Parlons travail! Entgrenzungen von Arbeit und ihre Darstellung

Ort
Aix-en-Provence
Veranstalter
Nicole Colin, Cathrine Teissier
Datum
30.03.2020
Bewerbungsschluss
21.11.2019
Von
Nicole Colin, Catherine Teissier

Arbeiten wir um zu leben oder leben wir, um zu arbeiten? Diese Frage und viele andere stellte 2017 die französische Gewerkschaft CFDT in einer großen Umfrage zum Thema, welchen Platz die Arbeit in der französischen Gesellschaft einnimmt (vgl. https://www.parlonstravail.fr/). Die Studie reagierte nicht zuletzt auf die Tatsache, dass sich das, was noch in den 1970er Jahren als »Normalarbeitsverhältnis« bezeichnet wurde, in den letzten Jahrzehnten in einer sehr grundsätzlichen Weise verändert hat. Ist auf der einen Seite festzustellen, dass immer mehr Menschen in Teilzeit arbeiten und nur befristete Arbeitsverträge erhalten, lässt sich auf der anderen Seite konstatieren, dass sich die Arbeit – etwa in seiner räumlichen, zeitlichen oder motivationalen Dimension – ausweitet. Das, was in der Forschung seit einiger Zeit unter dem Titel »Entgrenzung der Arbeit« diskutiert wird, bezieht sich zumeist auf das ökonomische Phänomen der zunehmenden Deregulierung der traditionellen Grenze zwischen Berufs- und Privatleben: Bislang starr strukturierte traditionelle Arbeitsbedingungen werden aufgebrochen und flexibilisiert und bisher klare Grenzen zu Bereichen wie Freizeit, Familie oder Partnerschaft in vielfacher Hinsicht überschritten bzw. aufgelöst.

Die »Entgrenzung der Arbeit« im Blick auf das Verhältnis von Arbeit und anderen Tätigkeiten, die nach herkömmlichem Verständnis nicht zur beruflichen Arbeit gehören, nimmt letztlich einen entscheidenden Einfluss auf die Vorstellungen, die sich die Menschen von ihrer Arbeit machen. Dass diesbezüglich weltweit erstaunliche Unterschiede zu konstatieren, veranschaulicht beispielhaft das Projekt »Eine Einstellung zur Arbeit« des bekannten deutschen Filmemachers Harun-Farocki (1944-2014), das 2017 im Rahmen einer größeren Ausstellung zu dessen Werk in der »Friche de Belle de Mai« in Marseille präsentiert wurde. Eine interdisziplinäre und internationale Tagung am 30. November und 1. Dezember 2017 an der Universität Aix-Marseille griff dieses Thema auf und stellte es in den weiteren Zusammenhang jener »Entgrenzung der Arbeit«.

Die Beiträge der Tagung werden im Band 80 der Cahiers d’Etudes Germaniques im April 2021 publiziert. Darüber hinaus suchen wir für die Publikation über Fragen der »Entgrenzung von Arbeit« weitere Artikel von Wissenschaftler*innen aller Fachrichtungen, die sich mit der Darstellung von Arbeit im Film, der Literatur und anderen Medien aus ihrer jeweiligen Perspektive beschäftigen. Besonders willkommen sind Beiträge, die das Thema hinsichtlich der sehr unterschiedlichen »Einstellung(en) von Arbeit« in einem deutsch-französischen oder interkulturellen Rahmen thematisieren oder historisch bzw. begriffsgeschichtlich kontextualisieren. Die Artikel können wahlweise in Deutsch oder Französisch eingereicht werden (Abgabe 30.03.2020).

Bitte schicken Sie Ihren Vorschlag (Titel und kurzes Abstract von maximal 1 000 Zeichen) auf Deutsch oder Französisch bis zum 21.11.2019 per Mail an die Herausgeberinnen des Bandes Nicole Colin (nicole.colin-umlauf@univ-amu.fr) und Catherine Teissier (catherine.teissier@univ-amu.fr).

Kontakt

Prof. Dr. Nicole Colin
Aix-Marseille Université
Département d'Etudes Germaniques
29 avenue R. Schuman, 13100 Aix-en-Provence

nicole.colin-umlauf@univ-amu.fr

Zitation
Parlons travail! Entgrenzungen von Arbeit und ihre Darstellung, 30.03.2020 Aix-en-Provence, in: H-Soz-Kult, 08.11.2019, <www.hsozkult.de/event/id/termine-41737>.