Sammelband Konfessionelle Wohlfahrtseinrichtungen im Nationalsozialismus in Mitteldeutschland

Ort
Leipzig
Veranstalter
Dr. Fruzsina Müller, Hagen Markwardt, Bettina Westfeld
Datum
15.09.2018 - 15.09.2018
Bewerbungsschluss
15.09.2018
Von
Klaus Fitschen

Mit der nationalsozialistischen Machtübernahme wandelte sich das gesellschaftliche Umfeld, in dem die Kirchen in Deutschland handelten, fundamental. Gerade im Bereich der Gesundheits- und Sozialpolitik forcierten die Nationalsozialisten eine Neuausrichtung nach ideologischen Aspekten. Damit waren die konfessionellen sozialen Einrichtungen auf zwei Ebenen konfrontiert. Zum einen mussten sie auf die Idee einer „Volksgemeinschaft“ theologisch reagieren. Zum anderen stellte sich die Frage, wie sie sich in ihrer alltäglichen Arbeit zu der menschenverachtenden Durchsetzung dieser Politik stellen sollten. Die Reaktionen reichten von teilweiser bis begeisterter Zustimmung über abwartende Hinnahme bis zur schroffen Ablehnung.
In der Forschung ist die Gewichtung dieser Positionen und deren Einordnung gegenüber dem Verhalten der Leitungsebene der Kirchen umstritten. Während in den letzten Jahren immer mehr Studien zur Haltung der evangelischen Landeskirchen, einzelner Theologen oder theologischer Institute vorgelegt wurden, bleibt die Rolle der konfessionellen Wohlfahrtsvereine eher unterbelichtet. Dabei waren gerade diese Einrichtungen – Diakonissenhäuser, konfessionelle Krankenhäuser, Pflegeanstalten u. v. m. – in ihrem innersten Wesen, nämlich der Pflege kranker und hilfsbedürftiger Menschen, betroffen.
Aus diesem Grund soll sich ein Sammelband der Untersuchung dieser Institutionen annehmen und fragen, wie diakonisches und karitatives Handeln unter den Bedingungen der nationalsozialistischen Herrschaft begründet und gestaltet wurde. Dabei wird nicht a priori von einem konfligierenden Verhältnis von konfessionellen Wohlfahrtseinrichtungen und (NS-)Herrschaft ausgegangen. Stattdessen soll untersucht werden, wie die sozialen Einrichtungen jeweils ihr Handeln als Organisation gestalteten und nach innen sowie außen normativ(-theologisch) legitimierten. Gleichzeitig sollen die Auswirkungen dieses Handelns für die Betroffenen und deren Reaktion darauf untersucht werden.
Um die Veränderungen dieses Handelns besser zu erfassen, werden auch Beiträge, die zeitlich die Jahre der Weimarer Republik oder der Nachkriegszeit untersuchen, aufgenommen. Der Schwerpunkt des Untersuchungsraums soll auf der Region Mitteldeutschland liegen, die in der Forschung bislang unterbelichtet ist. Der Fokus der Untersuchung kann sowohl auf einzelnen Akteuren (Anstaltsleiter/innen, Ärzt/innen, Pfleger/innen usw.) als auch auf Akteursgruppen (Schwesternschaften, Vorständen usw.) und ganzen Organisationen und Institutionen (Vereine der Inneren Mission, Diakonissenhäusern, Anstalten usw.) liegen.

Wir bitten um einen kurzen Beitragsvorschlag (max. 3000 Zeichen) bis zum 15. September 2018.

Kontakt

Fruzsina Müller

Ev.-luth. Diakonissenhaus Leipzig e. V. Georg-Schwarz-Str. 49, 04177 Leipzig

fruzsina.mueller@gmail.com

Zitation
Sammelband Konfessionelle Wohlfahrtseinrichtungen im Nationalsozialismus in Mitteldeutschland, 15.09.2018 – 15.09.2018 Leipzig, in: H-Soz-Kult, 06.07.2018, <www.hsozkult.de/event/id/termine-37637>.
Redaktion
Veröffentlicht am
06.07.2018
Beiträger
Klassifikation
Epoche
Weitere Informationen
Sprache Beitrag
Land Veranstaltung