Demokratisierung des Kunstbetriebs? Transformationsprozesse zwischen Ost und West 1960-1990

Ort
Dresden
Veranstaltungsort
Japanisches Palais, Staatliche Kunstsammlungen Dresden
Veranstalter
Staatliche Kunstsammlungen Dresden
Datum
10.10.2019 - 11.10.2019
Bewerbungsschluss
07.10.2019
Von
Martin Hartung, Norma Ladewig

Wer bestimmt, was in einer Ausstellung hängt? Für wen und von wem soll Kunst gemacht werden? Wie sollen Geld und Aufmerksamkeit verteilt werden? Kann der Kunstmarkt demokratisch sein? Diese Fragen waren in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts zentral, als in der Bundesrepublik Deutschland sowie in der DDR eine Demokratisierung der Kunst und des Kunstbetriebs angestrebt wurde. Unter verschiedenen Systembedingungen erprobten die Akteure die Umsetzung demokratischer Prinzipien wie Freiheit, Gleichheit, Partizipation und Pluralismus. Sie verliehen dem Demokratiebegriff Bedeutung, indem sie ihn in konkrete gesellschaftliche Praxis überführten.

Mit der Tagung sollen die unterschiedlichen Auslegungen und Umsetzungsversuche von Demokratisierung im Kunstbetrieb der Bundesrepublik Deutschland und der DDR historisch vergleichend an konkreten empirischen Beispielen erkundet werden. Der Prozessbegriff der „Demokratisierung“ wird dabei zum einen als politisches Schlagwort historisiert und zum anderen als Analysekategorie für gesellschaftliche Praktiken erprobt. Damit wird nicht nur an ein zeitgeschichtliches Interesse am Demokratiebegriff angeknüpft, sondern auch versucht, die Trennung zwischen west- und ostdeutschen Kunstgeschichten zu überwinden.

Im Rahmen der Tagung werden ausgewählte Dokumente aus dem Archiv der Avantgarden (AdA) der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden gezeigt, das in seiner Sammlung von 1,5 Millionen Objekten eine Vielzahl von Materialien zur Fragestellung der Demokratisierung von Kunst und Kunstbetrieb beherbergt.

Mit freundlicher Unterstützung der Fritz Thyssen Stiftung für Wissenschaftsförderung.

Programm

Auftakt am Donnerstag, 10. Oktober 2019, 18 Uhr, mit dem „Zukunftsforum: Wer schreibt wessen Kunstgeschichte? Wie sieht das demokratische Museum von morgen aus?“ im Rahmen der Ausstellung „Die Erfindung der Zukunft“ im Japanischen Palais mit Prof. Dr. Monica Juneja (Heidelberg), Prof. Dr. Nora Sternfeld (Kassel) und Prof. Dr. Marion Ackermann (Dresden).

Freitag, 11. Oktober 2019

9:30 Begrüßung (Prof. Dr. Gilbert Lupfer, Dresden)
9:45 Einführung (Norma Ladewig, Berlin und Martin Hartung, Zürich)

10:15–12:15
Panel 1: Demokratisierung und Partizipation im Ausstellungsbetrieb
Moderation: Dr. Agnes Matthias (Dresden)

Dr. Christian Saehrendt (Thun): Der Kurator als Diktator. Die provozierende Macht der documenta-Chefkuratoren – Eine Recherche im Kasseler documenta-Archiv

Dr. Angelika Weißbach (Berlin): Künstler als Kuratoren – Die AG Leonhardi-Museum in Dresden (1963-1990)

Paula-Marie Kanefendt, M.A. (Leipzig) und Thomas Land, M.A. (Erfurt): Theorie und Praxis der Demokratisierung anhand des Westberliner Kunstvereins neue Gesellschaft für bildende Kunst (nGbK) von 1969 bis 1990

PD Dr. Edith Raim (Augsburg): Verweigerte Demokratisierung (am Beispiel der Bayerischen Akademie der Schönen Künste)

12:30–13:30 Mittagspause

13:30–15:00
Panel 2: Demokratisierung der Kunstproduktion
Moderation: Prof. Dr. Gilbert Lupfer (Dresden)

Dr. Paul Kaiser (Dresden): Folgenreiche Begegnung. Demokratisierungsmotive von Künstlern und Partizipationschancen von Arbeitern im DDR-Kunstbetrieb der 1960er/70er Jahre

Dr. des. Constanze Fritzsch (Dresden): Gibt es eine Zukunft in der Vergangenheit? Retrogarde Betrachtungen der sozialistischen Utopien

Dr. Björn Egging (Dresden): Trivialgrafik und Massenauflage. Zur künstlerischen Strategie in der Druckgrafik KP Brehmers

15:00–15:30 Kaffeepause

15:30–17:00
Panel 3: Demokratisierung auf dem Kunstmarkt
Moderation: Romy Kraut, M.A. (Dresden)

Martin Hartung, M.A. (Zürich): „Wir betreten den Kunstmarkt“. Zur Erprobung von Demokratie in den Anfangsjahren der Kölner Kunstmesse

Dr. Dorothee Wimmer (Berlin): Niki de Saint Phalle, Yves Klein und die Nouveaux Réalistes: Partizipation als antiautoritäres Demokratisierungsprinzip?

Norma Ladewig, M.A. (Berlin): Freiheit und Gerechtigkeit in den westdeutschen Debatten um die Alterssicherung bildender Künstler in den 1960er und 1970er Jahren

17:00–17:30 Abschlussdiskussion und Resümee

Tagungskonzeption und -koordination: Martin Hartung (ETH Zürich) und Norma Ladewig (FU Berlin) in Kooperation mit der Abteilung Forschung und wissenschaftliche Kooperation der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden.

Veranstaltungsort

Japanisches Palais
Palaisplatz 11
01097 Dresden
Vortragsraum Erdgeschoss

Anfahrt ÖPNV
Straßenbahn Linie 9, Haltestelle Palaisplatz
10 Minuten Fußweg vom Bahnhof Dresden-Neustadt

T +49(0)351 – 49 14 2000
http://www.skd.museum

Um Anmeldung bis zum 7. Oktober 2019 wird gebeten unter FwK@skd.museum.

Kontakt

Norma Ladewig

Freie Universität Berlin
Friedrich-Meinecke-Institut
Koserstr. 20
D-14195 Berlin

norma.ladewig@fu-berlin.de

Zitation
Demokratisierung des Kunstbetriebs? Transformationsprozesse zwischen Ost und West 1960-1990, 10.10.2019 – 11.10.2019 Dresden, in: H-Soz-Kult, 10.09.2019, <www.hsozkult.de/event/id/termine-41127>.
Redaktion
Veröffentlicht am
10.09.2019
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