Hunger, Nahrungsmangel und Protest in regionaler Perspektive (Themenband "Westfälische Forschungen", Bd. 71/2021)

Ort
Münster
Veranstalter
Michael Hecht
Datum
15.02.2020
Bewerbungsschluss
15.02.2020
Von
Michael Hecht

Nahrungsmangel, Teuerung und Hunger stellten in vielen Zeiten kontinuierlich wiederkehrende Erfahrungen bzw. Bedrohungen für breite Bevölkerungsschichten dar. Bis zum 19. Jahrhundert folgte ein drastischer Anstieg der Lebensmittelpreise oft – etwa in den Jahren 1770/72, 1816/17 und 1846/47 – auf witterungsbedingte Missernten und ließ die Sorge um das „tägliche Brot“ anwachsen. Zudem gehörten Hunger, Entbehrung und Not zu den häufigen Begleit- und Folgeerscheinungen von Kriegen. So gingen der „Steckrübenwinter“ 1916/17 und der „Hungerwinter“ 1946/47 in das kollektive Gedächtnis ein und wurden zu deutschen Erinnerungsorten des 20. Jahrhunderts.
Während Hunger- und Teuerungskrisen in der klassischen Sozial- und Wirtschaftsgeschichte meist mit quantitativen Methoden und im Hinblick auf Kausalitätsmodelle erforscht wurden, haben jüngere kulturgeschichtliche Ansätze weitere Perspektiven eröffnet: Von Seiten der umweltgeschichtlichen Hungerforschung wurde das Wechselverhältnis von naturaler Umwelt und menschlichem Handeln neu beleuchtet. Alltags- und kommunikationshistorische Zugriffe stellten die Frage nach Wahrnehmungsmustern, Deutungsweisen und Bewältigungsstrategien der von Hungerkrisen Betroffenen in den Mittelpunkt. Wissensgeschichtliche Ansätze beschäftigten sich mit der Generierung und Verarbeitung von Informationen in und über Notzeiten. Zudem wurde in etlichen Arbeiten die räumliche Dimension von Hungerkrisen und damit die „Regionalität“ des Phänomens hervorhoben. Ein weiterer Forschungsschwerpunkt liegt in der Beschäftigung mit Unruhen und Aufständen im Kontext von Teuerungskrisen. Solche Formen von kollektivem Protest, die sich gegen die vermeintlichen Profiteure der Not sowie gegen Obrigkeiten richteten, finden sich in verschiedenen Krisenperioden. Sie verweisen auf populäre Gerechtigkeitsvorstellungen und Feindbilder sowie auf die Verknüpfung der Ernährungsproblematik mit anderen gesellschaftlichen Konfliktbereichen.
Erbeten werden Beiträge, die sich mit Aspekten von Nahrungsmangel und Hunger bzw. Hunger und Protest in Westfalen (oder in westfälischen Teilregionen und Orten) beschäftigen. Auch Vergleiche mit anderen Räumen oder konzeptionelle Überlegungen zur Regionalität von Hungerkrisenphänomenen sind möglich. Der Untersuchungszeitraum kann von der Frühen Neuzeit bis zum 20. Jahrhundert reichen. Besonders erwünscht sind Beiträge, die nach regionalen Spezifika bzw. nach den verschiedenen Medien der Verarbeitung von Hunger- und Noterfahrungen fragen.
Bitte richten Sie Ihre Vorschläge für einen Beitrag (max. 500 Wörter) bis zum 15. Februar 2020 an die unten genannte Adresse. Einsendeschluss für die Manuskripte ist der 1.10.2020. Ein Seitenhonorar wird für die gedruckten Aufsätze gezahlt.
Prof. Dr. Michael Hecht, michael.hecht@uni-muenster.de

Kontakt

Michael Hecht

Historisches Seminar
Domplatz 20-22, 48143 Münster

michael.hecht@uni-muenster.de

Zitation
Hunger, Nahrungsmangel und Protest in regionaler Perspektive (Themenband "Westfälische Forschungen", Bd. 71/2021), 15.02.2020 Münster, in: H-Soz-Kult, 31.01.2020, <www.hsozkult.de/event/id/termine-42287>.