Frankfurter Sommerkurs zur Geschichte der Frühen Neuzeit: Körperlichkeit und Sexualität im Zentrum der Macht. Neue Ansätze zur Erforschung des Fürstenhofes

Ort
Frankfurt am Main
Veranstaltungsort
Goethe-Universität Frankfurt am Main, Campus Westend
Veranstalter
Prof. Dr. Birgit Emich, Goethe-Universität Frankfurt am Main
Datum
23.09.2019 - 26.09.2019
Bewerbungsschluss
31.07.2019
Von
Birgit Emich

„Die zwei Körper des Königs“, so der Titel einer berühmten Studie von 1957, gelten seit den grundlegenden Arbeiten von Ernst Kantorowicz als zentrale Denkfigur vormoderner politischer Theorie: Der natürliche, sterbliche Körper des Königs verweist auf die konkrete Person, die das Herrscheramt ausfüllt, der übernatürliche, unsterbliche Körper des Monarchen steht für die Institution an sich und ihre Dauerhaftigkeit. In dieser Differenzierung frühneuzeitlicher Juristen hat Kantorowicz die Trennung von Funktion und Person an der Spitze der Herrschaft nachgezeichnet und darin die Entstehung des modernen Staates erkannt. Was ihn hingegen nicht interessiert hat, sind jene Fragen an den Körper, mit denen sich aktuelle Ansätze der Körpergeschichte und der Geschichte der Sexualität befassen: Fragen nach Gesundheit und Krankheit des königlichen Körpers, nach dessen unterschiedlichen Lebensphasen vom Säuglingsalter bis zum Tod und auch nach der Sexualität des Herrschers und seines Umfelds.
Der Sommerkurs möchte die klassischen Paradigmen zur politischen Geschichte des Hofes mit den innovativen Ansätzen der Körper- und Sexualitätsgeschichte verbinden. Im Mittelpunkt sollen hierbei neue Perspektiven in der Erforschung des frühneuzeitlichen Fürstenhofes stehen: in Vorträgen ausgewiesener ExpertInnen, die bereits einschlägige Arbeiten zum Thema vorgelegt haben, aber auch in Seminarsitzungen mit gemeinsamer Quellenarbeit sowie bei der Diskussion aktueller Forschungsprojekte, die die Teilnehmerinnen und Teilnehmer bei Bedarf und Interesse präsentieren können.
Der Sommerkurs richtet sich an Frankfurter Studierende, die diese Veranstaltung als reguläres Seminar zur Neueren Geschichte belegen können. Gleichzeitig steht der Kurs Promovierenden und Postdocs aus Frankfurt und von anderen Universitäten offen, die ein einschlägiges Projekt verfolgen oder sich schlicht für das Thema interessieren. Sie werden aufgefordert, sich um die Teilnahme an diesem Kurs zu bewerben. Falls Interesse an einer Projektpräsentation besteht, schildern Sie bitte kurz Ihr Forschungsvorhaben. Die Teilnahme am Kurs ist kostenfrei, Reisekosten o.ä. können leider nicht übernommen werden.
Ihre Bewerbung schicken Sie bitte bis zum 31. Juli 2019 an: emich@em.uni-frankfurt.de

Ein Reader mit grundlegender Literatur zum Thema wird den TeilnehmerInnen rechtzeitig zur Verfügung gestellt.

Referenten und Referentinnen
Dr. Nadine Amsler, Bern/Frankfurt am Main
Dr. Pascal Firges, DHI Paris
Dr. Regine Maritz, Bern/DHI Paris
Dr. Christian Mühling, Würzburg/Ober-Ursel
Dr. Tom Tölle, Hamburg

Programm

I. Einleitung: Grundlagen der Hofforschung (Birgit Emich, Frankfurt am Main)
- Von Norbert Elias zur Verflechtungsgeschichte
- Zeremoniell und symbolische Kommunikation
- Von den „zwei Körpern des Königs“ zur Körpergeschichte des Hofes

II. Kindheit, Krankheit, Tod
- Ammenwesen und Milchverwandtschaft (Nadine Amsler, Bern/Frankfurt am Main)
- Der Tod des Monarchen (Tom Tölle, Hamburg)

III. Sexualität und Herrschaft
- Ehe und Maitressentum (Pascal Firges, DHI Paris)
- Geschlechterverhältnisse am Württembergischen Hof (Regine Maritz, Bern/DHI Paris)
- Homosexualität am Hof (Christian Mühling, Würzburg/Ober-Ursel)

IV. Laufende Forschungen

V. Bilanz

Kontakt

Prof. Dr. Birgit Emich
Professur für Geschichte der Frühen Neuzeit
Norbert-Wollheim-Platz 1
60629 Frankfurt am Main

emich@em.uni-frankfurt.de

Zitation
Frankfurter Sommerkurs zur Geschichte der Frühen Neuzeit: Körperlichkeit und Sexualität im Zentrum der Macht. Neue Ansätze zur Erforschung des Fürstenhofes, 23.09.2019 – 26.09.2019 Frankfurt am Main, in: H-Soz-Kult, 18.06.2019, <www.hsozkult.de/event/id/termine-40568>.