Europa der Grenzen – Neue Perspektiven auf Grenzen im Kalten Krieg

Ort
Bozen
Veranstaltungsort
Freie Universität Bozen
Veranstalter
Kompetenzzentrum für Regionalgeschichte der Freien Universität Bozen; Österreichisches Historisches Institut in Rom
Datum
29.11.2019 - 30.11.2019
Bewerbungsschluss
10.04.2019
Von
Ruzicic-Kessler, Karlo

Anlässlich des 30. Jahrestags des Falls der Berliner Mauer und angesichts aktueller Grenzdiskussionen sowie der Forderungen nach der Errichtung fester Barrieren zwischen Staaten, bietet sich die Gelegenheit, über Grenzen im Europa des Kalten Krieges in historischer Perspektive zu reflektieren und ihre Bedeutung neu zu beurteilen. Das Kompetenzzentrum für Regionalgeschichte der Freien Universität Bozen und das Österreichische Historische Institut in Rom wollen mit der Konferenz „Europa der Grenzen – Neue Perspektiven auf Grenzen im Kalten Krieg“ einen Beitrag zur Neubewertung verschiedener Grenzszenarien in Europa zwischen 1945 und 1990/92 leisten und ExpertInnen mit verschiedenen Forschungsschwerpunkten anlässlich einer Tagung in Bozen zusammenbringen.
Nach 1945 und mit dem Aufkommen des Kalten Krieges wurde Europa für Jahrzehnte als geteilter Kontinent wahrgenommen. Der Ost-West-Konflikt prägte eine ganze Ära und der „Eiserne Vorhang“ stand emblematisch für die harte Grenze zwischen zwei unterschiedlichen staatlichen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Modellen. Die Tagung hat zum Ziel, verschiedene Grenzszenarien zu betrachten, in eine vergleichende Perspektive zu stellen und Langzeitwirkungen zu analysieren. Der Fokus soll dabei nicht nur auf der Trennung zwischen Ost und West liegen, sondern ebenso andere Grenzen, Grenzkonflikte, grenzähnliche Settings und integrative Elemente (in und zwischen Ost und West) mit in Betracht ziehen. Im Mittelpunkt stehen Fragen über die Bedeutung von Grenzen für lokale Wirtschaften und Gesellschaften, die Entwicklung von Grenzräumen und der Durchlässigkeit von Grenzen, verschiedene Integrationsprozesse in Grenzräumen (z.B. die westeuropäische Integration) und der Umgang mit „harten“ Grenzen in regionalen, nationalen und internationalen Kontexten. Die Grenze wird somit als Trennungs- und Verbindungselement betrachtet und bietet sich an als Schauraum verschiedener sozioökonomischer und politischer Prozesse in Europa während des Kalten Krieges (z.B. Grenzsicherung, Grenzüberschreitungen, Flucht, Migration). Ziel ist es, den Vergleich verschiedener (integrativer und desintegrativer) Prozesse an unterschiedlichen geografischen Orten zu ermöglichen und neue Schlüsse für die Forschung zu Grenzen im Europa des Kalten Krieges zu ziehen. Potenzielle (nicht ausschließliche) Themenfelder können folgende sein:

- Leben am „Eisernen Vorhang“: gesellschaftliche, wirtschaftliche und politische Entwicklungen an der Grenze zwischen Ost und West in Langzeitperspektive. Welche Bedeutung hatte die Grenze für die lokale Bevölkerung? Wie entwickelte sich die Durchlässigkeit der Grenze während des Kalten Krieges? Welche Faktoren regionalen, nationalen und internationalen Ursprungs beeinflussten die Entwicklung der Grenzerfahrung?

- Grenzen und ihre Definitionen: was zeichnet die Wahrnehmung und Deutung von Grenzen im Kontext des Kalten Krieges aus? Über welche Prozesse formten sich Grenzwahrnehmungen und die Vorstellung der Funktion von Grenzen etwa als Räume des Übergangs oder des Abschlusses?

- Grenzen und internationale Integration: Versuche des Abbaus von Grenzen in Europa und regionale Entwicklungen. Welche Faktoren waren für den Abbau von Grenzen in Europa verantwortlich? Welche regionalen, nationalen und transnationalen AkteurInnen lassen sich ausmachen? Wie gestaltete sich das wirtschaftliche, gesellschaftliche und politische Miteinander in Langzeitperspektive? Wie gestaltete sich die Entwicklung von Grenzen in Ost und West?

- Kooperation und Konflikte an Nebenschauplätzen des Kalten Krieges: Beispiele für Grenzerfahrungen, die neben den großen Schauplätzen des Ost-West Konfliktes und der Europäischen Integration stattfanden (z.B. die Alpen-Adria Region, Irland, Jugoslawien, Österreich, die Schweiz, Skandinavien, Südtirol). Wie gestaltete sich die Entwicklung an ideologischen und politischen Grenzen, die nicht am „Eisernen Vorhang“ und nicht im Fokus der Europäischen Integration lagen? Welche Spezifika lassen sich feststellen? Haben solche Grenzen eine eigene Zeitlichkeit oder entwickeln sie sich parallel zu den Vorgaben des Kalten Krieges und der Europäischen Integration? Gibt es Wechselwirkungen zwischen Grenzphänomenen?

Zur Tagung sind sowohl etablierte ForscherInnen als auch der wissenschaftliche Nachwuchs eingeladen. Besonders willkommen sind Beiträge, die Entwicklungen in Langzeitperspektive aufzeigen. Die Kosten für Anreise (max. 250EUR, in Ausnahmefällen und in Absprache mit dem Organisationsteam mehr) und Aufenthalt der Konferenzteilnehmer werden gedeckt.

Konferenzsprache ist Deutsch.

Bitte senden Sie ihre Themenvorschläge in Form eines Abstracts (max. 300 Wörter), zusammen mit einem kurzen Lebenslauf bis zum 10. April 2019 an beide Organisatoren, Karlo Ruzicic-Kessler (karlo.ruzicickessler@unibz.it) und Georg Hoffmann (georg.hoffmann@hdgoe.at). Über die Aufnahme in das Programm werden die ReferntInnen bis 30. April 2019 informiert.

Kontakt

Karlo Ruzicic-Kessler
Kompetenzzentrum für Regionalgeschichte Kreuzgasse 7
Italien - 39042, Brixen

karlo.ruzicickessler@unibz.it

Zitation
Europa der Grenzen – Neue Perspektiven auf Grenzen im Kalten Krieg, 29.11.2019 – 30.11.2019 Bozen, in: H-Soz-Kult, 12.03.2019, <www.hsozkult.de/event/id/termine-39706>.