Disziplinieren und Strafen. Politische Repression in der DDR und anderen sozialistischen Diktaturen

Ort
Berlin
Veranstaltungsort
Humboldt-Universität zu Berlin
Veranstalter
BMBF-Forschungsverbund "Landschaften der Verfolgung"
Datum
30.01.2020 - 31.01.2020
Von
Robert Kindler

Politische Repression diente insbesondere in sozialistischen Diktaturen dem Machterhalt der Herrschenden. Ihr Vollzug sowie ihre Androhung dienten dabei zwei miteinander verbundenen Zielen: Die direkt Betroffenen sollten bestraft und die Bevölkerungen diszipliniert werden. In den letzten Jahren sind zahlreiche Untersuchungen entstanden, die auf die enorme Bedeutung von politischer Repression für die Stabilität und das Funktionieren der SBZ/DDR hinwiesen. Viele dieser Studien interessierten sich dabei vor allem für die ostdeutsche Binnenperspektive.

Wie aber verändert sich der Blick auf politische Repression in der DDR, wenn sie mit ähnlichen Praktiken in der Sowjetunion und anderen sozialistischen Staaten Ost- und Ostmitteleuropas kon-trastiert und verglichen wird? Wie definierten die unterschiedlichen Regime Osteuropas, was als „politische“ Tat galt und wie veränderten sich im Laufe der Zeit die Kriterien, aufgrund derer Menschen in die Mühlen staatlicher Repressionsapparate gerieten?

Im Rahmen des zweitägigen Workshops sollen in vergleichender Perspektive unterschiedliche Aspekte dieses Themas diskutiert werden.

Programm

Donnerstag, 30.1.2020

13.00-13.30 Uhr: Willkommen und Einführung

13.30-15.00 Uhr Panel 1: Repressive Systeme verstehen

Dr. Markus Mirschel (HU Berlin, BMBF-Forschungsverbund „Landschaften der Verfolgung“): Nexus Angst – Ein Blick auf Verfolger und Verfolgte

Dr. Christian Sachse (UOKG Berlin): Die planmäßige Produktion von Gehorsam im Sozialismus. Techniken zur Disziplinerziehung und ihre Effizienz

Adrian Gallistl (Friedrich-Schiller-Universität Jena, BMBF-Forschungsverbund „Seelenarbeit im Sozialismus“): Gesellschaftliche Ursachen individuellen Leidens am Beispiel der ehemaligen DDR

Kommentar: Dr. Robert Kindler (HU Berlin, BMBF-Forschungsverbund „Landschaften der Verfolgung“)

15.30-17.00 Panel 2: Praktiken und Normen der Haft

Dr. Immo Rebitschek (Friedrich-Schiller-Universität Jena): Die Macht der Normen. Die Disziplinierung des sowjetischen Lagersystems, 1946-1956

Alexander Heinert (FU Berlin, Forschungsverbund SED-Staat): Wurzeln und Traditionen sowjetischer Sonderhaftanstalten in Ostdeutschland

Dr. Tobias Wunschik: (HU Berlin, BMBF-Forschungsverbund „Landschaften der Verfolgung“): „Besserung“ durch „Rotlichtbestrahlung“? Konjunkturen und Zäsuren im Erziehungsstrafvollzug der DDR 1949-89

Kommentar: Dr. Stefan Donth (Gedenkstätte Hohenschönhausen, BMBF-Forschungsverbund „Landschaften der Verfolgung“)

17.15-18.45 Uhr Panel 3: Kriminalisierung und Bestrafung

Dr. Katharina Lenski (Friedrich-Schiller-Universität Jena): Stigma Asozialität. Transnationales zu einem aktuellen Thema

Sebastian Stude (Stiftung Gedenkstätte Lindenstraße Potsdam, BMBF-Forschungsverbund „Landschaften der Verfolgung“): Kriminalität und Kriminalisierung: „Rowdytum“ und „Rowdies“ im Bezirk Potsdam, 1968-1989

Dr. Agnès Arp (Friedrich-Schiller-Universität Jena, BMBF-Forschungsverbund „Seelenarbeit im Sozialismus“): Politisch motivierte Adoption als Disziplinierungsmaßnahme in der DDR?
Definition, Praxis und Hypothesen für eine weitere Forschung

Kommentar: Dr. Helge Heidemeyer (Gedenkstätte Hohenschönhausen, BMBF-Forschungsverbund „Landschaften der Verfolgung“)

Freitag, 31.1.2020

9.00-10.30 Uhr Panel 4: Erinnerung, Aufarbeitung, Wiedergutmachung

Dr. Jonila Godole (Universität Tirana/IDMC-Institut): Das Erbe der kommunistischen Diktatur in Albanien

Prof. Dr. Johannes Weberling (Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder), BMBF-Forschungsverbund „Landschaften der Verfolgung“) Aus der Geschichte (nichts) gelernt. Die juristische Aufarbeitung des SED-Regimes und die Rehabilitierung seiner Opfer

Birgit Neumann-Becker (Beauftrage des Landes Sachsen-Anhalt zur Aufarbeitung der SED-Diktatur) Verhinderte Anerkennung der Opfer. SED-Verfolgte zwischen Lebensbewältigung, Aufarbeitung und DDR-Normalisierung

Kommentar: Prof. Dr. Jörg Baberowski (HU Berlin, BMBF-Forschungsverbund „Landschaften der Verfolgung“)

11.00-12.30 Uhr Panel 5: Abschrecken und Strafen im Spätsozialismus

Prof. Dr. Thomas Lindenberger (Hannah-Arendt-Institut Dresden): Vom „Turbo“ zum „Verdichter“ – oder: Die havarierte Laufbahn eines volkseigenen Chemie-Ingenieurs. Ein Fall von Terrorjustiz in der Honeckerära

Dr. Idrit Idrizi (Universität Wien): Politische Repression im albanischen Spätsozialismus

Ass.-Prof. Dr. Dr. Martin Wieser (Sigmund Freud Privatuniversität Berlin): Die „IM-Arbeit“ der Operativen Psychologie – Fallbeispiel einer mikrototalitären Praxis“?

Kommentar: Dr. Christian Booß (Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder), BMBF-Forschungsverbund „Landschaften der Verfolgung“)

13.30-15.00 Uhr Panel 6: Abrichtung und Disziplinierung

Prof. Dr. Susanne Guski-Leinwand (FH Dortmund, BMBF-Forschungsverbund „Seelenarbeit im Sozialismus“): Psycholog*innen in der DDR: „keine apolitischen Spezialisten“?!

Dr. Felicitas Söhner (Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf): Disziplinierung durch Gewalt in der Wahrnehmung medizinischer und psychologischer Akteure in DDR-Kinderheimen

Prof. Dr. Florian von Rosenberg (Universität Erfurt): Pädagogisierung und politische Repression. Analysen zum DDR-Krippensystem

Kommentar: Prof. Dr. Stefan Röpke (Charité – Universitätsmedizin Berlin, BMBF-Forschungsverbund „Landschaften der Verfolgung“)

15.00-15.30 Uhr: Abschlussdiskussion

Kontakt

Robert Kindler
Humboldt-Universität zu Berlin
Unter den Linden 6
10099 Berlin
robert.kindler@hu-berlin.de

Zitation
Disziplinieren und Strafen. Politische Repression in der DDR und anderen sozialistischen Diktaturen, 30.01.2020 – 31.01.2020 Berlin, in: H-Soz-Kult, 13.01.2020, <www.hsozkult.de/event/id/termine-42197>.
Redaktion
Veröffentlicht am
13.01.2020
Beiträger