Sammlungen an Kunsthochschulen. Speichern und Vermitteln

Ort
Dresden
Veranstalter
Hochschule für Bildende Künste Dresden
Datum
06.11.2019 - 08.11.2019
Bewerbungsschluss
15.10.2019
Von
Sandra Mühlenberend

Sammlungen an Kunsthochschulen sind eng mit dem Machen von Kunst verbunden. Idealerweise handelt es sich in vielen Fällen um aktive Sammlungen, die sich ständig vermehren und deren Grenzen in ständiger Bewegung sind. Sie wandeln ihre Erscheinung. Werke verschwinden für unbestimmte Zeit im Depot; neuerworbene tauchen dafür auf. Laut Boris Groys, verändert jede Verschiebung den Blick auf das Ganze, eine Linearität lässt sich nicht erkennen; alles in allem zielt jedes Kunstwerk/Objekt auf seine Musealisierung. Jede Sammlung einer Kunsthochschule ist mit deren Geschichte verbunden. Zum einen wurden Objekte als Lehr- und Anschauungsmaterial angesammelt. Mal mehr und mal weniger fanden/finden auch Ergebnisse der Lehre und Forschung seit Gründungen der europäischen Kunstakademien Aufnahme in die Archiv- und Kustodieräume, stets in Abhängigkeit differenzierter Hochschulordnungen, persönlicher Interessen und Engagements sowie unterschiedlicher Nutzungsabsichten. Noch bis ins 20. Jahrhundert hinein war es üblich, Referenz-, Beleg- und Studiensammlungen anzulegen und diese in der Lehre einzusetzen. Nach 1945 änderte sich dies vielerorts, auch vor dem Hintergrund, dass kriegsbedingt viele Sammlungen zerstört waren bzw. die Neuausrichtungen der Hochschulen sowie Neugründungen den vorgängigen akademischen Lehrkonzepten mit ihren teils statischen Unterrichtsformen eine Absage erteilten. Lassen sich gerade für das 19. Jahrhundert Ähnlichkeiten zwischen den Sammlungen an Kunstakademien erkennen, differenzierten sich diese im 20. Jahrhundert aus, um letztlich in einigen Kunsthochschulen geschlossen, vergessen und abgewickelt oder gänzlich musealisiert/archiviert zu werden. Dies scheint der Grund, warum bisher die verbliebenen, aber auch die aktiven Sammlungen an Kunsthochschulen kaum im Fokus der Bemühungen um Neubelebungen universitärer Sammlungen stehen. Das Feld ist disparat und nach wie vor unübersichtlich, wenngleich sich vielerorts Kunsthochschulen ihres Erbes besinnen – oft in Verbindung mit Hochschuljubiläen oder mit dem verstärkten Interesse an der materiellen Kultur, das mit der Befragung von Lehrenden und Studierenden auf eigene, ganz nah liegende Speicherorte trifft. Des Weiteren ist erkennbar, dass einige Kunsthochschule bewusst neue Sammlungsschwerpunkte eröffnen und diese gezielt, beispielsweise in Form von Materiallabors, für Lehre und Forschung einsetzen. Die internationale Tagung „Sammlungen an Kunsthochschulen. Speichern und Vermitteln“ nimmt erstmalig Sammlungen an europäischen Kunsthochschulen in den Blick, ausgehend von der Frage, welche Hintergründe und welchen Stellenwert sie in den einzelnen Hochschulen haben, inwieweit das Speichern von künstlerischen Lehr- und Forschungsergebnissen praktiziert wird und hiernach eine Rückwirkung auf die Lehre erfolgt. Ziel ist eine Bestandsaufnahme, um die reichhaltigen Potenziale der Sammlungen für Lehre, Forschung und Öffentlichkeit auszuloten, um etwaige Tendenzen zur Musealisierung zu hinterfragen und ihre Erhaltung sowie Anreicherung zu diskutieren. Die Annäherung erfolgt zuerst über Sammlungshintergründe an Kunsthochschulen in Befragung des historisierenden und des zufälligen Sammelns. Hieraus ergeben sich Fragen zu Lehrpotenzialen von Sammlungen an Kunsthochschulen. Welche Nutzungsmöglichkeiten gibt es bzw. werden angestrebt? Lehre an Kunsthochschule steht immer in Verbindung mit Forschung, ist doch die Auseinandersetzung mit Kunst und ihre Entstehung im höchsten Grade mit Beforschung des Selbst, der Umwelt, der Materialien und vorgängigen Kunst sowie Kunsttheorie verbunden. Im Panel „Forschungspotenziale“ stehen die interdisziplinären Zugänge und Forschungsmöglichkeiten im Zentrum – jeweils auf den Ebenen von Kunst, Natur- und Geisteswissenschaften. Widmen sich die ersten drei Panels besonders den internen Zu- und Umgängen, sollen mit dem letzten Panel „Öffentlichkeit“ die Möglichkeiten externer Sammlungsvermittlung diskutiert werden. Sammlungen an Kunsthochschulen können „Licht auf das Machen“ projizieren, erkenntnisreiche und attraktive Zeugnisse kreativen Schaffens und Forschens enthalten, wertvolles Kulturgut darstellen bzw. mit der Zeit zu wertvollem Kulturgut werden. Daher können öffentliche Präsentationen nicht nur zur Wissensvermittlung von Kunstproduktionen beitragen, sondern auch ihren Schutz, ihre Erhaltung bedeuten. Im Zuge der Tagung wird die Anatomische Sammlung der Hochschule für Bildende Künste neu eröffnet. Ihre Geschichte zeigt beispielhaft den Weg der Etablierung einer Sammlung an einer klassischen Kunstakademie des 19. Jahrhunderts, ihr stetiges Wachsen, ihren Bedeutungsverlust, das annähernde Vergessen und den Wunsch nach Wiederbelebung und die Umsetzung.

Programm

06.11.2019 / Aktsaal der HfBK Dresden / Brühlsche Terrasse 1

13:00 Uhr Anmeldung zur Tagung

13:30 Uhr Begrüßung / Matthias Flügge (Rektor der HfBK Dresden)
Einführung / Dr. Sandra Mühlenberend (Leiterin Projekt „Körper und Malerei“)

I. SAMMLUNGSHINTERGRÜNDE / Moderation: Prof. Dr. Kristin Marek

14:00 Prof. Dr. Bettina Uppenkamp / Dr. Andrea Klier Was ist ein lebendiges Archiv an einer Kunsthochschule? Überlegungen zu historischen Fotografien und Vorlagenblättern der HfbK Hamburg

14:45 Julia Blume Einblicke-Aussichten. Die Sammlung fotografischer Diplomarbeiten (1955-1990) an der HGB Leipzig und ihr Potenzial für die Forschung, Lehre sowie für Ausstellungen

15:30 KAFFEEPAUSE

16:00 Kathleen Rosenthal Zwischen Auftrag und Eigensinn. Die Gemäldesammlung der HfBK Dresden

16:45 Alice Thomine-Berrada The impossible museum? The collections of the École des Beaux-Arts Paris and their reception

19.00 Uhr Feierliche Eröffnung der Anatomischen Sammlung der HfBK Dresden / Begrüßung: Matthias Fluegge (Rektor HfBK Dresden) / Grußwort: Dr. Christopher Wertz (BMBF) / Einführung: Dr. Sandra Mühlenberend

19.30 Uhr Besichtigung der Anatomischen Sammlung und
Abendempfang

07.11.2019 / Hörsaal der HfBK Dresden / Güntzstraße 34

II. LEHREN MIT SAMMLUNGEN / Moderation Prof. Dr. Angela Matyssek)

9:30 Dr. Julia Hamelmann / Dr. Sandra König Die Kunst- und Designsammlung der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle

10:15 Franziska Müller-Reissmann Das Materialarchiv der Zürcher Hochschule der Künste. Einsatz und Wirkung

11:00 Prof. Ivo Mohrmann / Jakob Fuchs Lehrpotenziale an historischen Präparaten in einer Kunsthochschule

11:45 MITTAGSPAUSE

III. FORSCHEN IN SAMMLUNGEN / Moderation Prof. Dr. Christoph Herm

13:15 Prof. Dr. Ádám Albert A Living Collection: Pedagogical and methodological oppurtunities for teaching drawing and training restorers at the Hungarian University of Fine Arts Budapest

14:00 Esther Rapoport / Dr. Janine Kaden Farb- und Bindemittelanalysen an Gemälden der 1950er Jahre aus der Gemäldesammlung der HfBK Dresden

14:45 Dr. Anastasia Dittmann Universitäre Sammlungen im Kontext erschließen. Die Bildvorlagen- und Modellsammlungen aus dem Archiv der Universität der Künste Berlin

15.30 bis 16.15 Uhr KAFFEEPAUSE

16.30 bis 17.30 Führungen in den Ateliers der Fachklassen

8.11.2019 / Hörsaal der HfBK Dresden / Güntzstraße 34

IV. DAS ÖFFNEN DER SAMMLUNGEN / Moderation Dr. Simone Fugger von dem Rech

9:30 Uhr Dr. Martina Dlugaiczyk Kunst in technischer Hochschule. Die Reiff-Sammlung Aachen

10:15 Uhr Elke Imbery Die Sammlungen der abk Stuttgart. Wege der Veröffentlichung

11:00 KAFFEEPAUSE

11:30 Andrea Domanig Präsentationsformen der Sammlungen an der akdb Wien

12:45 Dominik Bais OpenSource Archive - Ein Projekt an der AdBK München

13.00 bis 13.30 Zusammenfassung der Ergebnisse / Ende der Veranstaltung

Die Tagung findet im Rahmen des Projektes „Körper und Malerei“ der Hochschule für Bildende Künste Dresden statt und ist gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung.
Die Teilnahme ist kostenfrei; die Zahl der Teilnehmer*innen ist jedoch begrenzt

Leitung / Kontakt :
Dr. Sandra Mühlenberend (muehlenberend@hfbk-dresden.de) Verbindliche Anmeldungen zur Tagung bis 15. Oktober 2019 unter: huhn@hfbk-dresden.de

BMBF-Projekt „Körper und Malerei“
Hochschule für Bildende Künste Dresden
Brühlsche Terrasse 1
01067 Dresden
Tel.: +49(0)351 44022840
www.artonomia.de
www.hfbk-dresden.de

Kontakt

Dr. Sandra Mühlenberend

Hochschule für Bildende Künste Dresden
Brühlsche Terrasse 1; 01067 Dresden
+49(0)351 44022840

muehlenberend@hfbk-dresden.de

Zitation
Sammlungen an Kunsthochschulen. Speichern und Vermitteln, 06.11.2019 – 08.11.2019 Dresden, in: H-Soz-Kult, 12.07.2019, <www.hsozkult.de/event/id/termine-40775>.