Ort
Köln
Veranstaltungsort
Apostelnkloster 13–15, 50672 Köln
Veranstalter
Arbeitskreis Text und Textlichkeit, Fritz Thyssen Stiftung
Datum
11.07.2019 - 12.07.2019
Von
Hannah von Bülow

Nachdem die Hermeneutik lange Zeit als geisteswissenschaftliche Schlüsseldisziplin galt, hat sie inzwischen in zahlreichen Fachgebieten teilweise massiv an Bedeutung verloren. Nicht wenige verbinden mit ihr einen rigiden Intellektualismus, dem insbesondere für die eminent sinnliche Dimension ästhetischer Phänomene jegliches Feingefühl fehlt. Hinzu kommt, dass selbst in klassischen Textwissenschaften wie der Literaturwissenschaft oder Theologie zunehmend von digitalen Analysemethoden Gebrauch gemacht wird, die mit der traditionellen hermeneutischen Auslegung von Texten kaum noch etwas gemein haben.

Entwicklungen wie diese werfen die Frage auf, welchen Stellenwert die Hermeneutik im 21. Jahrhundert noch für sich geltend machen kann. Ist das »Paradigma der Interpretation« tatsächlich an sein Ende gelangt, wie verstärkt zu hören ist? Oder zeugen die aktuellen Debatten über »alternative Fakten«, »Big Data« oder das »Ende der Postmoderne« nicht im Gegenteil von einer anhaltenden Aktualität und Notwendigkeit der Hermeneutik?

Das Kolloquium diskutiert diese Fragen aus der Perspektive der Literatur- und Rechtswissenschaft, der Philosophie und Theologie sowie der Sozial- und Geschichtswissenschaft. Verhandelt werden dabei sowohl kritische Positionen als auch Ansätze, die der Hermeneutik weiterhin einen zentralen Stellenwert beimessen.

Anmeldung unter: https://fts.veranstaltungs-anmeldung.de/

Programm

│Donnerstag, 11.07.2019

11:15 Uhr
Christoph Markschies (Berlin): Begrüßung und Einführung

11:30 Uhr
Oliver Lepsius (Münster): Rechtswissenschaft und Hermeneutik – ein schwieriges Verhältnis

12:45 Uhr
Mittagsimbiss

13:45 Uhr
Steffen Martus (Berlin): Hermeneutische Vorlieben? Zum Verhältnis von Überzeugungen und Praktiken im geisteswissenschaftlichen Umgang mit Texten

15:00 Uhr
Kaffeepause

15:30 Uhr
Jan Söffner (Friedrichshafen): Erzählen als Methode der Kulturwissenschaften

16:45 Uhr
Philipp Stoellger (Heidelberg): Hermeneutik am Ende oder am Ende Hermeneutik? Möglichkeitsbedingungen einer Hermeneutik angesichts ihrer Kritik

18:00 Uhr
Imbiss

18:30 Uhr
Christoph Markschies (Berlin): Sehnsucht nach Eindeutigkeit: Chancen und Gefahren einer Hermeneutik nach dem Ende der Postmoderne

19:30 Uhr
Empfang

│Freitag, 12.07.2019

09:30 Uhr
Gabriele Gramelsberger (Aachen): Hermeneutik der Maschinen

10:45 Uhr
David Kaldewey (Bonn): Von den Laborstudien zur Bibliometrie: Die anti-hermeneutischen Fundamente der Wissenschaftsforschung

12:00 Uhr
Mittagsimbiss

13:00 Uhr
André Krischer (Münster): Materielles Recht oder: Wie am englischen Kanzleigericht des 18. Jahrhunderts Entscheidungen hergestellt wurden

14:15 Uhr
Julika Griem (Essen) und Christoph König (Osnabrück): Podiumsdiskussion (Moderation: Andreas Kablitz)

Kontakt

Mark Halawa-Sarholz

Fritz Thyssen Stiftung Arbeitskreis Text und Textlichkeit Apostelnkloster 13-15 50672 Köln

Mark.Halawa-Sarholz@fritz-thyssen-stiftung.de

Zitation
Hermeneutik unter Verdacht, 11.07.2019 – 12.07.2019 Köln, in: H-Soz-Kult, 14.06.2019, <www.hsozkult.de/event/id/termine-40570>.