Temporalität und die antike Stadt

Ort
online
Veranstalter
Institut für Klassische Archäologie und Christliche Archäologie/Archäologisches Museum der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster; Institut für Klassische Altertumskunde / Abteilung Klassische Archäologie; Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
Datum
08.05.2020
Von
Feuser, Stefan

In den Geistes- und Sozialwissenschaften werden Raum und Zeit nicht mehr als gegebene Entitäten aufgefasst, sondern als soziale Konstrukte. Während Raum dabei als zentrale Analysekategorie in die altertumswissenschaftliche Forschung Einzug gehalten hat und auf dieser Basis wichtige neue Erkenntnisse zu antiken Stadträumen erzielt worden sind, ist Zeit deutlich weniger Aufmerksamkeit entgegengebracht worden. Dabei ist Temporalität – verstanden als soziale und kulturelle Vorstellungen und Wahrnehmungen von Zeit – ein Hauptmerkmal von Städten und urbanen Räumen (Wunderlich 2013). Die soziale Wahrnehmung von Zeit in Städten ist ortsabhängig und intersubjektiv. Die kulturelle Vorstellung von Zeit äußert sich unter anderem in der Gestaltung und Nutzung urbaner Räume.

Der Workshop „Temporalität und die antike Stadt“ stellt Zeit als Kategorie zur Analyse antiker Städte und urbaner Räume in den Vordergrund. Grundsätzlich wird es darum gehen, den Rhythmen von und der subjektiven und ortspezifischen Zeit in antiken Städten und Stadträumen nachzugehen. Nicht im Vordergrund stehen werden Fragen zur Epocheneinteilung, Systeme antiker Zeitmessung oder Kalendersysteme. Vielmehr sollen der Umgang mit Baubrachen und Ruinen und ihre jeweilige Bedeutung für die Wahrnehmung von Zeit in den Blick genommen werden; es sollen die unterschiedlichen Rhythmen von städtischen Räumen wie Platzanlagen, Heiligtümern, Zuschauerbauten und Thermenanlagen nachgezeichnet werden; es soll untersucht werden, wie sich Temporalität in der städtischen Architektur z. B. im Baudekor oder in der Nutzung von Innenräumen ausdrückte.

Grundlegend sind dabei folgende Fragen:
- Wie und an welchen Orten äußert sich Temporalität in der antiken Stadt?
- Wie und wo wurde Temporalität bewusst eingesetzt und inszeniert?
- Was waren die zeitlichen Rhythmen von einzelnen Räumen innerhalb einer Stadt?

Programm

10 Uhr Begrüßung und theoretische Hinführung
Stefan Feuser, Kiel

11 Uhr Der gebaute Raum und die erlebte Zeit. Zur ortsspezifischen Temporalität hellenistischer Agorai
Barbara Sielhorst, Berlin

12 Uhr Mittagspause

13 Uhr Zwischen Ruine und Routine: zeitliche Implikationen antiker Stadtbrachen
Julian Schreyer, Erlangen

14 Uhr 'Primus war hier.' Überlegungen zu Zeitebenen im Wohnraum am Beispiel pompejanischer Graffiti
Polly Lohmann, Heidelberg

15 Uhr Kaffeepause

15.15 Abschlussdiskussion

Der virtuelle Veranstaltungsraum ist unter https://zoom.us/j/149128469 (ZOOM Meeting-ID: 149 128 469) unter Eingabe des Passworts 080520 zu erreichen.

Die Teilnahme am Workshop ist frei. Um die benötigten technischen Kapazitäten abschätzen zu können, wird um eine Anmeldung an feuser@klassarch.uni-kiel.de gebeten.

Kontakt

Stefan Feuser

Johanna-Mestorf-Str. 5, 24118 Kiel

feuser@klassarch.uni-kiel.de

Zitation
Temporalität und die antike Stadt, 08.05.2020 online, in: H-Soz-Kult, 08.04.2020, <www.hsozkult.de/event/id/termine-42850>.