Logik und Lücke. Zur Konstruktion des Authentischen in Archiven und Sammlungen

Ort
München
Veranstaltungsort
Kerschensteiner Kolleg - Deutsches Museum, Museumsinsel 1, 80538 München
Veranstalter
Deutsches Museum, München; Leibniz-Forschungsverbund Historische Authentizität
Datum
04.04.2019 - 05.04.2019
Bewerbungsschluss
28.03.2019
Von
Achim Saupe

Wissensstrukturierung, Machtsicherung, Obsession oder Neugier: Sammlungslogiken sind Ausdruck unterschiedlicher Formen von „Weltaneignung“ und zugleich zeitlich und institutionell strukturierte Formen von Gedächtnisbildung. Das Sammeln in Museen, Archiven und Forschungseinrichtungen hat sich dabei an unterschiedlichen Zielvorstellungen orientiert: an einer Sammlungssystematik als (selektives) Abbild, als Streben nach Vollständigkeit oder Repräsentativität oder aber als Bewahrung des Typischen bzw. Besonderen. Sammlungslogiken können sich dabei an Objektivität, Relevanz und Tradition oder an Individualität und Erinnerung orientieren. Sie können „magische Enzyklopädien“ (W. Benjamin) bilden, können kontinuierlich, projektbezogen und begrenzt, oder registraturbasiert und nach fachwissenschaftlichen Anforderungen erfolgen.
Mit der Anlage von Sammlungen in institutionellen Kontexten ist die Behauptung von Authentizität verbunden. Dies gilt nicht nur für das Einzelobjekt, das durch Urheberschaft, Provenienz, Verankerung in Zeit und Ort unter dem Blickwinkel seiner Echtheit wahrgenommen wird, sondern auch für die Sammlung insgesamt, die als Ergebnis kultureller, gesellschaftlicher und wissenschaftlicher Zuschreibung einen Authentisierungsprozess sui generis darstellt.
Anhand exemplarischer Zugänge in vier Panels will die Tagung deutlich machen, wie politische, gesellschaftliche, institutionelle und technische Faktoren sowie ein wechselndes Geschichts- und Wissenschaftsverständnis Sammlungsstrategien und -ziele beeinflusst haben.

Bitte melden Sie sich bis zum 28.3.2019 unter archiv@deutsches-museum.de für die Konferenz an. Ein Anmeldeformular sowie weitere Informationen finden Sie unter www.leibniz-historische-authentizitaet.de.

Programm

Donnerstag, 4. April 2019

14.00 – 14.30 Uhr
Begrüßung und Einführung
Wilhelm Füßl (Deutsches Museum, München)
Andreas Ludwig (Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam)
Achim Saupe (Leibniz-Forschungsverbund Historische Authentizität)

14.30 – 16.15 Uhr
Panel 1: Sammlungs- und Ordnungslogiken
Moderation: Andreas Ludwig (Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung Potsdam)

Birgit Jooss (documenta archiv, Kassel)
Archiv oder Sammlung – Archivale oder Kunstwerk? Aus der Praxis in Kunstarchiven

Susanne Freund (Fachhochschule Potsdam)
Historische Authentizität in Lehre und Forschung des FB Informationswissenschaften der FH Potsdam

Ute Klatt (Römisch-Germanisches Zentralmuseum, Mainz)
Theorie und Praxis. Von der archäologischen Theorie zur Logik des Sammlungsaufbaus im Bildarchiv des RGZM

Kaffeepause

17.00 – 18.45 Uhr
Panel 2: „Verlust“ und „Lücke“ als Kategorien von „Authentizität“
Moderation: Elke Bauer (Herder-Institut für historische Ostmitteleuropaforschung, Marburg)

Dietmar Schenk (Universität der Künste, Berlin)
Archivarische Kassationspraktiken und ihre Begründung

Wilhelm Füßl (Deutsches Museum, München)
Überlieferungslücken, ihre Motive und Auswirkungen auf die kulturelle Überlieferung und die Geschichtswissenschaft

Claus Ludl (Deutsches Museum, München)
„Reinigungsprozesse“ und Bestandbildung im Nachlass von Gernot Zippe (1917-2008)

19.30 Uhr Keynote
Helmuth Trischler (Deutsches Museum, München):
Sammlungslogiken in Archiven, Bibliotheken und Museen – Realitäten und Konstruktionen

Freitag, 5. April 2019

9.00 – 11.15 Uhr
Panel 3: Umbruchssammlungen
Moderation: Achim Saupe (Leibniz-Forschungsverbund Historische Authentizität)

Peter Ulrich Weiß (Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung, Potsdam)
Ordnung und Diktatur. Politisch-ideologische Einflussnahmen auf
Archivierungsprinzipien im Reichs- und Deutschen Zentralarchiv der DDR

Kai Drewes (Leibniz-Institut für Raumbezogene Sozialforschung, Erkner)
Der Architekturhistoriker Kurt Junghanns und die Planungen für ein DDR-Architekturmuseum

Michael Farrenkopf (Deutsches Bergbau-Museum Bochum)
Auslauf einer Branche – Eine Zäsur für das archivierte Bergbauerbe als Authentizitätsinstanz?

Jürgen Bacia (Archiv für alternatives Schrifttum, Duisburg)
Unsere Geschichte gehört uns! Die Archive der Neuen Sozialen Bewegungen

11.30 – 12.30 Uhr
Archiv- und Ausstellungsbesichtigung

Mittagessen

13.30 – 15.15 Uhr
Panel 4: Authentisierungspraxen zwischen Materialität, Kopie und Digitalität
Moderation: Michael Farrenkopf (Deutsches Bergbau-Museum Bochum)

Margit Ksoll-Marcon (Generaldirektion der Staatlichen Archive Bayerns, München)
Authentizität digitaler Archivierungen

Annette Frey (Römisch-Germanisches Zentralmuseum, Mainz)
Frühe Sammlungslogik in der Kopiensammlung des RGZM

Elke Bauer (Herder-Institut für historische Ostmitteleuropaforschung, Marburg)
Pertinenz und Provenienz oder die Vereinbarkeit des Unvereinbaren. Bildarchive und die Chance des digitalen Wandels

15.15 – 15.45 Uhr
Abschlussdiskussion

15.45 Uhr Tagungsende

Kontakt

Achim Saupe
ZZF Potsdam
Am Neuen Markt 1
14467 Potsdam

saupe@zzf-potsdam.de

Zitation
Logik und Lücke. Zur Konstruktion des Authentischen in Archiven und Sammlungen, 04.04.2019 – 05.04.2019 München, in: H-Soz-Kult, 26.02.2019, <www.hsozkult.de/event/id/termine-39559>.