Innovation und mittelalterliche Gemeinschaften in Nordwesteuropa (1200-1500) / Innovation et Communautés médiévales en Europe du Nord-Ouest

Ort
Münster
Veranstalter
Prof. Dr. Elodie Lecuppre-Desjardin, Université de Lille (IRHiS); Dr. Nils Bock, Westfälische Wilhelms-Universität Münster
Datum
01.06.2019
Bewerbungsschluss
01.06.2019
Von
Nils Bock

[VERSION FRANCAISE CI-DESSOUS]

Das aus aktuellen Umfragen gewonnene Bild, dass die ‚Deutschen‘ dem digitalen Wandel zugleich mit Neugier und Angst vor Überforderung gegenüberstehen, erscheint nur verständlich und wird positiv interpretiert, da Neugier als Antrieb zur aktiven Gestaltung des Wandels genutzt werden könne. Die Umfrage zeigt aber auch, dass selbst nach zwei Jahrhunderten der durch immer neue, vor allem technische und ökonomische Innovationen geprägten Moderne, die Menschen sich Neuerungen weiterhin mit ambivalenten Gefühlen nähern. Diese Sichtweise auf zeitgenössische Gesellschaften stellt die etablierte Verbindung zwischen Innovation und Modernisierung in Frage. Dieses Phänomen ist jedoch weit davon entfernt, für moderne und zeitgenössische Gesellschaften spezifisch zu sein. Das Ende des Mittelalters, das noch nie systematisch auf dieses Thema hin untersucht wurde, ist unerlässlich, um die menschlichen Anpassungsmechanismen, aber auch die kulturellen Fragen zu verstehen, die den Wandel erleichtern oder blockieren. Jenseits teleologischer Perspektiven auf Innovation können der Zeitraum (13. bis Anfang des 16. Jahrhunderts) und der Raum (Nordwesteuropa), den wir in den Mittelpunkt unserer Zusammenarbeit stellen wollen, als analytisches Labor dienen, um die Bedingungen, unter denen Innovationen wahrgenommen wurden, und die Reaktionen, die durch das Entstehen von Innovationen hervorgerufen wurden, zu untersuchen.

Wenn für viele Theologen des Mittelalters Innovation nur eine Reform bedeuten konnte, hinderte diese Haltung die Menschen in der Praxis, im Handel und im Handwerk nicht daran, Innovationen durchzuführen, ohne sie als solche zu bezeichnen und alle möglichen neuen Instrumente zur Förderung ihrer Kunst einzuführen. Es gibt Bemühungen, um aus alt neu zu machen. Aber es reicht nicht aus, neue Techniken, neue Methoden zu entwickeln. Diese neuen Handlungs- und Denkweisen müssen von den Gemeinschaften, an die sie gerichtet sind, akzeptiert werden, oder, um es mit den Worten von J. Schumpeter auszudrücken: „Damit eine Idee zu einer Innovation wird, muss sie noch immer sozial angenommen werden.“ Wortwahl, Kommunikationsstrategien, Optimierungsabsichten, Versprechungen zur Verbesserung oder Aufrechterhaltung besserer Lebensbedingungen usw. – die Einführung einer regulären Steuer zur Aufrechterhaltung der Armeen und damit zum Schutz der Bevölkerung ist ein treffliches Beispiel dafür – sind alles Schritte, die Innovationsprozesse nicht nur in einem linearen, sondern auch in einem iterativen Sinne strukturieren, der Fortschritt, Rückgang, Annahme, Rekombination, Scheitern und Wiederaufnahme umfasst.

Ziel des Symposiums ist es nicht, Innovationen zu identifizieren und zu erfassen, was zu einer Art sterilem Inventar führen würde, sondern es hebt auf die Reaktionen ab, welche die Aufnahme einer Neuerung umgeben. Die Untersuchung wird sich auf verschiedene mittelalterliche Gemeinschaften wie Kaufleute, Handwerker, Ordensleute, Universitätsangehörige, Soldaten, Wirtschafts- und Finanzexperten, Berater und ‚Intellektuelle‘ usw. stützen, um Theorie und Praxis zu kombinieren und schließlich einen ‚Idealtyp‘ der Akzeptanz von Innovationen zu entwickeln. Durch die Beobachtung des jeweiligen Wissensstands, der Stärke von Überzeugungen, von Entscheidungsprozessen, der ökonomischen Kontexte, der Widerstandskraft und Kommunikationsstrategien hoffen wir, Auskunft über die Etappen bieten zu können, die es ermöglichen, die gesellschaftliche Veränderungen zu verstehen und letztlich die programmatische Frage des Kolloquiums zu beantworten: Auf welche Weise trägt Innovation zur Neudefinition sozialer Gruppen zwischen dem 13. und 16. Jahrhundert bei?

Eingebettet in ein größeres Forschungsvorhaben, das sich der Erforschung von Innovationen im Kontext des späten Mittelalters widmet, ist das Ziel dieses ersten Kolloquiums, das eine kontinuierliche Zusammenarbeit zu diesem Forschungsthema initiieren soll, ein dreifaches:
1. Die Rezeption von Innovationen in den jeweiligen Gemeinschaften zu beobachten,
2. Verbreitungs- oder Ablehnungsstrategien in den verschiedenen ausgewählten Gemeinschaften zu identifizieren,
3. schließlich die komplexen Wechselbeziehungen von Novation und Transformation in diesen vormodernen Gesellschaften zu verstehen, die einerseits "Neuheit" ablehnen und andererseits auf die Erfordernisse des Wandels reagieren.

Da dieses Treffen am Beginn einer langfristigen Untersuchung steht und als ein großer kollektiver Workshop betrachtet werden kann, wünschen die Organisatoren die mittelalterlichen Gemeinschaften und ihre Beziehungen, die sie mit Innovationen pflegen, in ihrer ganzen Breite zu betrachten. Die einzelnen Beiträge sollen dabei einen Überblick über ihr Themenfeld bieten und Neuerungen identifizieren, die für weitere Untersuchungen von Interesse sein können. Folgende Fragen, die das Thema notwendigerweise nicht erschöpfend erfassen können, sollen die beteiligten Forscher bei der Bearbeitung des Themas leiten: Wem sind wir diese Innovationen schuldig? Wie und wo werden sie kritisiert oder legitimiert? Was fördert oder behindert die Akzeptanz von Neuem innerhalb und außerhalb der urbanen Welt? Welchen Bezug zur Zeit hat dieses ‚Novationssystems‘? Wie und wo werden sie kritisiert bzw. legitimiert? Wie kann der Einzelne technische Effizienz und das Streben nach religiöser Erlösung in Einklang bringen? Wer muss überzeugt werden, wer lässt sich überzeugen? Wie wird ein Gleichgewicht zwischen alt und neu hergestellt? Wer sind Gewinner, wer sind Verlierer der Neuheiten? Führen diese Differenzen zu Unruhen und/oder werden Kompensationsmechanismen entwickelt?

Die Sprachen des Kolloquiums werden hauptsächlich Französisch und Deutsch sein (Englisch kann als Diskussionssprache genutzt werden).

Die Fahrt- und Übernachtungskosten werden übernommen.
Erbeten werden Abstracts, die einen Titel und eine Zusammenfassung des Vortrags im Umfang von 1500 Zeichen umfassen. Die Vorschläge sind bis zum 1. Juni 2019 auf Französisch oder Deutsch an Elodie.lecuppre@univ-lille.fr und nils.bock@uni-muenster.de zu richten.

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Un enquête récente réalisée en Allemagne a montré que face à la révolution numérique et à l’accélération des innovations technologiques dans le domaine de l’information, nombre d’hommes et de femmes observaient ces changements technologiques avec autant de curiosité que d’appréhension, craignant un surmenage inévitable sur le front de leurs activités professionnelles. Si la fascination pour ces innovations peut constituer une force motrice pour une adaptation à ce ‘nouveau monde’, la crainte engendrée prouve qu’après deux siècles de modernité, l’émergence d’innovations technologiques et économiques continue à nourrir des sentiments ambivalents. Ce regard sur les sociétés contemporaines remet en question le lien bien établi entre innovation et modernisation. Toutefois ce phénomène est loin d’être propre aux sociétés modernes et contemporaines et la fin du Moyen Âge, qui n’a encore jamais fait l’objet d’une étude systématique sur ce sujet, se révèle essentielle pour comprendre les mécanismes humains d’adaptation, mais aussi les enjeux culturels qui facilitent ou bloquent les transitions. Débarrassés de toute perspective téléologique sur l’innovation, la période (XIIIe- début XVIe siècle) et l’espace (Europe du Nord-Ouest) que nous souhaitons placer au cœur de cette rencontre pourront servir de laboratoire d’analyse, afin d’estimer les conditions de réception de l’innovation et les réactions suscitées par l’irruption de la nouveauté.
Si pour nombre de théologiens du Moyen Âge, l’innovation ne peut être que réforme, cette posture n’empêche pas les hommes de la pratique, du commerce, de l’artisanat, d’innover sans le dire et d’introduire toutes sortes de nouveaux outils favorisant leur art. Les subterfuges existent pour, en quelque sorte, « faire du vieux avec du neuf ». Mais créer de nouvelles techniques, de nouvelles méthodes, ne suffit pas. Encore faut-il que ces nouvelles manières de faire et de penser soient acceptées par les communautés auxquelles elles s’adressent, ou, pour le dire avec les mots de J. Schumpeter : « Pour qu’une idée devienne innovation, il faut encore qu’elle soit socialement adoptée ». Le choix des mots, les stratégies de communication, les intentions d’optimisation, les promesses d’amélioration ou de maintien de conditions de vie favorables (l’impôt permanent pour entretenir les armées et donc protéger les peuples en est un parfait exemple), etc., sont autant d’étapes qui structurent les processus d’innovation non seulement dans un sens linéaire, mais aussi dans un sens itératif, ce qui inclut avancement, recul, adoption, recombinaison, échec et reprise.
Ce colloque visera par conséquent, non pas à repérer les innovations, ce qui aboutirait à une sorte d’inventaire stérile, mais à cibler les réactions qui entourent l’accueil de la nouveauté. L’enquête s’appuiera sur différentes communautés médiévales que sont les marchands, les artisans, les religieux, les universitaires, les gens d’armes, les officiers comptables, les théoriciens du politique, etc., afin de mêler théorie et pratique pour éventuellement élaborer un ‘idéal-type’ de l’acceptation de l’innovation. En observant les niveaux de connaissance, la force des convictions, les processus de décision, les contextes économiques, les capacités de résistance, les stratégies de communication, nous espérons pouvoir cibler les étapes qui permettent de comprendre les mutations sociétales et in fine, tenter de répondre à la question programmatique de cette rencontre : En quoi l’innovation participe-t-elle de la redéfinition des groupes sociaux entre le XIIIe et le XVIe siècle ?
Inscrit dans un vaste programme de recherche, dédié à l’étude de l’innovation en contexte à la fin du Moyen Âge, l’objectif de ce premier colloque, dont le but est d’amorcer une collaboration suivie autour de ce thème de recherche, sera donc triple :
1) Observer l’accueil de l’innovation en fonction des communautés étudiées.
2) Repérer des stratégies de diffusion ou de refus, toujours en fonction des différentes communautés retenues.
3) Comprendre le complexe régime de novation et de transformation dans ces sociétés pré-modernes qui, d’un côté réprouvent « la novelleté », et de l’autre répondent à des impératifs de changement.

Dans la mesure où cette rencontre se situe dans une étape liminaire à une investigation de longue durée, et peut être considérée comme un vaste atelier de travail collectif, les organisateurs ont souhaité ouvrir largement l’éventail des communautés médiévales envisagées dans les rapports qu’elles nourrissent avec l’innovation. Les contributions individuelles auront pour but de donner une vue d’ensemble des domaines privilégiés afin d'identifier des pistes de recherche à approfondir. Les questions suivantes, qui n’épuisent pas l’ensemble des interrogations motivées par un tel sujet, pourront guider les chercheurs impliqués : À qui doit-on ces innovations ? Comment et où sont-elles critiquées ou légitimées ? Qu’est ce qui favorise ou entrave l’acceptation de la nouveauté au sein et en dehors du monde urbain ? Quel rapport au temps nourrit ce régime de novation ? Comment l’individu peut-il concilier efficacité technique et quête du Salut ? Qui doit être convaincu et qui peut être convaincu ? Comment s’équilibrent la part de l’ancien et celle de la nouveauté ? Qui sont les gagnants et les perdants des nouveautés ? Ces différences entraînent-elles des troubles et/ou des mécanismes de compensation à élaborer ?
Les langues utilisées lors de cette rencontre seront principalement le français et l’allemand, (l’anglais pourra servir de langue de discussion).

Les frais sont intégralement pris en charge par les organisateurs.
Les propositions, comprenant un titre et un résumé de 1500 caractères, sont à soumettre à Elodie.lecuppre@univ-lille.fr et à nils.bock@uni-muenster.de avant le 1er juin 2019.

Kontakt

Prof. Dr. Elodie Lecuppre-Desjardin
Université de Lille (IRHiS)
Membre senior de l’IUF

Elodie.lecuppre@univ-lille.fr

Dr. Nils Bock
Westfälische Wilhelms-Universität Münster

nils.bock@uni-muenster.de

Zitation
Innovation und mittelalterliche Gemeinschaften in Nordwesteuropa (1200-1500) / Innovation et Communautés médiévales en Europe du Nord-Ouest, 01.06.2019 Münster, in: H-Soz-Kult, 01.04.2019, <www.hsozkult.de/event/id/termine-39900>.