Zur Ambivalenz der Bilder in Kunst und Religion

Ort
Bochum
Veranstaltungsort
Kunstmuseum Bochum, Kortumstr. 147 · 44787 Bochum
Veranstalter
Centrum für Religionswissenschaftliche Studien (CERES), Ruhr-Universität Bochum; Kunstmuseum Bochum
Datum
07.11.2018 - 09.11.2018
Bewerbungsschluss
05.11.2018
Von
Ulf Plessentin

Inter- und intra-religiöser Kontakt geht oft mit der Diskussion über die Legitimität von Glaubensinhalten und -praktiken einher. Wenn religiöse Traditionen aufeinandertreffen oder sich im Laufe der Zeit wandeln, wird das bis dato als selbstverständlich Hingenommene in unter-schiedlichem Ausmaß neu reflektiert und diskutiert. Dies betrifft auch die ‚Bilderfrage‘, weshalb die klassische Periode des byzantinischen Ikonoklasmus auch als Ikonomachie (= Bilderstreit) bezeichnet wird.

Die Bilderfrage ist jedoch nicht nur ein Thema der jüdisch-christlichen Traditionen. In allen religiösen Traditionen zwischen Asien und Europa – und darüber hinaus – ist die Rolle von Medien umstritten und der Umgang mit Bildern, Statuen und anderen Darstellungsformen ambivalent: Zum einen ermöglichen Bilder, etwas zu sehen, was anders nicht zu sehen ist. Sie machen das Abwesende anwesend und bearbeiten damit ein zentrales Grundprobleme religiöse Kommunikationssysteme. Zum anderen zeigen Bilder etwas, was vielleicht nicht gezeigt werden und besser im Unsichtbaren bleiben möge; z. B. weil das Gezeigte mit dem Bild identifiziert werden könnte.
Auf diese Gefahr reagieren insbesondere Kunst und Religion. Während einige religiöse Traditionen besonders bilderfreundlich sind und im Dargestellten die Präsenz des Göttlichen sehen, reagieren andere religiöse Strömungen auf die Identifikation von Darstellendem und Dargestelltem Bilderverboten und der Zerstörung von Bildern – auch jenen anderer Religi-onsgemeinschaften –, die manchmal in gewalttätigen Auseinandersetzungen münden. Die zeitgenössische Kunst nimmt diese Problematiken auf und bearbeitet sie in je eigener Weise.

Der Umgang mit Bildern ist ambivalent. Zum einen ermöglichen Bilder, etwas zu sehen, was anders nicht zu sehen ist. Das gilt neben dem künstlerischen Bild für die Fotografie, das Fernsehen, den Film und das Internet, aber auch für die bildgebenden Verfahren in den Na-turwissenschaften. Spätestens seit Bruno Latours Rede vom „Iconoclash“ ist deutlich geworden, dass wir nicht ohne visuelle Repräsentation auskommen (Latour 2002). Bilder können dabei etwas Anziehendes haben; sie können faszinieren und begeistern. Zum anderen zeigen Bilder etwas, was vielleicht nicht gezeigt werden und besser im Unsichtbaren bleiben möge; nicht nur, weil das Gezeigte, wenn es sich um Grausamkeiten handelt, Schrecken einflößt, sondern auch wegen der Gefahr, dass das Gezeigte mit dem Bild identifiziert wird.

Auf diese Gefahr reagieren insbesondere Kunst und Religion. Während einige religiöse Traditionen besonders bilderfreundlich sind und im Dargestellten die Präsenz des Göttlichen sehen, reagieren andere religiöse Strömungen auf die Identifikation von Darstellendem und Dargestelltem mit dem Bilderverbot und der Zerstörung von Bildern. Aber auch die Kunst thematisiert immer wieder die Grenzen des Darstellbaren. Man denke beispielsweise an die Absicht Wassily Kandinskys, das „Geistige in der Kunst“ in der reinen Abstraktion zu finden (Kandinsky 1952), oder an die Bildkritik in den Arbeiten von Piet Mondrian (Prange 2006). Die unterschiedlichen Positionen in Religion und Kunst dem Bild gegenüber oszillieren zwischen Bilderfreundlichkeit und Bilderskepsis oder -feindlichkeit, je nachdem, welcher Aspekt des Bildes – die Repräsentation, Präsentation oder Präsenz (Boehm 2012) – beziehungsweise welcher Gesichtspunkt des Sehens – Sehen von etwas, etwas in etwas und etwas als etwas (Seel 2000, 284) – betont wird.

Die Tagung findet im Rahmen einer Ausstellung im Kunstmuseum Bochum statt, die den ambivalenten Umgang mit Bildern in Kunst und Religion thematisiert. Beide Bereiche haben – wenn auch mit unterschiedlichen Bezügen – eine besondere Sensibilität für die Anwesen-heit des Abwesenden und die Abwesenheit des Anwesenden ausgebildet. Die Konferenz be-fasst sich beispielsweise mit Themen wie dem reformatorischen Bildersturm (theologisch veranlasst etwa von Andreas Bodenstein von Karlstadt, Ulrich Zwingli und Johannes Calvin, siehe Schnitzler 1996), dem Bilderkult antiker Herrscher (Zanker 1987), der anikonischen Phase des frühen Christentums (Finney 1994) und des Buddhismus (Huntington 1990) und dem byzantinischen Bilderstreit (Brubaker 2012). Diese historischen Entwicklungen schlagen sich – direkt oder indirekt – in der modernen Kunst nieder. Sie thematisiert die Ambivalenz des Bildes unter anderem mit Bezug auf religiöse Inhalte und Formen. Insgesamt werden religiöse Motive in der Kunst sowie künstlerische Ausdrucksformen in verschiedenen Religionen berücksichtigt, um die wechselseitige Beeinflussung von Kunst und Religion zu veran-schaulichen. Dabei ist die ständige Oszillation zwischen Idolatrie und Ikonoklasmus innerhalb einzelner Religionen zu beachten. Keine Religion ist ausschließlich und strikt bilderfeindlich oder bilderfreundlich. Die Tagung will zusammen mit der Ausstellung zur Reflexion über Bilder anregen, um eine ausgewogene Wahrnehmung zwischen „Bilderfluten“ und „Bilderstürmen“ zu ermöglichen.

Die Tagung findet im Rahmen der Ausstellung "BILD MACHT RELIGION" statt, die in Zusammenarbeit zwischen dem Kunstmuseum Bochum und CERES/KHK vorbereitet wird und den ambivalenten Umgang mit Bildern in Kunst und Religion thematisiert. Aufgrund der direkten Bezugnahme der Konfe-renzbeiträge zu den dort gezeigten Ausstellungsobjekten wird die Tagung im Kunstmuseum stattfinden.

Kontakt

Centrum für Religionswissenschaftliche Studien
Ruhr-Universität Bochum
z. H. Prof. Dr. Radermacher
Universitätstr. 90a
44789 Bochum

Zitation
Zur Ambivalenz der Bilder in Kunst und Religion, 07.11.2018 – 09.11.2018 Bochum, in: H-Soz-Kult, 11.10.2018, <www.hsozkult.de/event/id/termine-38377>.
Redaktion
Veröffentlicht am
11.10.2018
Beiträger