Veranstaltungswoche: "100 Jahre Frauenwahlrecht"

Place
Heidelberg
Host/Organizer
Gleichstellungsbüro der Universität Heidelberg
Date
05.11.2018 - 09.11.2018
By
Johanna Graziotto

Wählen – dieses Recht ist heute selbstverständlich.
So selbstverständlich, dass es manch einer zur lästigen Pflicht wird, der man vielleicht nur halbherzig oder gar nicht nachkommt. Das war vor 100 Jahren anders! Als 1919 bei der Wahl zur verfassungsgebenden Nationalversammlung Frauen erstmals deutschlandweit kandidieren und ihre Stimme abgeben durften, nutzten sie ihr Recht: Rund 90 Prozent der Frauen gingen wählen und beinahe 10 Prozent der gewählten Abgeordneten waren weiblich. Es sollte 64 Jahre dauern, bis ein solcher Frauenanteil in einem deutschen Parlament wieder erreicht wurde – 1983 im 10. Deutschen Bundestag.

Mit ihrem Engagement 1919 würdigten die Frauen einen jahrzehntelangen Kampf um politische Partizipation. Er fand seinen
Abschluss am 12. November 1918. Im Aufruf an das Deutsche Volk hatte der Rat der Volksbeauftragten festgehalten, dass in der ersten deutschen Demokratie künftig alle Wahlen „nach dem gleichen, geheimen, direkten, allgemeinen Wahlrecht für alle mindestens 20 Jahre alten männlichen und weiblichen Personen zu vollziehen“ seien.
Diese Geburtsstunde des Frauenwahlrechts in Deutschland nimmt die Universität Heidelberg zum Anlass, Geschichte und Zukunft der politischen Partizipation zu diskutieren. In der Woche vor dem
historischen 12. November werden gewissermaßen in einem Countdown Stimmen und Stationen des Kampfes sicht- und hörbar – in Bild, Film, Ausstellung, Lesung und Musik. An unterschiedlichen Orten
der Universität und im Karlstorkino laden wir stets um 19.30 Uhr zum Mitdenken und Mitdiskutieren oder einfach zum Zuhören und Zusehen ein.

Zum Abschluss geht der Blick in die Zukunft: Wie geht es weiter mit dem Wahlrecht? Denn Ein- und Ausschlusskriterien politischer Partizipation müssen immer wieder neu verhandelt werden, so wie aktuell beispielsweise das Wahlalter oder das Wahlrecht von Zugewanderten. Diese Debatten schließen an die Themen, Fragen und Überzeugungen der historischen Wahlrechtskämpferinnen an. Sie fordern uns auf, Antworten für unsere Gegenwart zu finden. Dazu möchte die Frauenwahlrechtswoche beitragen.

Prof. Dr. Katja Patzel-Mattern
Universitätsgleichstellungsbeauftragte

Programm

Montag / 5.11.18 / 19.30 Uhr / Alte Anatomie – Hörsaal Psychologisches Institut
Eröffnung und Moderation
Prof. Dr. Katja Patzel-Mattern, Gleichstellungsbeauftragte, Universität Heidelberg
Die Wegbereiterinnen für das Frauenwahlrecht in Heidelberg –
ein virtueller Rundgang durch die Stadt
Vortrag: Dr. Susanne Himmelheber / Bilder: Anne Bormann

Dienstag / 6.11.18 / 19.30 Uhr / Hörsaal / Musikwissenschaftliches Seminar
„Erobert das Stimmrecht, meine Schwestern“
Lesung aus Texten von den Aktivistinnen der Frauenbewegung
Sophie Melbinger, Theater Heidelberg
Moderation: PD Dr. Friederike Reents, Germanistisches Seminar, Universität Heidelberg

Mittwoch / 7.11.18 / 19.30 Uhr / Karlstorkino
Suffragette – Taten statt Worte
Filmvorführung und Filmgespräch
Filmgespräch mit: Prof. Dr. Ekkehard Felder, Germanistisches Seminar, Universität Heidelberg
Prof. Dr. Dorothea Redepenning, Musikwissenschaftliches Seminar, Universität Heidelberg
Dr. Alexandra Vinzenz, Institut für Europäische Kunstgeschichte, Universität Heidelberg
Moderation: Prof. Dr. Susan Richter, Historisches Seminar, Universität Heidelberg

Donnerstag / 8.11.18 / 19.30 Uhr / Alte Aula
March of the Women
Gesprächskonzert mit Werken von Ethel Smyth, Elfrida Andrée und Vivian Fine
Prof. Dr. Katja Patzel-Mattern, Historisches Seminar, Universität Heidelberg
Prof. Dr. Dorothea Redepenning, Musikwissenschaftliches Seminar, Universität Heidelberg
MusikerInnen der Musikhochschule Mannheim und der Universität Heidelberg

Freitag / 9.11.18 / 19.30–23.00 Uhr / HCA – Heidelberg Center for American Studies
Die Lange Nacht des Wahlrechts
Workshops 19.30–20.30 Uhr
1 Das Private und das Politische. Die Emanzipation zwischen Wahlrecht und Windeln wechseln 1918 und 1968
Dr. Max Gawlich, Historisches Seminar, Universität Heidelberg

2 Der Kampf um das Frauenwahlrecht – auch eine internationale Angelegenheit
Dr. Anja Schüler, Heidelberg Center for American Studies (HCA),
Universität Heidelberg
Workshops 20.30–21.30 Uhr

3 ‚Hysterikerin‘ oder ‚Mannweib‘ – Diffamierungen von Frauenrechtlerinnen mit
medizinischen Theorien
Prof. Dr. Karen Nolte, Institut für Geschichte und Ethik der Medizin, Universität Heidelberg

4 Aufstiegschancen von Frauen in den Parteien
Prof. Dr. Bettina Alavi, Institut für Gesellschaftswissenschaften, Pädagogische Hochschule Heidelberg
Podiumsdiskussion 21.30 Uhr
Wie weiter mit dem Wahlrecht?
TeilnehmerInnen:
Dr. Thomas Däubler, Zentrum für Europäische Sozialforschung, Universität Mannheim
Dörthe Domzig, Amt für Chancengleichheit Heidelberg
Annette Goerlich, Heinrich Böll Stiftung Baden-Württemberg
Fürozan Naderi, Jugendgemeinderat Heidelberg
Louisa Scherlach, RCDS Universität Heidelberg
Moderation: Prof. Dr. Cord Arendes, Historisches Seminar, Universität Heidelberg

Kontakt

Lina Girdziute

Hauptstraße 126, 69117 Heidelberg

gleichstellungsbuero@uni-heidelberg.de

Citation
Veranstaltungswoche: "100 Jahre Frauenwahlrecht", 05.11.2018 – 09.11.2018 Heidelberg, in: H-Soz-Kult, 12.10.2018, <www.hsozkult.de/event/id/termine-38446>.
Editors Information
Published on
12.10.2018
Classification
Temporal Classification
Regional Classification
Additional Informations
Type
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