Wissen und Glauben in Judentum & Islam. Ringvorlesung

Ort
Berlin
Veranstalter
Jüdisches Museum Berlin
Datum
31.01.2019 - 05.03.2019
Von
Katharina Schmidt-Narischkin

Wissenschaftliche Entdeckungen auf dem Gebiet der Astronomie, Geologie und Biologie haben in den letzten Jahrhunderten das Selbstverständnis des Menschen als Mittelpunkt und »Krönung der Schöpfung« in Frage gestellt. Heute stehen sich religions- und wissenschaftsfeindliche Positionen oft unversöhnlich gegenüber. Während die einen Religionen als mit einer modernen Weltsicht unvereinbar darstellen, fordern andere, dass Kreationismus an den Schulen als gleichberechtigte Alternative zur Evolutionstheorie unterrichtet wird. Das gegenwärtig zwiespältige Verhältnis von Religion und Wissenschaft war in der Vergangenheit über lange Zeit keinesfalls dominierend. Zahlreiche Theologinnen waren zugleich Naturwissenschaftlerinnen und lieferten bedeutende Beiträge zu unserem Verständnis der Welt und des Menschen.

Das Ziel dieser Vorlesungsreihe ist es daher, das spannungsreiche Verhältnis von Judentum und Islam zu den Wissenschaften auszuloten. Der oben genannten Konflikterzählung sollen andere Narrative zur Seite gestellt werden. Dazu widmet sich die Vortragsreihe Themen wie der Schöpfungslehre und Evolution, dem Glauben an Wunder, dem biologischen Determinismus und freien Willen, der historisch-kritischen Erforschung der Heiligen Schriften und dem Umgang jüdischer und muslimischer Religionspädagog*innen mit Wissenschaften.

Programm

Wie viel Gott ist in den heiligen Schriften?
Ringvorlesung: Wissen und Glauben in Judentum & Islam (auf Englisch mit deutscher Simultanübersetzung)
5. März, 19 Uhr

Die Tora und der Koran sind für gläubige JüdinnenJuden und Musliminnen heilige Schriften, die Gottes Wort beinhalten bzw. göttlich inspiriert sind. Die Methode der historisch-kritischen Forschung ermöglicht, die Entstehung beider Schriften aus ihrem spezifischen historischen Kontext heraus zu erklären. Die Entzifferung altorientalischer Texte hat beispielsweise die Abhängigkeit vieler biblischer und koranischer Motive und Vorschriften von antiken Traditionen aufgezeigt, was nicht selten als Herausforderung für die Lehre vom göttlichen Ursprung der heiligen Schrift verstanden wird.
Wie kann die Offenbarung in Judentum und Islam heute gedacht werden? Lassen sich historische Textforschung und religiöse Überzeugungen miteinander vereinbaren?
Es diskutieren Benjamin Sommer und Abdelmajid Charfi. Moderation: Dr. Kathrin Klausing (Institut für Islamische Theologie, Universität Osnabrück).

31. Januar, 19 Uhr
Gott, Darwin und die Evolution
Ringvorlesung: Wissen und Glauben in Judentum & Islam
(auf Englisch mit deutscher Simultanübersetzung)

Judentum und Islam haben für die Entstehung der Welt und den Ursprung des Menschen theologische Erklärungen. Sie künden von einem Gott, der die Welt und alle Lebewesen in einem Schöpfungsakt erschaffen und dem Menschen eine herausgehobene Stellung zugewiesen hat.
Mit dem Schlüsseltext Über die Entstehung der Arten von Charles Darwin aus dem Jahr 1859 wurde die Evolutionsbiologie begründet, die nachweist, dass alle lebenden Organismen von anderen Organismen abstammen und damit auch die Menschen letztlich das Ergebnis eines über Millionen Jahre dauernden Evolutionsprozesses sind. Darwins Erkenntnisse haben das Verständnis von der Entstehung des Lebens grundlegend verändert. Wie werden diese naturwissenschaftlichen Zugänge im Rahmen der Theologie aufgegriffen? Wie lässt sich der Schöpfungsglaube in Judentum und Islam heute denken?

Es diskutieren Natan Slifkin und Rana Dajani.
Moderation: Dr. Kathrin Klausing (Institut für Islamische Theologie, Universität Osnabrück).

Kontakt

Jüdisches Museum Berlin Lindenstraße 9-14, 10969 Berlin

Zitation
Wissen und Glauben in Judentum & Islam. Ringvorlesung, 31.01.2019 – 05.03.2019 Berlin, in: H-Soz-Kult, 11.01.2019, <www.hsozkult.de/event/id/termine-39104>.
Redaktion
Veröffentlicht am
11.01.2019
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