Netzwerke und NS-Belastung zentraler deutscher Behörden

Ort
Tübingen
Veranstaltungsort
Institut für donauschwäbische Geschichte und Landeskunde, Mohlstraße 18, 72074 Tübingen
Veranstalter
Institut für donauschwäbische Geschichte und Landeskunde
Datum
16.11.2018 - 17.11.2018
Von
Dr. Melanie Hembera

Die Auseinandersetzung mit der nationalsozialistischen Vergangenheit deutscher Behörden war lange Zeit ein Forschungsdesiderat. Erst im Jahr 2005 begann man mit der Realisierung ministeriell geförderter Forschungsprojekte, die sich dezidiert mit der NS-Belastung deutscher Behörden und ihres Personals beschäftigen. Obgleich in den letzten Jahren wichtige Studien im Bereich der Behördenforschung vorgelegt wurden, existieren immer noch zahlreiche „weiße Flecken“. Gerade aus diesem Grund ist es sehr begrüßenswert, dass die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM) erst kürzlich Fördermittel zur Durchführung von insgesamt zehn Forschungsprojekten bewilligte, um die NS-Vergangenheit zentraler deutscher Behörden einer geschichtswissenschaftlichen Analyse zu unterziehen.

Zu den geförderten Projekten zählt auch das Forschungsvorhaben „Ein Sonderministerium im klassischen Gewand. NS-Geschichte, Netzwerke und Diskurse des Bundesministeriums für Vertriebene, Flüchtlinge und Kriegsgeschädigte“, das durch eine Tübinger Forschungskooperation unter Leitung von Mathias Beer und Reinhold Johler am Tübinger Institut für donauschwäbische Geschichte und Landeskunde (IdGL) realisiert wird.

Im Rahmen dieses Forschungsprojektes wird nun ein weiterer Workshop am IdGL organisiert [1], der sich den Themen Netzwerke und NS-Belastung zentraler deutscher Behörden widmet. Im Zentrum der Veranstaltung stehen die häufig Jahrzehnte zurückreichenden personellen und institutionellen Netzwerke, beispielsweise bestehend aus Personal einer Behörde oder auch zwischen Letzterer und anderen nicht- und halbstaatlichen Akteuren: Auf welche Art und zu welchem Zeitpunkt entstanden diese sowohl synchron als auch diachron existierenden Verflechtungen? Was bildete die Basis des Networkings und inwieweit hatten diese Beziehungsgeflechte Einfluss auf den Aufbau, die Personalrekrutierung sowie auf die Inhalte und Prozesse der Behörde? Neben den Netzwerken soll auch das Thema NS-Belastung erörtert werden. Es wird nicht nur der Bedeutungsinhalt des Begriffs NS-Belastung und dessen Wandel im zeitlichen Verlauf zur Diskussion gestellt, sondern es soll auch gefragt werden, wie sich die NS-Vergangenheit auf die Einrichtung, die Organisation und die Arbeitsweise von Behörden und Ministerien nach Gründung beider deutscher Staaten konkret auswirkte und welche Rolle hierbei völkische Denktraditionen und nationalsozialistische Anschauungen einnahmen. In diesem Zusammenhang gilt es auch zu erörtern, mit welchen Quellengattungen sich die nationalsozialistische Vergangenheit im Verwaltungshandeln empirisch fassen lassen kann und welche Rahmenbedingungen bei einer Beurteilung des Agierens einer Behörde Berücksichtigung finden müssen.

Ziel des durch die BKM geförderten Workshops ist es, die benannten Forschungsfragen in vergleichender Perspektive mittels Referaten und Beiträgen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer sowie intensiven Diskussionen auf breiter Basis zu erörtern und neue und differenzierte Forschungsimpulse zu erhalten.

Aufgrund der begrenzten Platzzahl bitten wir um eine verbindliche Anmeldung an:

Dr. Melanie Hembera
Institut für donauschwäbische Geschichte und Landeskunde
Mohlstr. 18
72074 Tübingen
07071/9992-520
Melanie.Hembera@idgl.bwl.de
http://www.geschichte-vertriebenenministerium.de

[1] Tagungsbericht: NS-Belastung zentraler deutscher Behörden. Das Bundesministerium für Vertriebene, Flüchtlinge und Kriegsgeschädigte 1949-1969, 19.01.2018 – 20.01.2018 Tübingen, in: H-Soz-Kult, 12.03.2018, <www.hsozkult.de/conferencereport/id/tagungsberichte-7596>.

Programm

Programm (gefördert durch die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien):

Fr., 16.11.2018

9:00-9.15 Begrüßung
Reinhard Johler (Tübingen)

9:15-9:30
Einführung: Anlass, Ziele, Erwartungen
Melanie Hembera (Tübingen)

Sektion 1: Zentrale deutsche Behörden
Moderation: Mathias Beer (Tübingen)

9:30-10:30
Die deutschen Ministerien und Bundesbehörden nach dem Nationalsozialismus: Befunde und Perspektiven der Forschung
Frank Bösch (Potsdam)

Kommentar: Johannes Großmann (Tübingen)

10:30-11:00
Pause

11:00-12:00
Kontinuitäten und Brüche im Gesundheitswesen der DDR: Das Ministerium für Gesundheitswesen 1950-1970
Jutta Braun (Potsdam)

Kommentar: Michael Schwartz (Berlin)

12:00-13:00
Sozialprofile politischer und administrativer Eliten in deutschen Bundesministerien
Simon Scholz & Bastian Strobel (Kassel)

Kommentar: K. Erik Franzen (München)

13:00-14:00
Mittagsimbiss

Sektion 2: Netzwerke
Moderation: Jan Ruhkopf (Tübingen)

14:00-15:00
Personelle Verflechtungen und Einstellungspolitik im Bundesinnenministerium 1949 bis 1969
Irina Stange (Berlin)

Kommentar: Mathias Beer (Tübingen)

15:00-16:00
Vom Sprechen, Denken und Rechnen mit Netzwerken. Eine Skizze der Forschungspraxis in den (Digitalen) Geschichtswissenschaften
Marten Düring (Esch-sur-Alzette)

Kommentar: Melanie Hembera (Tübingen)

16:00-16:30
Pause

16:30-17:30
Seilschaften der Ministerialbürokratie. Netzwerke von Beamten nationalsozialistischer Reichsministerien als kollektivbiografischer Untersuchungsgegenstand
Katrin Hammerstein & Philipp T. Haase (Heidelberg)

Kommentar: Melanie Hembera (Tübingen)

17:30-18:30
Projektbereich BMVt II: Kommunikation und Konsensfindung. Politische und gesellschaftliche Netzwerke des Bundesvertriebenenministeriums
Melanie Hembera (Tübingen)

Kommentar: Ewald Frie (Tübingen)

19:00
Gemeinsames Abendessen

Sa., 17.11.2018

Sektion 3: „NS-Belastung”
Moderation: Melanie Hembera (Tübingen)

09:00-10:00
„Who was a Nazi?“ Die Frage nach NS-Belastung in deutschen Behörden
nach 1945
Christiane Kuller (Erfurt)

Kommentar: Maren Röger (Augsburg)

10:00-11:00
Personelle NS-Belastungen im bundesdeutschen Atom- und Forschungsministerium, 1955 bis 1972
Thomas Raithel (München)

Kommentar: Jan Ruhkopf (Tübingen)

11:00-11:15
Pause

11:15-12:15
Belastete Gesellschaften: Überlegungen zur Kategorie „Belastung“
im westeuropäischen Vergleich
Thorsten Holzhauser (Mainz)

Kommentar: Helge Heidemeyer (Berlin)

12:15-13:15
Abschlussdiskussion und Ausblick
Mathias Beer (Tübingen)

13:15
Mittagsimbiss

Kontakt

Dr. Melanie Hembera
Institut für donauschwäbische Geschichte und Landeskunde
Mohlstr. 18
72074 Tübingen
07071/9992-520

melanie.hembera@idgl.bwl.de

Zitation
Netzwerke und NS-Belastung zentraler deutscher Behörden, 16.11.2018 – 17.11.2018 Tübingen, in: H-Soz-Kult, 11.10.2018, <www.hsozkult.de/event/id/termine-38393>.
Redaktion
Veröffentlicht am
11.10.2018
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Land Veranstaltung