Framing Corona. Emotionshistorische Perspektiven auf COVID-19

Ort
Berlin
Veranstaltungsort
Online - via Zoom
Veranstalter
Centre Marc Bloch
Datum
10.07.2020
Von
Sébastien Vannier

Obwohl die Bekämpfung von Pandemien seit den 1990er Jahren ganz oben auf der Agenda der WHO steht und von Seiten der WHO versucht wurde, einheitliche Maßnahmen zur Frühwarnung und Eindämmung von Pandemien durchzusetzen, haben die Regierungen und Gesellschaften auf der Welt sehr unterschiedlich auf diese Pandemie reagiert. Dabei traten gravierende Unterschiede in der Einschätzung der Gefahr, in der Akzeptanz von Freiheitsbeschränkungen und in der Funktionsfähigkeit von Gesundheitssystemen zutage. Nicht zuletzt fällt auf, dass die Regierungen die von ihnen getroffenen Maßnahmen sehr verschieden kommuniziert sowie andere Konzepte und Metaphern von Virusbekämpfung benutzt haben.

Der Vortrag diskutiert mit Blick auf Deutschland, inwiefern die Reaktion auf Corona ein Ergebnis des Umgangs mit und der Bekämpfung von Infektionskrankheiten im 20. Jahrhundert ist. Vor diesem Hintergrund erläutert der Vortrag, in welcher Weise die Corona-Pandemie eine neuartige emotionale Herausforderung darstellt, und stellt zur Diskussion, wie ein anderes Framing von Corona den langfristigen Umgang mit dieser Pandemie und möglichen zukünftigen Pandemien verändern kann.

Diskussion mit Emmanuel Dellile (assoziierter Forscher am Centre Marc Bloch und am Centre documentaire du Centre d’Archives en Philosophie, Histoire et Édition des Sciences (CAPHÉS, ENS-Paris)

Bettina Hitzer studierte Geschichte, habilitierte sich und lehrt an der FU Berlin. Seit 2014 leitet sie eine Forschungsgruppe am Max-Planck-Institut für Bildungsforschung, die sich mit Krankheit als Emotionsgeschichte beschäftigt. Ihre Arbeiten zur Wissens- und Wissenschaftsgeschichte sowie zur Migrations- und Religionsgeschichte wurden 2016 mit dem Walter-de-Gruyter-Preis ausgezeichnet. Sie lebt in Berlin.

Information und Anmeldung : anmeldung@cmb.hu-berlin.de

Programm

Systemrelevant? Was die Krise mit unserer Gesellschaft macht. Deutsch-französische und europäische Perspektiven.

Zurzeit erleben wir eine nie dagewesene globale Gesundheitskrise. Die durch COVID-19 ausgelöste Ausnahmesituation hat unsere gesellschaftliche Ordnung tiefgreifend verändert. Sie beeinträchtigt unser geistiges Wohlbefinden, sie beeinflusst unser soziales Leben, stellt bestehende politische Zusammenhänge infrage und erschüttert unsere Finanzsysteme. Die Verschiebung der Grenzen zwischen privatem und öffentlichem Leben hat die Rolle der Technologie in unserem Alltag intensiviert. Die Krise zwingt uns, unser Verhältnis zur Wissenschaft, aber auch zur Umwelt zu überdenken. Politik, Forschung und Medien versuchen, die Welt nach der Krise zu imaginieren – was von apokalyptischen Prophezeiungen bis hin zum Entwurf ökologischer Utopien reicht. Doch nicht allein die Zukunft, auch die heutigen Auswirkungen der Krise auf unzählige Bereiche unserer Gesellschaften müssen in aller Dringlichkeit reflektiert werden.

In diesem Kontext will das Centre Marc Bloch, deutsch-französisches Forschungszentrum für Geistes- und Sozialwissenschaften, das sich hauptsächlich mit den Transformationen Europas und dessen Platz in einer globalen Welt beschäftigt, seine Debatten einer größeren Öffentlichkeit zugänglich machen: Ein neues, offenes Online-Seminar bringt jeweils Forscherinnen und Forscher aus unterschiedlichen Disziplinen – wie der Geschichte, der Philosophie, der Soziologie, den Politikwissenschaften, der Anthropologie, den Kulturwissenschaften oder den Gesundheits- und Umweltwissenschaften – zu thematischen Diskussionen zusammen, um die Auswirkungen der Pandemie auf unsere Gesellschaften in medias res zu beleuchten. Hierbei sind wir davon überzeugt, dass die Vergangenheit zum Verständnis der aktuellen Situation beitragen kann, unabhängig davon, ob diese außerordentlich ist oder sich in eine lange Dauer einschreibt, ob sie unsere gesellschaftlichen und politischen Strukturen verfestigt oder umwälzt oder ob sie tatsächlich zu einer Neubewertung dessen führt, was als „wesentlich“ oder „relevant“ für die Gesellschaft begriffen wird. Gesellschaftsanalyse in Krisenzeiten mithilfe der Geistes- und Sozialwissenschaften kann so zum Verständnis dessen beitragen, was mit uns geschieht, und uns dabei helfen, die sich aufdrängenden gesellschaftlichen Veränderungen einzuschätzen.

Kontakt

noa.levin@cmb.hu-berlin.de

Zitation
Framing Corona. Emotionshistorische Perspektiven auf COVID-19, 10.07.2020 Berlin, in: H-Soz-Kult, 03.07.2020, <www.hsozkult.de/event/id/termine-43180>.
Redaktion
Veröffentlicht am
03.07.2020
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