Reproduktion, Ökonomie und Gesellschaft. Vortragsreihe

Ort
Heidelberg
Veranstaltungsort
Heidelberg, Marsilius-Arkaden, Im Neuenheimer Feld 130.2
Veranstalter
Birgit Nemec / Nadia Primc, Institut für Geschichte und Ethik der Medizin, Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
Datum
24.04.2019 - 03.07.2019
Von
Birgit Nemec

Die menschliche Reproduktion zählt zu einem sich rasant entwickelnden Forschungsgebiet der Medizin sowie zu einem gesellschaftlich viel befragten Feld. Aktuelle Debatten entzündeten sich an neueren Technologien, wie etwa der Genomeditierung, an sozialen und ökonomischen Aspekten assistierter Empfängnis bis hin zu Kontroversen um Wege der vorgeburtlichen Vorsorge. Den wachsenden biomedizinischen Möglichkeiten wird in Debatten die Gefährdung ethischer Werte und Prinzipien sowie gewachsener Ordnungen von Familie und Gesellschaft gegenübergestellt.

Allerdings sind viele der Verfahren und Vorstellungen im Bereich der menschlichen Reproduktion nicht gänzlich neu. Ein intensives Abwägen von Chancen und Risiken war bereits in der Vergangenheit erfolgt, und zwar speziell in Phasen gesellschaftlicher Veränderungsprozesse.

Ziel der Veranstaltungsreihe ist es, historische und ethische Perspektiven auf die menschliche Reproduktion im Zusammenhang mit Ökonomie und Gesellschaft zu entwickeln. Die Vorträge fokussieren auf die historische Entstehung und Veränderung des Wissens über die prä- und postnatale Entwicklung sowie auf die ethische Bewertung neuerer Verfahren der pränatalen Diagnostik und Reproduktionsmedizin.

Die Veranstaltungsreihe ist Teil des Forschungsschwerpunkts „Reproduktion in Medizin und Gesellschaft“ des Instituts für Geschichte und Ethik der Medizin.

Programm

24.04.2019
„Haben wir ein Recht auf ein nicht-manipuliertes Genom? Das menschliche Genom als „common heritage of humanity“

Dr. Nadia Primc
Institut für Geschichte und Ethik der Medizin
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg

Mit der Verfügbarkeit von CRISPR wird die Möglichkeit von Keimbahneingriffen wieder kontrovers diskutiert. In dem Vortrag wird der Frage nachgegangen, inwiefern diese einen besonders schweren Eingriff in die menschliche Natur darstellen und aus philosophischer Sicht von einem Recht des Menschen auf ein nicht-manipuliertes Genom gesprochen werden kann.

15.05.2019
"Kinderwunsch und Krebs. Möglichkeiten und Grenzen des Fertilitätserhalts"
Dr. Sabine Rösner
Gynäkologische Endokrinologie und Fertilitätsstörungen
Universitäts-Frauenklinik Heidelberg

Eine Krebserkrankung ist ein gravierender Einschnitt in das Leben eines jeden Menschen. Viele der dann nötigen Therapien führen zur Einschränkung der Fruchtbarkeit. Insbesondere junge Frauen, die ihren Kinderwunsch noch nicht verwirklicht haben, sollten über die heute möglichen Therapieoptionen zum Erhalt der Fruchtbarkeit, aber auch deren Grenzen, beraten werden.

22.05.2019
„Pränataldiagnostik als liberale Eugenik? Mängel und Widersprüche eines wirkmächtigen Konzeptes“
Dr. Giovanni Rubeis
Institut für Geschichte und Ethik der Medizin
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg

Unter dem Schlagwort der liberalen Eugenik wird die Selektion von Nachkommen nach von den Eltern festgelegten Kriterien verstanden. Kritiker wie Befürworter vorgeburtlicher Diagnose- und Testverfahren berufen sich auf dieses Konzept. In dem Vortrag werden Bedeutung und Tragweite der liberalen Eugenik untersucht sowie Mängel und Widersprüche dieses Konzepts kritisch beleuchtet.

05.06.2019
„Risikokinder. Eine Geschichte der Wissenschaft und Vorsorge“
Dr. Birgit Nemec
Institut für Geschichte und Ethik der Medizin
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg

Das Konzept des Risikos steht heute im Zentrum des Umgangs mit Schwangerschaft und Fragen der reproduktiven Gesundheit. Allerdings kam der Begriff “Risiko” erst in den 1960er Jahren in Debatten von Biostatistikern, Humangenetikern und Gynäkologen auf und erfuhr in den folgenden Jahrzehnten einen starken Bedeutungswandel, den der Vortrag rekonstruiert.

26.06.2019
„Vor der Geburt. Zur Geschichte der pränatalen Prägung“

Prof. Dr. Caroline Arni
Departement Geschichte
Universität Basel

Heute gibt es eine wachsende Zahl an Presseartikeln und populärwissenschaftlichen Büchern zum Thema „developmental origins of health and disease“. Dabei ist die Idee, dass während der Schwangerschaft plastische Kräfte wirken und namentlich Lebensführung und Erfahrungen der Schwangeren Eigenschaften des Kindes prägen, keineswegs neu. Im Vortrag wird gezeigt, wie sich diese Ideen in der Moderne herausgebildet haben, die für heutige Sichtweisen grundlegend sind.

03.07.2019
„Beruf Mutter? Die Professionalisierung privater Kinderbetreuung“

Prof. Dr. Katja Patzel-Mattern
Historisches Seminar
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg

Der Vortrag untersucht anhand der Tagesmutter-Initiative der Bundesregierung, wie aus dem bürgerlichen Ideal des Liebesdienstes ein Beschäftigungsverhältnis am Markt wird, welche Folgen dies für die Wahrnehmung der geleisteten Arbeit und das Bild der Mutter hat, und wie Frauen, die in der Tageskinderpflege tätig sind, sich selbst verstehen.

Kontakt

Birgit Nemec
Institut für Geschichte und Ethik der Medizin Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg

birgit.nemec@histmed.uni-heidelberg.de

Zitation
Reproduktion, Ökonomie und Gesellschaft. Vortragsreihe, 24.04.2019 – 03.07.2019 Heidelberg, in: H-Soz-Kult, 05.04.2019, <www.hsozkult.de/event/id/termine-39879>.