Sinn in der Krise. Kulturwissenschaftliche Beobachtungen zur Covid-19-Pandemie

Ort
Leipzig
Veranstalter
Silke Gülker, Jan Beuerbach, Uta Karstein, Ringo Rösener, Institut für Kulturwissenschaften der Universität Leipzig
Datum
16.06.2020
Bewerbungsschluss
12.07.2020
Von
Silke Gülker, Jan Beuerbach, Uta Karstein, Ringo Rösener

Call for Abstracts
Die Covid-19-Pandemie bestimmt spätestens seit Bekanntgabe von Ausgangsbeschränkungen im März 2020 nicht nur die politische und öffentliche Debatte, sondern sie verändert auch Selbstverständlichkeiten des Alltags. Sie wird als tiefgreifende Krise wahrgenommen – so tiefgreifend, dass schon jetzt von einer Zeit vor und einer Zeit nach Corona die Rede ist.

Krisen wird Vieles zugesprochen: Sie sollen etwa den „wahren Charakter“ eines Menschen zeigen (so ein Zitat von Helmut Schmidt) oder Innovationen und Lernen befördern (so eine Lesart der Organisationsforschung). Wissenschaftlich wurden Krisen als ein Indikator für die neuzeitliche Semantik der Dynamisierung und Beschleunigung gedeutet (so eine These Kosellecks) oder als ein Modus, der immanente Widersprüche einer Gesellschaftsordnung zutage treten lasse (so in Marxens Krisentheorie).

Offensichtlich ist, dass im Kontext der aktuellen Krise viele gesellschaftlich relevante Themen in neuem Lichte verhandelt werden. Die meist ins Private verlagerten Fragen nach Leben und Tod, Gesundheit und Krankheit verbinden sich nun auf gesellschaftlicher Ebene mit Fragen der Versorgungssicherheit und Infrastruktur, der Solidarität und Gleichberechtigung, aber auch mit medizinethischen Dilemmata, wirtschaftlicher Risikofolgenabschätzung und Fragen politischer Resilienz. Auch umfassende Themen wie Klimawandel, Globalisierung, soziale Ungleichheit oder Digitalisierung erhalten in der Krise eine spezifische Färbung. Die Herausforderungen scheinen also nicht einzig im Eindämmen eines neuartigen Erregers zu liegen, sondern auch im Aufbrechen bestehender Deutungsgewohnheiten und eingeübter Praktiken aus ganz unterschiedlichen Bereichen des Lebens. Es ist diese Heterogenität der Themen, die es unmöglich macht, die gegenwärtige Lage mit einer schnellen Gesamtdeutung zu erfassen.
Vor diesem Hintergrund planen wir ein Buch, das einen Teil dieser Facetten der Krise aus kulturwissenschaftlicher Perspektive beleuchtet. Kultur verstehen wir in einem breiten Sinne als Herstellung von Sinn und Bedeutung. Die Covid-19-Pandemie stellt wie auch andere Krisen zuvor in vielfältiger Hinsicht den Common Sense der alltäglichen Lebenswelt in Frage und fordert zur Um- und Neuordnung von Sinn und Bedeutung heraus. Wir fragen nach Beispielen für solche Um- und Neuordnungen. In der Gesamtschau der Beispiele soll das Buch einen Beitrag zum Verstehen der Krise leisten: ihrer Besonderheit und/oder Vergleichbarkeit sowie ihrer Widersprüchlichkeit und/oder Einheitlichkeit.

Dafür freuen wir uns auf Beitragsvorschläge aus dem gesamten interdisziplinären Spektrum der Kultur- und Sozialwissenschaften. Die Beiträge sollen jeweils spezifische Facetten der Krise vertiefen und können sowohl theoretischer als auch empirischer Art sein: ein kulturgeschichtlicher Blick auf frühere Problemlösungsstrategien und historische Krisendeutungsmuster; eine Ethnologie des (neuen) Alltags; eine Analyse der materiellen Kultur der Pandemie; Diskurs- und Bildanalysen des überwältigenden Publikationsgeschehens oder auch Beobachtungen zur Neusortierung von Sinnkonstruktionen im sozialen Feld. Wie gerät Sinn in die Krise – wie ergibt sich Sinn aus der Krise? Zur Klärung dieser Frage ebenfalls von Interesse sind Aufarbeitungen spezifischer theoretischer Perspektiven etwa philosophischer oder soziologischer Art, die für die aktuelle Lage fruchtbar gemacht werden können.

Wenn Sie Interesse haben, sich an diesem Vorhaben zu beteiligen, schicken Sie bitte eine Skizze Ihres Beitrages (300-500 Wörter) samt einer Kurzbiografie bis zum 12. Juli 2020 an: sinn.der.krise@uni-leipzig.de. Sie erhalten von uns eine Rückmeldung zur Annahme Ihres Beitrages bis zum 31. Juli 2020. Die Frist zur Einreichung der vollständigen Artikel (5.000 bis max. 8.000 Wörter) ist der 31. Oktober 2020. Geplant ist eine Online-Autor/innenkonferenz im November 2020.

Wir freuen uns auf Ihre Beiträge!

Jan Beuerbach, Silke Gülker, Uta Karstein, Ringo Rösener

Kontakt

Universität Leipzig
Institut für Kulturwissenschaften
PD Dr. Silke Gülker
sinn.der.krise@uni-leipzig.de

Zitation
Sinn in der Krise. Kulturwissenschaftliche Beobachtungen zur Covid-19-Pandemie, 16.06.2020 Leipzig, in: H-Soz-Kult, 19.06.2020, <www.hsozkult.de/event/id/termine-43088>.
Redaktion
Veröffentlicht am
19.06.2020
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Land Veranstaltung