Frühe Festungen im deutschen Südwesten (1450-1620)

Ort
Esslingen
Veranstalter
Deutsche Gesellschaft für Festungsforschung e. V.
Datum
13.09.2019 - 15.09.2019
Bewerbungsschluss
15.01.2018
Von
Dr. Eberhardt Kettlitz

Call for paper: Frühe Festungen im deutschen Südwesten (1450-1620). 38. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Festungsforschung e. V.

Der deutsche Südwesten, hier als der historische Kulturraum zwischen den Vogesen, der deutschsprachigen Schweiz, Bayerisch Schwaben, westlichem Franken, Odenwald und der Nahe verstanden, bildete im Spätmittelalter einen bunten Flickenteppich zahlreicher Territorien. Im Ringen um Macht und Einflusssphären und der Sicherung des eigenen Territoriums bauten die einzelnen Herrschaften und zahllose Reichsstädte, allen voran Augsburg und Ulm, ihre Befestigungen unter dem Einfluss der zunehmend verbesserten Artillerie zum Einsatz von Feuerwaffen gegen Feuerwaffen aus. Komplette Festungsneubauten wie sie schließlich in Frankenthal oder Mannheim entstanden, bildeten dabei aber eher die Ausnahme.

Führende Mächte waren die Kurpfalz, das Herzogtum Württemberg, die Markgrafschaft Baden und Vorderösterreich, die um Macht und Einfluss rangen. Mit dem Ausbau des Heidelberger Schlosses durch die Pfalzgrafen bei Rhein zu einer der mächtigsten Burgen am Oberrhein, dem die Grafen von Leiningen und von Wertheim als Angehörige des kurpfälzischen Lehenshofes mit dem Ausbau ihrer Burgen Breuberg und Hardenburg folgten, setzten die Kurfürsten einen mächtigen Akzent am Unterlauf des Neckars. Die Herzöge von Württemberg begannen schon im 15. Jahrhundert mit der Anlage von sog. „Frühfestungen“ (Maurer 1958) und bauten unter Ulrich und seinem Nachfolger Christoph 1510-1519 und 1538-1568 mehrere Städte und Burgen zu zentralen Festungen ihres Landes aus. Städte wie Augsburg, Esslingen, Memmingen, Straßburg oder Ulm modernisierten unter dem Eindruck der Bedrohung von außen (Württemberg, Reformationswirren) ihre Stadtbefestigungen. Auch einzelne Grafengeschlechter wie die Leiningen, Zimmern oder Hohenlohe errichteten umfangreiche Feuerwaffenbefestigungen, ebenso einzelne, vermögende Reichsritter. Auffällig ist, dass es lange Zeit zu keiner ernsthaften Rezeption des aus Italien kommenden Bastionärsystems kam. Zwar wurden z. B. in Ulm einzelne Bastionen an Eckpunkten der Stadtbefestigung errichtet, sie blieben aber vereinzelte Bauwerke ohne im engeren Sinne Teil eines umfassenden Gesamtkonzepts zu sein. Ähnlich verhielt es sich im Herzogtum Württemberg, wo die ersten „richtigen“ Bastionen nach sehr eigenwilligen Vorläufern in Kirchheim unter Teck, auf Schloss Hellenstein und dem Hohentwiel umgesetzt wurden. Vorherrschend blieben Geschütztürme, Rondelle, Streichwehren und herkömmliche Zwingeranlagen. Erst kurz vor dem Dreißigjährigen Krieg wurde in Mannheim eine Idealfestung nach altniederländischem System ausgeführt. Während des Krieges verbreitete sich das Bastionärsystem, konnte aber nicht an allen Orten überzeugen. Die Reichsstadt Überlingen erhöhte noch während und nach dem Krieg ihre Geschütztürme und errichtete unmittelbar nach Kriegsende eine Streichwehr, die an Bauten des frühen 16. Jahrhunderts erinnert, während man die im Krieg aufgeworfenen Erdwerke niederländischer Manier wieder abtrug. Hier spielten unmittelbare Erfahrungen aus dem Belagerungskrieg eine offenbar wichtige Rolle, die im Widerspruch zu den Forderungen der damaligen Festungsbautheorie nach möglichst niedrigen Werken standen.

Viele frühe Festungen in Südwestdeutschland sind bisher wenig erforscht. Obwohl z. B. zu den württembergischen Landesfestungen eine reiche Literatur vorliegt, so handelt es sich insgesamt doch in weiten Teilen aus bau- und kunsthistorischer Sicht um ein Desiderat. Auch die Anlagen der Markgrafen von Baden wurden bisher nicht im Zusammenhang und im Kontext zu anderen Bauten behandelt. Ebenso sind bisher die reichsstädtischen Anlagen kaum in einen zusammenfassenden Blick genommen worden, und das 15. Jahrhundert, das mit einer ungemein reichen Vielfalt interessanter Bauten vertreten ist, blieb bisher ebenso mit Ausnahme von Einzeluntersuchungen stark unterbelichtet. Die Tagung will daher die ungemein reiche Landschaft früher Festungen in Südwestdeutschland in den Blick nehmen. Gewünscht sind aktuelle Forschungen zu Einzelbauten, aber auch Überblicksdarstellungen zu Bautengruppen oder die architekturhistorischen Zusammenhänge zwischen den einzelnen Herrschaftsträgern im Südwesten. Auch Beiträge zu Belagerungen, über die Besatzung der Befestigungen, zu Zeughäusern und anderen Intrastrukturgebäuden und überregional vergleichende Arbeiten sind willkommen.

Bitte senden Sie bis 15.01.2019 ein kurzes Exposee (maximal 1 DIN A4-Seite) und einen Kurzlebenslauf an Dr. Christian Ottersbach: christian-ottersbach@t-online.de oder an Dr. Eberhardt Kettlitz: info@praehistoria.de

Kontakt

Eberhardt Kettlitz

Raimundstr. 07, 04177 Leipzig

info@praehistoria.de

Zitation
Frühe Festungen im deutschen Südwesten (1450-1620), 13.09.2019 – 15.09.2019 Esslingen, in: H-Soz-Kult, 15.10.2018, <www.hsozkult.de/event/id/termine-38462>.