Der Toposbegriff in der Alten Geschichte. Annäherung an ein omnipräsentes Phänomen

Ort
Hamburg
Veranstaltungsort
Edmund-Siemers-Allee 1, Flügelbau Ost (ESA Ost), Raum 222
Veranstalter
Michael Zerjadtke, Arbeitsbereich Alte Geschichte, Universität Hamburg
Datum
14.09.2018 - 15.09.2018
Von
Zerjadtke, Michael

In der althistorischen Literatur ist der Toposbegriff praktisch omnipräsent. Er wird verwendet, um Quellenaussagen zu bezeichnen, die klischeehafte oder stereotype Eigenschaften einer Gruppe wiedergeben. Zumeist werden die entsprechenden Passagen durch die Identifikation als Topos inhaltlich entwertet, da angenommen wird, die ‚topische‘ Eigenschaft der Person oder Gruppe sei nicht historisch, sondern von einem negativ bewerteten Ideal abgeleitet, wie beispielsweise dem Barbarenbild. Topische Merkmale sind jedoch keinesfalls alle in gleicher Weise von der historischen Realität abgekoppelt. Während manche umstrittene Aussagen der antiken Autoren stark fiktionale Züge tragen, scheinen andere durch weitere Forschungsergebnisse bestätigt zu werden. Es können daher nicht alle angeblichen Topoi auf die gleiche Weise bewertet werden. Für Althistorikerinnen und Althistoriker ergeben sich somit auf der einen Seite die Möglichkeit, praktisch jede beliebige Eigenschaft als topisch zu werten, und andererseits die Schwierigkeit, wie mit Quellenaussagen, die in der Forschungsliteratur als Topoi bezeichnet werden, umgegangen werden soll. Im Rahmen der Tagung sollen anhand spezifischer Beispiele die Eigenschaften des althistorischen Toposbegriffes diskutiert werden. Dabei wird das genuin die Geschichtswissenschaften betreffende Problem der Historizität und ihr Verhältnis zum Stereotyp im Vordergrund stehen.

Programm

14. September

13:30 – 14:00
Begrüßung und thematische Einführung
Michael Zerjadtke (Hamburg)

14:00 – 14:45
Geschichtsschreibung zwischen Meinung und Wahrheit
Alexander Free (München)

14:45 – 15:30
Zur Konstruktion des Topos der gewalttätigen asiatischen Despotie bei Herodot und Ktesias
Julian Degen (Innsbruck)

Kaffeepause

16:00 – 16:45
Konstruierte Vergangenheit – Selektierte Gegenwart? Pausanias auf dem Prüfstand
Jan Köster (Istanbul)

16:45 – 17:30
Die ethnographischen Bezeichnungen im kaiserzeitlichen Ägypten anhand der Papyri
Patrick Reinard (Trier)

15. September

10:00 – 10:45
Topos vs. Realität. Das Karthagerbild der Römer
Falk Wackerow (Hamburg)

10:45 – 11:30
Keltentopoi in Antike und Gegenwart
Holger Müller (Stuttgart)

Kaffeepause

12:00 – 12:45
Topoi im antiken Germanenbild: Reale Beobachtung und ethische Begründung
Michael Zerjadtke (Hamburg)

12:45 – 13:30
Gefangenenbefreiungen: ein christlicher Topos? Zum Auftreten heiliger Gefangenenbefreier im hagiographischen Diskurs des lateinischen Westens (4.-6. Jh.)
Jan Seehusen (Hamburg)

13:30
Abschlussdiskussion

Kontakt

Michael Zerjadtke
Alte Geschichte
Universität Hamburg
Überseering 35
22297 Hamburg

040-42838-4772

michael.zerjadtke@uni-hamburg.de

Zitation
Der Toposbegriff in der Alten Geschichte. Annäherung an ein omnipräsentes Phänomen, 14.09.2018 – 15.09.2018 Hamburg, in: H-Soz-Kult, 01.08.2018, <www.hsozkult.de/event/id/termine-37849>.