Private Dokumente, öffentliche Dokumente – archivarische Klassifikation oder soziales Problem?

Ort
Paris
Veranstalter
Centre interdisciplinaire d'études et de recherches sur l'Allemagne (CIERA) und Centre d'Etudes Sociologiques et Politiques Raymond Aron (CESPRA) de l'EHESS Paris; Organisations-Komitee: Nebiha Guiga / Theo Müller / Felix Schmidt (Universität Heidelberg/EHESS Paris)
Datum
21.09.2018 - 21.09.2018
Bewerbungsschluss
12.07.2018
Von
Nebiha Guiga/Theo Müller/Felix Schmidt

Als Historikerinnen und Historiker haben wir es in mehrfacher Hinsicht mit der Unterscheidung zwischen öffentlichen und privaten Dokumenten zu tun. Die uns naheliegendste ist archivarischer Natur und unterscheidet zwischen den öffentlichen Dokumenten, die vom Staat produziert und/oder aufbewahrt werden, und den privaten Dokumente, die von anderen Akteurinnen und Akteuren produziert werden. Eine andere, mitunter im Widerspruch zur ersten stehende Unterscheidung, bezieht sich auf die ursprüngliche Intention der Produzentinnen und Produzenten des fraglichen Dokuments und den Unwägbarkeiten seiner anschließenden Verbreitung. Am 21. September 2018 organisieren wir an der École des Hautes Études en Sciences Sociales in Paris mit der ideellen und finanziellen Unterstützung des CIERA und des Centre d'Etudes Sociologiques et Politiques Raymond Aron (CESPRA) ein dediziert interdisziplinäres Kolloquium zu dieser Problematik, bei dem wir Perspektiven etwa auch der Medien-, Sozial- und Rechtswissenschaften und weiterer Disziplinen einbeziehen möchten.

In diesem deutsch-französischen Junior-Kolloquium des CIERA möchten wir uns auf die Frage nach Dokumenten als Ausdrucksform der Unterscheidung zwischen öffentlichem Bereich und privatem Bereich konzentrieren. Wir wollen diskutieren, nach welchen Kriterien eine Gesellschaft oder ein sozialer Akteur bestimmt, ob ein Dokument öffentlich oder privat sein soll und was uns dies über die untersuchte Gesellschaft lehrt. Angesprochen sind in erster Linie junge Forscherinnen und Forscher, die gemeinsame methodische Überlegungen jenseits der Fächergrenzen in einem interdisziplinären und deutsch-französischen Rahmen anstellen möchten. Wir hoffen auf Beiträge insbesondere aus dem Bereich des Rechts, der Archivwissenschaften, der Soziologie und der Informatik.

Das Kolloquium richtet sich an Master-Studierende, (Post-)Doktorandinnen und (Post-) Doktoranden und Personen im Übergang zwischen diesen Phasen. Wir akzeptieren auch Beiträge aus anderen Ländern als Deutschland und Frankreich. Die Ergebnisse des Kolloquiums sollen Eingang in einen zusammenfassenden Tagungsbericht und evtl. digitale Veröffentlichungen finden. Konferenzsprachen sind Deutsch und Französisch, die zumindest passive Beherrschung der zweiten Sprache für die Diskussionen ist Teilnahmevoraussetzung. Um den Austausch zu erleichtern, muss eine ausführliche Zusammenfassung des Vortrags oder eine Bildschirmpräsentation in der Sprache, die nicht Vortragssprache ist, oder auf Englisch zur Verfügung gestellt werden. Die Vorträge sollen 20 Minuten nicht überschreiten. Reise- und Unterkunftskosten werden im Rahmen des verfügbaren Budgets erstattet.

Im Einzelnen möchten wir uns mit den folgenden Fragen näher auseinandersetzen:

Der erste Schwerpunkt betrifft den juristischen Rahmen und die Re­g­le­men­tie­rung des Zugangs zu öffentlichen oder privaten Dokumenten. Juristische und/oder rechtsgeschichtliche Beiträge zum Thema wären insofern besonders wünschenswert. Wir möchten die Frage des Eigentumsrechts diskutieren, das sich der Staat oder andere Akteure in Bezug auf ihre Dokumente vorbehalten. Wir interessieren uns ebenfalls für die Rechte, auf die bestimmte soziale Akteure in Bezug auf den öffentlichen oder privaten Charakter von Dokumenten Ansprüche erheben: vom Schutz der in bestimmten Dokumenten enthaltenen persönlichen Daten bis hin zur Frage des Informationszugangs oder der Pressefreiheit.

Der zweite Schwerpunkt des Kolloquiums liegt auf den in die Unterscheidung zwischen privaten und öffentlichen Dokumenten involvierten sozialen Akteuren und den Normen, die ihren Entscheidungen zugrunde liegen. Hier wäre beispielsweise danach zu fragen, wer überhaupt Dokumente produziert und wer als Gatekeeper den Zugang kontrolliert.

In der dritten Achse des Kolloquiums wollen wir uns die Frage nach dem Einfluss zeitgenössischer Entwicklungen stellen, insbesondere der Digitalisierung, auf die Unterscheidung zwischen Privatem und Öffentlichem. So wurden in den vergangenen Jahren eine Vielzahl von Studien zur privaten bzw. öffentlichen Natur von Publikationen in den sozialen Netzwerken und den dort praktizierten Inszenierungsstrategien durchgeführt. Verändert sich die Unterscheidung zwischen „privaten“ und „öffentlichen“ Dokumenten aufgrund der Dematerialisierung und gestiegener gesellschaftlicher Transparenz-Erwartungen insgesamt?

Die Vorschläge (bestehend aus Beitragstitel, Abstract von max. 300 Wörtern, Lebenslauf auf max. zwei Seiten) können bei uns bis einschließlich 12. Juli 2018 per E-Mail an privepublicjuniorcolloque@gmail.com eingereicht werden. Bewerberinnen und Bewerber erhalten eine Rückmeldung bis spätestens 31. Juli 2018.

Programm

9h : Begrüßung und Kaffee
9h15-9h30 : Einführung durch das Organisations-Komitee

Erste Achse: Juristischer Rahmen und Re­g­le­men­tie­rung des Zugangs zu Dokumenten
9h30-10h15 : Erster Beitrag
10h15-11h : Zweiter Beitrag
11h-11h15 : Kaffeepause

Zweite Achse: Charakterisierung zwischen privaten und öffentlichen Dokumenten durch die involvierten Akteuren und Normen
11h15-12h : Dritter Beitrag
12h-12h45 : Vierter Beitrag
12h45-14h : Mittagspause
14h-14h45 : Fünfter Beitrag
14h45-15h30 : Sechster Beitrag
15h30-15h45 : Kaffeepause

Dritte Achse: Einfluss zeitgenössischer Entwicklungen, insbesondere der Digitalisierung
15h45-16h30 : Siebter Beitrag
16h30-17h15 : Achter Beitrag
17h15-17h30 : Schlussrunde
17h30 : Ende des Kolloquiums

Kontakt

Nebiha Guiga/Theo Müller/Felix Schmidt (Universität Heidelberg/EHESS Paris)

privepublicjuniorcolloque@gmail.com

Zitation
Private Dokumente, öffentliche Dokumente – archivarische Klassifikation oder soziales Problem?, 21.09.2018 – 21.09.2018 Paris, in: H-Soz-Kult, 08.06.2018, <www.hsozkult.de/event/id/termine-37504>.
Redaktion
Veröffentlicht am
08.06.2018
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