Beharrung und Wandel. Niederösterreich im 19. Jahrhundert

Ort
St. Pölten
Veranstaltungsort
Wiener Neustadt
Veranstalter
NÖ Institut für Landeskunde, Abteilung NÖ Landesarchiv und NÖ Landesbibliothek
Datum
01.07.2019 - 03.07.2019
Bewerbungsschluss
28.06.2019
Von
Heidemarie Bachhofer

„Fortschritt! Überall Fortschritt!“, denkt schockiert die Figur des Erzählers in einer Novelle, die Ferdinand von Saar 1896 verfasste. Schon den Zeitgenossen erschien der rasante Wandel aller Lebensbereiche ein markantes Merkmal ihres Jahrhunderts zu sein. Doch dieser Wandel wurde nicht nur in der Metropole Wien sichtbar. Das „flache Land“ veränderte sich ebenso: durch Agrarrevolution und Industrialisierung, durch neue Massenparteien und unzählige Vereinsgründungen, durch den Ausbau von Verwaltung und Bildungswesen. Aber nicht alles änderte sich und nicht alle waren mit den Veränderungen einverstanden – neben dem Wandel und gegen ihn gerichtet also auch Beharrung.
Die öffentliche Tagung versammelt mehr als 20 Vortragende aus dem In- und Ausland. Sie beleuchten Niederösterreich im 19. Jahrhundert und stellen Entwicklungen aus anderen europäischen Regionen vor, um Diskussionen in international vergleichender Perspektive zu eröffnen. Das Symposion findet vor dem Hintergrund eines umfangreichen, am NÖ Institut für Landeskunde laufenden Buchprojektes statt, das die Geschichte Niederösterreichs im langen 19. Jahrhundert von 1780 bis zum Ende des Ersten Weltkrieges in mehr als 50 Einzelbeiträgen darstellen wird.
Für den Abendvortrag am 1. Juli konnte mit Pieter M. Judson (Europäisches Hochschulinstitut Florenz) ein prominenter Gast gewonnen werden. Mit seinem Buch „Habsburg. Geschichte eines Imperiums. 1740–1918“ (2017) ist er einem breiten Publikum bekannt geworden. Am 2. Juli wird die Keynote von Dirk van Laak (Universität Leipzig) – sein vielbeachtetes Buch „Alles im Fluss“ erschien 2018 – Themen der international besetzten Panels aufgreifen.
Eine Führung durch die NÖ Landesausstellung „Welt in Bewegung“ am 3. Juli rundet das Programm des Symposions ab.

Programm

Montag, 1. Juli
Moderne Zeiten?

10.00–11.00 Begrüßung und Einführung
Elisabeth Loinig und Oliver Kühschelm

11.00–11.30 Kaffeepause

11.30–13.00 Panel I: Wirtschaften

Martin Bauer: Agrarrevolution in Raten. Die Agrarwirtschaft in Niederösterreich 1790–1914

Andreas Resch: Industrie und Gewerbe in Niederösterreich – charakteristische Entwicklungen und Beziehungen

Bernd Kreuzer: Korridore der Moderne und der Macht: Verkehrs-, Mobilitäts- und Kommunikationsrevolutionen

Rita Garstenauer: Moderation

13.00–14.30 Mittagspause

14.30–16.00 Panel II: (Gegen)Macht

Thomas Hellmuth: Zwischen Freiheit und Herrschaft. Bildung in der bürgerlichen Gesellschaft

Sabine Schmitner: Bürgertum – die (Ohn)Macht der Mitte?

John Evers: Gegenmacht!? Arbeiter- und Arbeiterinnenbewegungen in Niederösterreich 1867–1914

Stefan Eminger: Moderation

16.00–16.30 Kaffeepause

16.30–17.30 Panel III: Räume

Annemarie Steidl Viele Wege räumlicher Mobilität. Lokale und überregionale Migrationen in Niederösterreich

Peter Eigner / Maximilian Martsch: Im Schatten der Metropole? Niederösterreichs Kleinstädte

Willibald Rosner: Moderation

17.30–18.00 Kaffeepause

18.00–18.20 Grußworte
Roman Zehetmayer, Leiter der Abteilung NÖ Landesarchiv und NÖ Landesbibliothek

Vertretung der Stadtgemeinde Wiener Neustadt
Hermann Dikowitsch, Leiter der Abteilung Kunst und Kultur

Landesrat Ludwig Schleritzko in Vertretung von Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner

18.20–19.20 Keynote

Pieter M. Judson: Imperiale Herrschaft und lokales Interesse: Staatsaufbau von oben und von unten in der Habsburgermonarchie

19.20–20.00 Podium zu Staat und Moderne
Moderation Elisabeth Loinig

Ausklang bei Brot und Wein

Dienstag, 2. Juli
Regionalgeschichte der Macht

9.00–9.30 Einführung
Elisabeth Loinig und Oliver Kühschelm

9.30–11.10 Panel I: Imperiale Herrschaft und das Land

Jana Osterkamp: Gleicher als andere. Niederösterreich als Kronland im habsburgischen Imperium

Stephan Sander-Faes: Staatsbildung als „Übersetzung“ (1800–1850). Das ländliche Niederösterreich und der österreichische Zentralstaat

Zsuzsanna Török: Stände und Statistik. Erzeugung und Verwendung von Staatswissen in Niederösterreich, ca. 1790–1848

Peter Becker: Kommentar

11.10–11.40 Kaffeepause

11.40–12.50 Panel II: Regionale Macht über/von Kirchen

Rupert Klieber: Religion und Kirchlichkeit zwischen Enns und Leitha (1785–1918): Alltag. Anspruch. Aufbruch

Donatus Düsterhaus: Zwischen Region und Nation – Die protestantische Kirchenorganisation im Elsass 1802–1871

Willibald Rosner: Kommentar

12.50–14.20 Mittagspause

14.20–15.30 Panel III: Adel und Staat

Tatjana Tönsmeyer: Staat, Adel und ländliche Gesellschaft. Zum Vorrücken des Staates in die Fläche am Beispiel von Böhmen und England

Josef Löffler: Das Verhältnis zwischen Grundherrschaft und Staat in der Habsburgermonarchie am Beispiel Niederösterreichs

Thomas Winkelbauer: Kommentar

15.30–16.00 Kaffeepause

16.00–17.00 Keynote
Dirk van Laak: Infrastrukturgeschichte: Neue Perspektiven auf Raum und Zeit?

17.00–17.40 Podium zu Infrastrukturpolitik
Moderation Oliver Kühschelm

19.00 Empfang für Vortragende mit freundlicher Unterstützung von Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner

Mittwoch, 3. Juli

9.00–9.10 Einstieg

9.10–10.20 Panel IV: Drang zum Staat?

Clemens Tangerding: Der Drang zum Staat – Würzburg um 1800

Waltraud Schütz: Hilfe für Abgebrannte, ländliche Feste und patriotische Gaben. Wohltätiges Engagement von Frauen

Therese Garstenauer: Kommentar

10.20–10.50 Kaffeepause

10.50–12.00 Panel V: Kommunale Handlungsspielräume

Norbert Franz: Die Macht des „letzten Rädchens“ – Landgemeinden in Frankreich und Luxemburg

Thomas Buchner: Kommunale Finanzen und Staatsbildung. Niederösterreich, ca. 1850–1914

Margareth Lanzinger: Kommentar

12.00–12.30 Kaffeepause

12.30–13:40 Panel VI: Zivile Netzwerke

Patrick Kury: Aufbruch und Stillstand einer bürgerlichen Gesellschaft. Basel und die Ambivalenzen der Moderne

Peter Hinterndorfer: Wohltätigkeit, Selbsthilfe und organisierte Geselligkeit – Vereinswesen in Niederösterreich

Stefan Eminger: Kommentar

13.40–14.00 Schlussrunde

Im Anschluss Führung durch die NÖ Landesausstellung 2019 „Welt in Bewegung“

Kaffeepausen auf Einladung der Stadtgemeinde Wiener Neustadt

Kontakt

Mag. Heidemarie Bachhofer

heidemarie.bachhofer@noel.gv.at

Zitation
Beharrung und Wandel. Niederösterreich im 19. Jahrhundert, 01.07.2019 – 03.07.2019 St. Pölten, in: H-Soz-Kult, 11.06.2019, <www.hsozkult.de/event/id/termine-40552>.