Ort
München
Veranstalter
Body Politics - Zeitschrift für Körpergeschichte
Datum
21.11.2018
Bewerbungsschluss
15.01.2019
Von
Imke Schmincke

Call for Paper Themenheft (Körper-)Politik
Das Themenheft Politik der Zeitschrift Body Politics setzt sich mit verschiedenen For-men der Körper-Politik bzw. der Politisierung von Körpern auseinander und damit der Frage, was an Körpern politisch ist bzw. wie diese politisch werden. Welche Rolle spie-len Körper in politischen Auseinandersetzungen und Aushandlungen, welche für die Etablierung politischer Herrschaft? Der Begriff Körperpolitik oder im Englischen body politics bezeichnet sehr unterschiedliche Dinge: Insbesondere in älteren Schriften der politischen Theorie werden unter body politic politische Einheiten („Körperschaften“) und deren Funktionen analog zum menschlichen Organismus gedacht und beschrieben. Foucault stellt schließlich die Frage, in welcher Weise menschliche Körper für eine poli-tische Ökonomie produktiv gemacht werden. Mit der Einführung des Konzepts der Bio-politik eröffnet er eine Perspektive auf das Verhältnis von Staat und Körper. Die indivi-duellen Körper bzw. deren Gesamtheit als Bevölkerung werden zunehmend zum Ge-genstand staatlich-politischen Handelns, sie werden je nach politischem System mit ver-schiedenen Strategien reguliert, kontrolliert und produktiv gemacht (z.B. durch Zwangssterilisationen oder finanzielle Anreize wie Elterngeld). Aber nicht nur der Staat politisiert die Körper. Auch die individuelle Nachfrage nach reproduktionstechnologi-schen Maßnahmen und deren Kommodifizierung können unter biopolitischen Aspek-ten analysiert werden. Rabinow wiederum untersucht mit seinem Konzept der Bioso-zialität die Vergemeinschaftung durch Biopolitik. Agamben und Mbembe denken das Konzept der Biopolitik weiter, um zu verstehen, wie Macht und Herrschaft am mensch-lichen Körper und dessen Vernichtung ansetzen.
Eine weitere Verwendung des Begriffs Körperpolitik geht auf die neue Frauenbewe-gung in Nordamerika und Westeuropa zurück. Deren zentrale Forderung – das Private ist politisch –, bedeutet, den Begriff des Politischen zu erweitern und den weiblichen Körper und seine Kontrolle, die Rolle von Sexualität im Geschlechterverhältnis zu ei-nem Politikum zu machen und zu kritisieren. Dies zeigt sich vor allem im Kampf gegen das Verbot des Schwangerschaftsabbruchs. Wie andere soziale Bewegungen auch (z.B. die Homosexuellenbewegung, die Krüppelbewegung u.a.) politisiert die Frauenbewe-gung Körperfragen und nutzt den Körper als Mittel des politischen Protests.
Die Beiträge für das geplante Themenheft können Einzelstudien zu Körperpolitik und Politisierung von Körpern präsentieren, d.h. diese in zeitlicher und räumlicher Hinsicht untersuchen, bezogen auf bestimmte Politikfelder, Diskurse und Praxen. Gewünscht sind Beiträge, die sich damit auseinandersetzen, wie Körper explizit in politische Pro-zesse eingebunden werden. Körperhistorische und körpertheoretische Perspektiven sollen beleuchten, in welcher Weise Politik auch eine materiell-körperliche Dimension hat. Mögliche Themenbereiche wären Körper in sozialen Kämpfen (beispielsweise in sozialen Bewegungen wie der Frauenbewegung, der Behindertenbewegung, Fat Acti-vism etc.), Körper/Affekt in populistischen Bewegungen, die Relevanz von Körpern für bestimmte Policy Felder, für die Politik von Grenzregimen, Körper(fragen) als Gegen-stand öffentlicher Debatten etc.
Mit diesem Call sollen Beiträge eingeworben werden, die sich aus einer sys¬tematischen, einer empirischen und/oder historischen Perspektive mit Körperpolitik und Politisie-rung von Körpern beschäfti¬gen. Bitte schicken Sie Vorschläge in Form von Abstracts mit einer Länge von einer Seite (max. 500 Wörtern) bis zum 15.1.2019 an: i.schmincke@lmu.de

Zitation
(Körper-)Politik, 21.11.2018 München, in: H-Soz-Kult, 23.11.2018, <www.hsozkult.de/event/id/termine-38827>.
Redaktion
Veröffentlicht am
23.11.2018
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