An den Rändern der Abbildung - Fotografische Experimente in Kunst, Alltag und Wissenschaft

Ort
Bochum
Veranstalter
Arbeitsgruppe Fotografieforschung der Gesellschaft für Medienwissenschaft im Rahmen der GfM-Jahrestagung 2020
Datum
29.09.2020 - 02.10.2020
Bewerbungsschluss
15.03.2020
Von
Daniel Bühler

An den Rändern der Abbildung - Fotografische Experimente in Kunst, Alltag und Wissenschaft
(Panel der Arbeitsgruppe Fotografieforschung der Gesellschaft für Medienwissenschaft im Rahmen der GfM-Jahrestagung 2020)

Historisch ist mit den verschiedenen fotografischen Verfahren ein Abbildungsanspruch verbunden – das mimetische Versprechen bzw. die Ikonizität der Fotografie. Dieser wird zudem durch die, wie auch immer problematische und komplexe, Indexikalität des fotografischen Bildes grundiert. Fotos waren wichtige Werkzeuge für die Identifikation von Entitäten aller Art – in diversen wissenschaftlichen, polizeilichen und privaten Praktiken. Mit Fahndungsfotos wurden Täter gesucht, auf Familienfotos das Familienleben dokumentiert und in den Wissenschaften Spuren von Phänomenen für zukünftige Auswertungen festgehalten.
Doch im Wort ‚Auswertung‘ liegt auch ein Problem: Trotz aller Ikonizität und Indexikalität ist oft nur unter kontrollierten Bedingungen und mit kontextualisierenden Informationen interpretierbar, was ein fotografisches Bild eigentlich zeigt. Oft ist man mit Bildern an den Rändern der Abbildung befasst, denen durch mühsame Prozeduren abgerungen werden muss, was sie eigentlich zeigen. Fotografien sind, wie Peter Geimer dargelegt hat, „Bilder aus Versehen“, die erst durch die Interpretation einer chemischen Aufzeichnung in ein Bild transformiert werden. Die Fotografiegeschichte ist in dieser Hinsicht immer, aber vor allem im 19. Jahrhundert, eine Geschichte des Experimentierens mit den chemischen Verfahren, mit der Ausdehnung dessen, was sichtbar gemacht werden kann, so wie mit der Frage, was sichtbar wird.
Dieses Ringen mit der Fotografie ist nicht nur in der wissenschaftlichen Bildpraxis zu finden. Künstler*innen haben schon immer die Abbildungsfunktion, ihre Kontext- und Gestaltungsabhängigkeit durch experimentelle Strategien in Frage gestellt und verfremdet. Zudem sind zahllose Fotos von UFOs, Monstern und solche, die beweisen sollen, dass Elvis doch noch lebe, unaufhörlichen populären Exegesen und Interpretationspraktiken ausgesetzt – so werden etwa experimentelle Anordnungen erdacht, um zu zeigen, dass ein vermeintliches UFO-Foto in Realität ein verwischtes Straßenschild zeigt (siehe Wieder, Irwin (1993): The Willamette Pass Oregon UFO Photo Revisited) – und in zeitgenössischen experimentellen kommunikativen Prozesses werden Fotografien aufgegriffen, um sie z.B. als Memes wieder auftreten zu lassen.
In diesen Experimentalanordnungen steht stets auf dem Spiel, was eine ‚Abbildung‘ eigentlich ist. Dementsprechend beinhaltet ein fotografisches Experiment nicht nur die Frage nach der Abstraktion, sondern auch nach dem, was das Konkrete sein kann.

Im Anschluss an die experimentelle Gestaltung der Tagung versammelt das Panel sowohl Beiträge, die aus traditionellen Vorträgen bestehen, als auch Beiträge, die praktische Präsentationen oder gemeinsames Arbeiten an einem (fotografischen) Material beinhalten. In dem Zusammenhang sind explizit Vorschläge, die den Bereichen der Kunst, der Populärkultur und/oder Wissenschaft zugeordnet werden können, erwünscht.

Folgende Themenbereiche sind unter anderem möglich:
- Welche unterschiedlichen Formen des Experimentierens mit dem Medium Fotografie gibt es und was sind deren soziale, technische, materielle und ästhetische Einsätze und Bedingungen?
- Welche Felder des Experimentierens in Kunst, Wissenschaft, Technik und Populärkultur lassen sich unterscheiden?
- Inwiefern verändern sich die Handhabung und Interpretation von Fotografie, wenn diese nicht als Dokument, sondern als Experiment betrachtet wird?
- In welchen Formen, Konstellationen und Kontexten treten fotografische Experimente auf, welchen Regeln und Regelmäßigkeiten folgen sie dabei, welche Praktiken modifizieren sie, was leisten sie, was erschweren oder verweigern sie?
- Wie hängen heutige und historische Praktiken fotografischen Experimentierens zusammen?

Organisatorisches:
Das Panel soll auf der Jahrestagung 2020 der Gesellschaft für Medienwissenschaft (Thema: Experimentieren), im Zeitraum 29. September bis 2. Oktober 2020, an der Ruhr-Universität Bochum stattfinden: https://gfm2020.blogs.ruhr-uni-bochum.de/

Wir bitten um Vorschläge für 20-minütige Beiträge. Ein Panel umfasst drei bis vier Beiträge. Vorschlagstexte dürfen max. 2000 Zeichen (inkl. Leerzeichen) umfassen (technische Obergrenze).

Zusätzlich reichen Sie bitte eine ausformulierte Kurzbiographie zur Verwendung im Tagungsprogramm ein, die akademischen Titel, gegenwärtige Tätigkeit und Arbeitsschwerpunkte enthält und max. 300 Zeichen (inkl. Leerzeichen) umfasst (ebenfalls Obergrenze).

Einreichungen bitten wir bis zum 15.03.2020 zu senden an:
Jens Schröter (schroeter@uni-bonn.de)
Daniel Bühler (d.buehler@b-tu.de)

Wir freuen uns auf Ihre Einsendungen!

Kontakt

Daniel Bühler

Brandenburgische Technische Universität

d.buehler@b-tu.de

Zitation
An den Rändern der Abbildung - Fotografische Experimente in Kunst, Alltag und Wissenschaft, 29.09.2020 – 02.10.2020 Bochum, in: H-Soz-Kult, 21.02.2020, <www.hsozkult.de/event/id/termine-42578>.
Redaktion
Veröffentlicht am
21.02.2020
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