühmoderne und ihrem „Weiterleben“ im 19. und 20. Jahrhundert zuwenden wollen. Vorschläge (von etwa 2000 bis 3000 Zeichen Umfang) für Vorträge von etwa 30 Minuten Dauer in deutscher oder englischer Sprache bitte bis zum 30. März 2018 an die Email-Adresse: bereichssekretariat5@rub.de

Kontakt

Prof. Dr. Koller

Historisches Instiut
Ruhr-Universität Bochum

bereichssekretariat5@rub.de

Zitation
Zukunftsvorstellungen im osmanischen Europa (15.-20. Jahrhundert), 22.11.2018 – 24.11.2018 Bochum, in: H-Soz-Kult, 02.02.2018, <www.hsozkult.de/event/id/termine-36346>.