Die Figurlosigkeit des Bösen in der populären Kultur des 20. und 21. Jahrhunderts

Ort
Esch-sur-Alzette
Veranstaltungsort
Universität Luxemburg, Campus Belval / 2, avenue de l'Université L-4365 Esch-sur-Alzette
Veranstalter
Dr. Oliver Kohns, Universität Luxemburg; Dr. Sébastian Thiltges, Research Unit IPSE
Datum
24.10.2019 - 25.10.2019
Bewerbungsschluss
01.04.2019
Von
Universität Luxemburg

"You never knew. That was his power". Diese Worte beschreiben die Macht der bösen Protagonisten in der populären Kultur des 20. und des 21. Jahrhunderts. Damit ist ein Nicht- in-Erscheinung-Treten des Bösen als dessen spezifischer Modus des Wirkens klar benannt. Man kann, von hier aus, mehrere Typen der Erscheinungsweise des Bösen in der populären Kultur unterscheiden: zum einen die Repräsentanten des "Anderen" im Sinne einer politischen Feindschaft (der stereotype Charakter des Nazis, des Kommunisten, des arabischen Terroristen etc.); zum anderen die Figur des Gesichtslosen, Maskenhaften, gerade nicht (stereotyp) erscheinenden Bösen. Nicht zufällig heißt die Geheimorganisation, gegen die James Bond in mehreren Filmen kämpft: Spectre, Gespenst. Analog dazu bleibt Lord Voldemort in den "Harry Potter"-Filmen gesichtslos und gespenstisch. Hier geht es nicht um den "Anderen" als den klar benennbaren politischen Feind, sondern um einen "anderen Anderen", dessen Unerkennbarkeit und Unbenennbarkeit ein wesentlicher Teil seiner Macht und (Nicht-)Identität ist.
Die "Bösen" können stets auch als Reflexionsfiguren politischer Ordnung interpretiert werden: Indem sie sich nicht an die – moralischen, sozialen, politischen – Regeln der Gemeinschaft halten, reflektieren sie über die Kontingenz dieser Regeln. Sie können auch alternative Modelle des Zusammenlebens repräsentieren und/oder versuchen (wie gewalthaft auch immer) diese durchzusetzen. Zu fragen wäre daher, inwiefern auch die gesichtslose Figur des "Bösen" ein politisches Modell darstellen kann, wenn sie gerade nicht als ein klarer figurativer Repräsentant eines politisch/ideologisch "Anderen" interpretiert werden kann?
Insofern die Darstellung gesichts- und identitätsloser Figuren des Bösen im Kontext der Medienvielfalt in der populären Kultur eine ebenso große Vielfalt an ästhetischen Erscheinungsformen hervorbringt, bewegt sich die Frage nach den politischen Repräsentationen des "Bösen" notwendig auf der Schnittstelle zwischen Politik und Poetik. Wir wollen diese Schnittstelle untersuchen und nach der Poetik und Politik des "Bösen" in seinem populärkulturellen Auftreten – im 20. und 21. Jahrhundert – wie in der Pop-, Kinder- und Jugendliteratur, in der Fantasy und Science Fiction, in Horror- und Kriminalfiktionen, in Filmen und TV-Serien, in Songs, in Comics und Graphic Novels oder in Videospielen fragen.
Unter anderem folgende Fragen können diskutiert werden:
- Wie ist die Frage des "Gesichts” des Bösen mit der Möglichkeit der politischen Repräsentation verbunden? Welche Form der Politik repräsentiert der "gesichtslos" Böse?
- Welche ästhetische Prinzipien und/oder Genre- und Medienkonventionen formen die gesichtslos "Bösen"?
- Inwiefern ist die "böse Figur" ein spezifischer Bestandteil der "Populärkultur" bzw. "Popkultur"?
- Welche Rolle spielt die Gender-Differenz bei diesen Figuren (inwiefern sind fiktionale Schurkinnen anders als Schurken)?
- Wie kann in der Fiktion über böse "andere Andere" eine Reflexion über Recht/Gerechtigkeit entwickelt werden? Haben sie eine didaktische Funktion in der populären Kultur?
- Auf welche Art und Weise verkörpern nicht-menschliche oder sogar nicht-anthropomorphe Charaktere (Roboter, Aliens, bösartige space clouds) eine andere Form des Bösen als menschliche Figuren?
- Welche verschiedenen Darstellungen des gesichtslosen Bösen können in interkultureller Perspektive analysiert werden?

Wir laden Literatur- und Kulturwissenschaftler/innen, Philosoph/inn/en, Politikwissenschaftler/innen, Pädagog/inn/en etc. dazu ein, zu der Konferenz beizutragen. Beiträge können auf Deutsch, Englisch oder Französisch sein. Bitte senden Sie Ihren Vorschlag (max. 500 Wörter) bis zum 1. April 2019 an: oliver.kohns@uni.lu und sebastian.thiltges@uni.lu.

Kontakt

Oliver Kohns
Universität Luxemburg, Campus Belval
2, avenue de l'Université / L-4365 Esch-sur-Alzette
(+352) 46 66 44 9781

oliver.kohns@uni.lu

Zitation
Die Figurlosigkeit des Bösen in der populären Kultur des 20. und 21. Jahrhunderts, 24.10.2019 – 25.10.2019 Esch-sur-Alzette, in: H-Soz-Kult, 11.02.2019, <www.hsozkult.de/event/id/termine-39417>.
Redaktion
Veröffentlicht am
11.02.2019
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