Fürst und Pfand. Die Verpfändung von Herrschaftsrechten als Finanzierungs- und Herrschaftsinstrument im Mittelalter

Ort
Wien
Veranstalter
Lienhard Thaler, Institut für Wirtschafts- und Sozialgeschichte, Universität Wien
Datum
14.11.2019 - 15.11.2019
Bewerbungsschluss
30.06.2019
Von
Lienhard Thaler

Die ältere Geschichtsschreibung hat die Verpfändung von Herrschaftsrechten meist als für die fürstlichen Pfandgeber äußerst nachteilig beurteilt: Die Kommerzialisierung von Ämtern und Herrschaftsrechten sei als Schwächezeichen und ultima ratio hochverschuldeter Landesfürsten zu bewerten, die nicht nur wirtschaftliche und politische Abhängigkeit von kapitalkräftigen Gläubigern, sondern bisweilen sogar die vollständige Entfremdung von Herrschaftsrechten zu Folgen gehabt hätte. Die Gefahr der Herrschaftsmediatisierung war durchaus real, wie konfliktreiche Auslösungs- und Rückgewinnungsversuche durch die Pfandgeber bezeugen. Städte, Märkte und Gerichte lösten sich in einigen Fällen selbst aus, um die Pfandherrschaft abzustreifen. In diesen Fällen ist häufig von außerordentlichen Belastungen durch die Pfandherren die Rede.
Jüngere Forschungen haben eine Neubewertung in Gang gesetzt und dem Pfandschaftswesen herrschaftsintegrierende Effekte zugeschrieben. Aus finanzieller Sicht hätte die Verpfändung dem Fürsten durchaus Vorteile gebracht, weil es sich dabei – in Ermangelung eines ausreichend leistungsfähigen Kreditmarktes – um die beste verfügbare Möglichkeit zur Geldbeschaffung gehandelt habe. Auch Überlegungen zur Kreditoptimierung durch Umschuldung sind – etwa von Kaiser Friedrich III. – überliefert. Zudem seien Pfandschaften als bewegliches Kapital planmäßig für politische Verhandlungen, zur Belohnung von Parteigängern und zur Bindung des Adels an den Fürsten eingesetzt worden.
Die Gefahr der Entfremdung von Herrschaftsansprüchen ist eng mit der rechtlichen Ausgestaltung des Pfandverhältnisses und mit der praktischen Umsetzung der Auslösung verbunden. Herrschaftsintensivierende und –stabilisierende Funktionen hängen mit der Person des Pfandnehmers sowie der wechselseitigen Abhängigkeit von Pfandgeber und –nehmer zusammen. Die ökonomische Sinnhaftigkeit lässt sich untersuchen, indem nach den Gründen für die Ausgabe der Pfandschaften sowie nach der Verwendung des damit lukrierten Geldes gefragt wird.

Diese und weitere Aspekte sollen im Rahmen eines zweitägigen Workshops an konkreten Beispielen thematisiert und diskutiert werden. Ziel der Veranstaltung ist es, das für die mittelalterliche Finanzierung von Herrschaft zentrale Instrument der Pfandschaft zu untersuchen. Sowohl die ältere, sehr negative als auch die jüngere, positiv dominierte Bewertung der Verpfändung von Herrschaftsrechten sollen auf dem Prüfstand stehen.

Der Workshop „Fürst und Pfand“ findet ganztätig am 14. und am Vormittag des 15. November 2019 in Wien statt und wird von Lienhard Thaler (Institut für Wirtschafts- und Sozialgeschichte, Universität Wien) organisiert. Für die einzelnen Vorträge (auf Deutsch oder Englisch) sind jeweils 30 Minuten Redezeit vorgesehen. Die Kosten für Anreise und Übernachtung der Referierenden werden übernommen.

Bitte senden Sie eine Zusammenfassung (ca. 300 Wörter) des von Ihnen geplanten Vortrages und einen kurzen Lebenslauf bis zum 30. Juni 2019 an lienhard.thaler@univie.ac.at.

Kontakt

Lienhard Thaler

Universität Wien, Institut für Wirtschafts- und Sozialgeschichte
Universitätsring 1, A-1010 Wien

lienhard.thaler@univie.ac.at

Zitation
Fürst und Pfand. Die Verpfändung von Herrschaftsrechten als Finanzierungs- und Herrschaftsinstrument im Mittelalter, 14.11.2019 – 15.11.2019 Wien, in: H-Soz-Kult, 02.04.2019, <www.hsozkult.de/event/id/termine-39916>.
Redaktion
Veröffentlicht am
02.04.2019
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Land Veranstaltung