Konsumgeschichte des Autos

Ort
Wolfsburg
Veranstaltungsort
Historische Konzernkommunikation, VW AG Wolfsburg
Veranstalter
apl. Prof. Dr. Christopher Kopper, Universität Bielefeld; PD Dr. Christopher Neumaier, Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam; AK Verkehrsgeschichte/ Gesellschaft für Technikgeschichte
Datum
04.04.2019 - 05.04.2019
Bewerbungsschluss
01.09.2018
Von
Christopher Kopper/Christopher Neumaier

Während sich die Geschichte des Autos lange Zeit auf die Produktions- und Entwicklungsprozesse konzentriere, entdeckte die historische Forschung das Auto als Konsumgut und emotional aufgeladenes Objekt relativ spät. Dies ist bemerkenswert. Denn wohl kaum ein anderes Konsumgut zog mehr Aufmerksamkeit auf sich, besaß einen stärkeren Symbolcharakter und ließ eine engere Bindung des Eigentümers/der Eigentümerin an das Objekt entstehen als das Auto.

Vor und während der Durchbruchphase der Massenmotorisierung war der Besitz eines Autos eines Autos ein Element der sozialen Distinktion. Seinen sozial und kulturell distinguierenden Charakter verlor das Auto auch während der Massenmotorisierung nicht. Die Auswahl eines Automodells war nicht nur von den finanziellen Ressourcen und Konsumpräferenzen abhängig, sondern signalisierte ein Nutzerimage und eine soziokulturelle Position. Die Distinktionsabsicht schlug selbst bei Automodellen wie dem VW Käfer durch, der laut der Herstellerwerbung für Menschen gebaut war, die sich nicht unterscheiden wollten. In den USA und Frankreich war die Wahl einer Automarke auch ein quasi religiöses und politisches Statement.

Im Systemwettbewerb zwischen marktwirtschaftlichen und planwirtschaftlichen Wirtschaftsordnungen fungierten Autos als Ausweis der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit und der Konsumentensouveränität. Die Produkte der nationalen Autoindustrien repräsentierten ökonomische und kulturelle Traditionen und einen nationalen „way of driving“. Die erste Ölpreiskrise von 1973/74 markierte einen automobilen Wendepunkt, an dem sich der Verkäufermarkt zu einem Käufermarkt entwickelte und die modelltypischen Vorzüge eines Autos neu justiert und neu verhandelt wurden.

Das Spannungsverhältnis zwischen dem Gebrauchsgegenstand und dem emotional besetzten Objekt der Begierde nahm immer wieder neue Formen an und galt als Ausdruck des gesellschaftlich verhandelten Wertewandels. Während die share economy das eigene Auto durch ein zeitliches Nutzungsrecht ersetzen will, leitete das Nachhaltigkeitsparadigma eine Neugewichtung der technischen Parameter in Richtung Umweltfreundlichkeit und Ressourcenschonung ein.

Gesucht sind Beiträge zur Konsum- und Gebrauchsgeschichte des Autos, zur Geschichte des Marketing, zum (Werte)wandel der automobilen Gesellschaft, zum (Gebraucht)wagenmarkt, zum Konsum von Mobilität und zu weiteren Themenfeldern, die sich mit der Konsumgeschichte des Autos beschäftigen.

Den Referentinnen und Referenten werden eine Hotelübernachtung in Wolfsburg und die Anreisekosten (BahnCard 50, 2. Klasse) erstattet.

Vorschläge (mit Kurzbiografie und kurzem Thesenpapier, max. je 1 Seite) bis zum 1. September 2018 an:

apl. Prof. Dr. Christopher Kopper
Fakultät für Geschichtswissenschaft,
Philosophie und Theologie
Universität Bielefeld
christopher.kopper@uni-bielefeld.de und

PD Dr. Christopher Neumaier
Zentrum für Zeithistorische Forschung (ZZF) Potsdam
neumaier@zzf-potsdam.de

Beiträge in Deutsch und Englisch sind willkommen/
Participants are welcome to present in German or English

Kontakt

Christopher Kopper

Universität Bielefeld, Fakultät für Geschichtswissenschaft
33615 Bielefeld

christopher.kopper@uni-bielefeld.de

Zitation
Konsumgeschichte des Autos, 04.04.2019 – 05.04.2019 Wolfsburg, in: H-Soz-Kult, 30.05.2018, <www.hsozkult.de/event/id/termine-37426>.
Redaktion
Veröffentlicht am
30.05.2018
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