Oral History und die historische Forschung zur frühen Kindheit. Quellen, Methoden, interdisziplinäre Perspektiven

Ort
Heidelberg
Veranstaltungsort
Marsilius-Kolleg INF 130.1
Veranstalter
Professur für Wirschafts- und Sozialgeschichte, Universität Heidelberg
Datum
19.11.2018
Von
Professur für Wirtschafts- und Sozialgeschichte, Universität Heidelberg

Die historische Forschung zur frühen Kindheit steht vor einem besonderen Quellenproblem. Kleinkinder hinterlassen kaum eigenständige Quellen, die Aufschluss über ihren Alltag, ihre Erfahrungen und den historischen Wandel ihres Lebens zuließen. Zusätzlich entzieht sich dieser Lebensabschnitt auch der aktiven Erinnerung der meisten Erwachsenen, sodass es auch im Nachhinein unmöglich scheint, den Lebenswelten der historischen Subjekte näher zu kommen. In unserem Forschungsansatz wenden wir uns deswegen an Menschen, die sich professionell und familial der Betreuung von Kleinkindern widmeten, und versuchen in Zeitzeugeninterviews den Umgang mit Säuglingen und Kleinkindern, den Alltag und dessen Veränderung seit 1945 zu rekonstruieren.

Der Workshop widmet sich den methodischen und historiografischen Herausforderungen des Themas „frühe Kindheit“ und der Oral History. Er erfolgt im Anschluss an Zeitzeugeninterviews zur Kleinkindbetreuung in den 1970er Jahren, die mit Tagesmüttern und pädagogischen Beraterinnen durchgeführt werden, die am „Modellprojekt Tagesmütter“ teilgenommen haben. Im Vordergrund der Veranstaltung stehen die kritische interdisziplinäre Reflektion über die Interviews und die Möglichkeiten der qualitativen Auswertung.
Beiträge aus der Geschichtswissenschaft werden durch Beiträge der unterschiedlichen Fachwissenschaften, welche am Marsilius-Kolleg „Frühe Kindheit im Wandel“ beteiligt sind, ergänzt und kontrastiert. Die disziplinäre Expertise von Ökonomie, Entwicklungspsychologie und Pädagogik gestattet es, die historischen Perspektiven zu erweitern und methodische Differenzen zu diskutieren. Qualitative Fragen nach Rolle / Selbstverständnis / Kompetenz von Betreuungspersonen oder Fragen nach der Position des Kindes in der Interaktion und im Forschungsprojekt stehen im Zentrum. Der Workshop soll auch Anlass bieten über die methodischen Fallstricke und Möglichkeiten qualitativer Interviewforschungen nachzudenken.

Interessierte sind herzlich willkommen und wenden sich bezüglich einer möglichen Teilnahme mit und ohne Beitrag bitte an
Laura Moser: laura.moser@zegk.uni-heidelberg.de
Max Gawlich: max.gawlich@zegk.uni-heidelberg.de

Programm

9:00 – 10:15 Audio(-visuelle) Methoden und Quellen zur frühen Kindheit in der Geschichtswissenschaft und Entwicklungspsychologie

Laura Moser, M.A. (Heidelberg)
Wiebke Evers, M.Sc. (Heidelberg)
Kommentar: Dr. Linde Apel (Hamburg)

10:30 – 11:45 Interdisziplinäre Forschungsmethoden: Kinder-Betreuer-Interaktionen in historischen Quellen und sozialwissenschaftlichem Material

Leyla Kirrstetter, B.Sc. (Heidelberg)
Kathrin Kiefer, M.A. (Heidelberg)
Kommentar: Dr. Claudia Moisel (München)

12:00 – 13:15 Pause

13:15 – 14:45 Geschichte der frühen Kindheit als Beziehungsgeschichte?

Dr. Max Gawlich (Heidelberg)
Dr. Birgit Nemec (Heidelberg)
Kommentar: Dr. Frank Henschel (Kiel)

15:00 – 16:00 Getrennt forschen, gemeinsam interpretieren? Konzeptuelle und pragmatische Fragen der Interdisziplinarität
Abschlusskommentar und Diskussion

Tba.

Kontakt

Zentrum für Europäische Geschichts- und Kulturwissenschaften
Historisches Seminar
Grabengasse 3-5
69117 Heidelberg

Laura Moser: laura.moser@zegk.uni-heidelberg.de

Max Gawlich: max.gawlich@zegk.uni-heidelberg.de

Zitation
Oral History und die historische Forschung zur frühen Kindheit. Quellen, Methoden, interdisziplinäre Perspektiven, 19.11.2018 Heidelberg, in: H-Soz-Kult, 17.10.2018, <www.hsozkult.de/event/id/termine-38498>.