Verwaltungslogik und kommunikative Praxis. Wirtschaft, Religion und Gesundheit als Gegenstand von Bürokratie in Deutschland 1930-1960

Ort
Heringsdorf
Veranstaltungsort
Seminarzentrum Gut Siggen
Veranstalter
Prof. Dr. Thomas Großbölting; PD Dr. Klaus Große Kracht; ausgerichtet von der Freiherr vom Stein-Gesellschaft e.V. und der Alfred-Toepfer Stiftung
Datum
13.11.2019 - 15.11.2019
Von
Jan H. Wille

Gegenstand des 13. Nassauer Gesprächs soll das konkrete Verwaltungshandeln zentraler deutscher Ministerien und Behörden auf den Feldern Wirtschaft, Religion und Gesundheit in Deutschland in den Jahren 1930 bis 1960 sein. Die Tagung, die vom 13. bis 15. November 2019 auf Gut Siggen stattfinden und von der Freiherr vom Stein-Gesellschaft getragen wird, ist Teil des von der Bundesbeauftragten für Kultur und Medien initiierten Forschungsprogramms zur „Aufarbeitung der NS-Vergangenheit zentraler Behörden“. Ziel der Konferenz ist es, zu thematisieren, auf welche Weise die deutsche Verwaltungsbürokratie die ihr von der Politik zugewiesenen Aufgaben in den drei genannten Feldern für sich definierte, deren Bearbeitung organisierte und praktisch vollzog sowie vor allem: wie sie ihr eigenes Verwaltungshandeln gegenüber den Verwalteten und den jeweiligen Interessengruppen kommunizierte und legitimierte. Das zentrale Erkenntnisinteresse richtet sich bei dieser Sondierung auf die Frage, in welchem Maße und mit welchen Effekten Kontinuitäten, aber auch neue Impulse die Verwaltungspraxis nach innen und außen über die Regimewechsel 1933 und 1945/1949 hinweg prägten. Die Frage nach den Kontinuitäten richtet sich insofern nicht primär – wie es in den Forschungen zu den zentralen deutschen Ministerien während der letzten Jahre häufig der Fall war – auf personelle Konstellationen, sondern zielt eher auf den Bereich der kommunikativen Praxis sowie auf die jeweils dahinterliegende Verwaltungskultur.

Die Ergebnisse des wissenschaftlichen Symposiums werden in einem Sammelband publiziert. Die Veranstaltung findet mit Unterstützung der Alfred-Toepfer-Stiftung im Seminarzentraum auf Gut Siggen in Ostholstein statt. Es handelt sich um einen geschlossenen Teilnehmerkreis.

Programm

Mittwoch, 13. November 2019

19.30 Uhr
Begrüßung & Einführung – Prof. Dr. Thomas Großbölting (MÜNSTER), PD Dr. Klaus Große Kracht (MÜNSTER)

20.00 Uhr
Abendvortrag Prof. Dr. Stefan Fisch (SPEYER) – „Politische Beamte“ und Politisierung der Beamten in Deutschland

Donnerstag, 14. November 2019

Sektion 1: Bürokratien zwischen Plan und Markt – Wirtschaft verwalten

9.30 Uhr
Anna Elbers (MÜNSTER) – Ein Zweckbündnis? Die Dachorganisation der Industrie- und Handelskammern und die staatliche Verwaltung zwischen Nationalsozialismus und DDR

10.00 Uhr
Prof. Dr. Sebastian Teupe (BAYREUTH) – Neue Wirtschaftspolitik, alte Richter. Wettbewerbsregulierung in der frühen Bundesrepublik aus Sicht der Rechtsprechung

10.30 Uhr
Prof. Dr. Dierk Hoffmann (MÜNCHEN) – Der Aufbau der Wirtschaftsverwaltung in der SBZ/DDR – Traditionslinien und Brüche

11.30 Uhr
Kommentar/Diskussion – PD. Dr. Michael C. Schneider (DÜSSELDORF)

Sektion 2: Die Transzendenz im weltlichen Staat – Religion verwalten

15.00 Uhr
Jan H. Wille (MÜNSTER) – Wie selbstverständlich einhalten. Normensetzende Verwaltungspraktiken beim Reichskonkordat nach 1945

15.30 Uhr
Prof. Dr. Fabian Wittreck (MÜNSTER) – Pfadabhängigkeiten des deutschen Religionsrechts von Weimar bis Bonn

16.00 Uhr
Dr. Sascha Hinkel (MÜNSTER) – „Eine weitere Diskussion über diese und ähnliche Fragen dürfte wohl ebenso zeitraubend wie unfruchtbar und ergebnislos sein.“ Die Enzyklika „Mit brennender Sorge“ in der Auseinandersetzung zwischen staatlicher und kirchlicher Verwaltung

17.00 Uhr
Kommentar/Diskussion – Prof. Dr. Christiane Kuller (ERFURT)

20.00 Uhr
Abendvortrag Prof. Dr. Hinnerk Wißmann (MÜNSTER) – Anleitung und Kontrolle: Typologie der Verwaltungsbefugnisse im modernen Rechtsstaat

Freitag, 15. November 2019

Sektion 3: Von Bürgern und Patienten – Gesundheit verwalten

9.30 Uhr
Benedikt Kemper (MÜNSTER) – „Ein ganzes System auf der Anklagebank.“ Öffentliche Unsicherheitswahrnehmung als Katalysator ministerialen Verwaltungshandelns

10.00 Uhr
Dr. Franziska Kuschel (MÜNCHEN) – Gesundheit als umstrittene Bundesaufgabe. Politische Gestaltungsansätze des Bundesministeriums für Gesundheitswesen in den 1960er Jahren

10.30 Uhr
Dr. Annette Hinz-Wessels (BERLIN) – Verwaltungshandeln im Kalten Krieg: Von der inoffiziellen zur offiziellen deutsch-deutschen Kooperation im Gesundheitswesen

11.30 Uhr
Kommentar/Diskussion – Prof. Dr. Malte Thießen (MÜNSTER)

12.30 Uhr
Abschlussdiskussion „Verwaltungslogik und kommunikative Praxis. Wirtschaft, Religion und Gesundheit als Gegenstand von Bürokratie in Deutschland 1930-1960“

Kontakt

Jan.Wille@uni-muenster.de

Zitation
Verwaltungslogik und kommunikative Praxis. Wirtschaft, Religion und Gesundheit als Gegenstand von Bürokratie in Deutschland 1930-1960, 13.11.2019 – 15.11.2019 Heringsdorf, in: H-Soz-Kult, 29.10.2019, <www.hsozkult.de/event/id/termine-41624>.
Redaktion
Veröffentlicht am
29.10.2019
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