Grenzüberschreitende Familienbeziehungen in Spätmittelalter und Früher Neuzeit

Ort
Basel
Veranstalter
SNF-Forschungsprojekt "Briefkorrespondenzen als Quellen der Mentalitaets- und Kulturgeschichte (ca. 1650-1750)", geleitet von Prof. Dr. Claudia Opitz (Universitaet Basel) SNF-Forschungsprojekt "Fremdheitserfahrung und Kulturtransfer: deutsch- und franzoesischsprachige Europareisende, 16.-18. Jh.", geleitet von Prof. Dr. Dorothea Nolde (Universitaet Bremen)
Datum
13.01.2006 - 15.01.2006
Bewerbungsschluss
15.06.2005
Von
Dorothea Nolde

Internationale Tagung Universitaet Basel 13.-15. Januar 2006 / Call for Papers

„Grenzueberschreitende Familienbeziehungen : Akteure und Medien des Kulturtransfers in Spaetmittelalter und Frueher Neuzeit“

Unter den zahlreichen Akteuren des Kulturtransfers im fruehneuzeitlichen Europa spielen Familienverbaende eine herausragende, ueberraschenderweise jedoch bislang kaum erforschte Rolle. Die hohe Mobilitaet weiter Teile der fruehneuzeitlichen Gesellschaft hatte haeufig zur Folge, dass einzelne Familienmitglieder vorruebergehend oder dauerhaft im Ausland lebten. In manchen Faellen verteilten sich ganze Familien ueber mehrere Laender. Gerade im Zusammenhang mit langfristigen oder dauerhaften Auslandsaufenthalten - bedingt etwa durch Heirat, diplomatische Missionen, Militaerdienst oder religioeses Exil - waren es familiaere Kontakte und Netzwerke, welche die Beteiligten zu kulturellen Mittlern ('passeurs culturels') werden ließen. Dies umso mehr, als einerseits mit dem UEberschreiten von Laendergrenzen haeufig auch das UEberschreiten verschiedenster kultureller sowie konfessioneller Grenzen verbunden war, und andererseits der Kontakt zu Familienmitgliedern in der Regel eines der stabilsten Bindeglieder zur Herkunftskultur darstellte.

Insbesondere ins Ausland heiratende Personen konnten so zu regelrechten Vorposten des Kulturtransfers werden. Bedienstete aus dem Herkunftsland begleiteten die Braut oder, was seltener vorkam, den Braeutigam an den neuen Lebensort. Die Heirat hatte meist eine rege Reisetaetigkeit in beide Richtungen zu Folge. Im Ausland verheiratete Personen waren haeufig privilegierte Anlaufstellen fuer Landsleute, die auf Reisen waren, eine Anstellung suchten oder als Fluechtlinge kamen. In manchen Faellen zogen spaeter auch Verwandte nach. Eine Auslandsheirat gab zudem oft den Anstoß zu weiteren Heiratsverbindungen, so dass ganze grenzueberschreitende Familiennetzwerke entstanden.

Ebenso legten grenzuebergreifende Geschwisterbeziehungen haeufig den Grundstein fuer Prozesse des Kulturtransfers, die sich ueber mehrere Generationen erstreckten. Insbesondere die Praxis der Aufnahme oder des Protegierens von Nichten und Neffen in die eigene Familie oder das eigene Anwesen (Hof, Handelskontor, Familienbetrieb o.ae.) diente einerseits der Staerkung von Familienbanden ueber Laendergrenzen hinweg und sorgte andererseits dafuer, dass die Auslandsbeziehungen in der naechsten Generation fortgesetzt wurden.

Die Tagung knuepft an Erkenntnisse der Kulturtransferforschung ebenso an wie an Forschungen zu fruehneuzeitlichen Familienbeziehungen und Netzwerken. Im Zentrum stehen dabei Fragen nach den Akteuren und Medien grenzueberschreitender Familienbeziehungen. Dabei ist insbesondere von Interesse zu beleuchten, in welcher Weise und auf welchen Wegen Familienbeziehungen Kulturkontakte ermoeglichten oder aber im Gegenteil behinderten bzw. konditionierten. In diesem Zusammenhang spielen nicht zuletzt auch geschlechtsspezifische Mobilitaet und entsprechende Austausch- bzw. Aneignungsprozesse eine wichtige Rolle. Zu den moeglichen Themen zaehlen u.a. die kulturelle Dimension dynastischer Beziehungen, die Bedeutung von Familienbeziehungen fuer diplomatische Kontakte, Fragen des Fremdspracherwerbs und der UEbersetzung, Kulturtransfer und Kulturkonflikt im Bereich der Religion sowie im Bereich der Rechts- und der oekonomischen Kultur.
Des Weiteren soll geklaert werden, auf welchen Wegen Kulturtransfer sich mental und praktisch vollzog. Dabei ist der Blick insbesondere auf Quellen zu richten, in denen Kulturtransfer sichtbar wird oder sichtbar gemacht werden kann (so etwa Briefkorrespondenzen, in denen kulturelle Differenzen bzw. kulturelle Lernprozesse thematisiert werden, oder auch Tagebuecher, Memoiren und aehnliche Selbstzeugnisse, in denen entsprechende Erfahrungen zeitnah oder retrospektiv dargestellt werden).
Willkommen sind deshalb insbesondere Beitraege, die entweder Beispiele grenzuebergreifender Familienbeziehung aus der Perspektive der Kulturtransfer- oder Netzwerkforschung untersuchen, oder die Medialitaet der Transferprozesse (beispielsweise Korrespondenz, Guetertransfer oder Personenverkehr) thematisieren.

Tagungssprachen sind Deutsch, Englisch und Franzoesisch.

Themenvorschlaege mit kurzem Abstract bitte bis zum 15.06.2005 an:

Prof. Dr. Claudia Opitz, Universitaet Basel, Historisches Seminar, Hirschgaesslein 21,
CH-4051 Basel
Opitz-Belakhal@t-online.de

Prof. Dr. Dorothea Nolde, Universitaet Bremen, Institut fuer Geschichte, Bibliothekstrasse,
D-28359 Bremen
donolde@aol.com

Kontakt

Nolde

Universitaet Bremen, Institut fuer Geschichte

donolde@aol.com

Zitation
Grenzüberschreitende Familienbeziehungen in Spätmittelalter und Früher Neuzeit, 13.01.2006 – 15.01.2006 Basel, in: H-Soz-Kult, 06.05.2005, <www.hsozkult.de/event/id/termine-4001>.
Redaktion
Veröffentlicht am
06.05.2005
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