Public Istanbul – Die Stadt und ihre Räume der Öffentlichkeit

Ort
Weimar
Veranstalter
Prof. Dr. Frank Eckhardt Dr. Kathrin Wildner Europäische Urbanistik, Bauhaus Universität Weimar
Datum
20.01.2007 - 21.01.2007
Bewerbungsschluss
01.06.2006
Von
Wildner, Kathrin

In den Diskussionen um die idealtypische „europäische Stadt“ wird neben der historischen Entwicklungen vom Mittelalter bis zur Moderne, der gebauten Form und spezifischer sozialer, politischer wie ökonomischer Institutionen, der öffentliche Raum als ein zentrales Merkmale betont. Die Debatten drehen sich um die Entstehung und Erfahrung einer bürgerlichen Öffentlichkeit, den damit verbundenen urbanen Orte, aber auch um den möglichen Verlust dieser öffentlichen Räume.
Unter Parametern der Polarisierung von Öffentlichkeit und Privatheit hat der ideale öffentliche Raum etwas Gemeinschaftliches, ist kommunal und für jeden zugänglich. Die Dynamik öffentlicher Räume wird jedoch gerade durch Mechanismen des Ausschluss, der Aneignung und Zugänglichkeit bestimmt. Es ist ein Raum der Differenz, Sichtbarkeit und Repräsentation. In dem kontinuierlichen Aufein-andertreffen und Aushandeln von unterschiedlichen Interessen und auch wider-sprüchlichen Bedeutungszu-schreibungen zeigt sich ein gesellschaftliches Potential der Protagonisten und Akteure.
Der öffentliche Raum kann als eine Arena sozialer, kultureller und politischer Transformationsprozesse betrachtet werden, die sich an konkreten urbanen Orten manifestieren. Diese Orte können beispielsweise Strassen, Märkte, Shopping Malls, Versammlungsorte oder Medien sein.
Öffentlichen Raum verstehen wir demnach in der seiner Komplexität als morphologische Struktur, als kulturellen und sozialen Raum und als politische Öffentlichkeit im Sinne einer öffentlichen Sphäre.

Forschungsfeld Istanbul
Istanbul ist seit der Antike eine der bedeutendsten Städte auf dem europäischen Kontinent, ein Zivilisationszentrum, das Merkmale der „europäischen“ und „osmanischen“ Stadt vereint. Im 20. Jahrhundert zeichnet sich die Metropole Istanbul durch ein dichtes Nebeneinander von Globalisierung und Lokalisierung, von Moderne und Tradition aus. Als Folge einer starken Binnenwanderung seit den 1970er Jahren wuchs die Stadt zu einer Metropole mit 13 Mil. Einwohner auf 5500 qm km Fläche beidseits des Bosporus. Trotz einer Reihe von Masterplänen zur Kontrollierung der Stadtentwicklung, wächst sie vielmehr spontan, provisorisch und informell. Als Industrie- und Dienstleistungsstadt in globaler Konkurrenz vereint Istanbul Phänomene der Modernisierung, Globalisierung und Informalisierung. Das gleichzeitige Nebeneinander extremer Ungleichheit betrifft sowohl den Zugang zu globalisierten Aktivitäten als auch den Wandel des physischen Raumes und ist somit eine Quelle der kulturellen Konflikte um die Definition von Lokalität und Identität. Diese Entwicklungen manifestieren sich im urbanen Raum, beispielsweise in der Restaurierung der Altstadt oder in aktuellen Umstrukturierungsplänen ehemaliger Hafenanlagen und Uferzonen.
Anders als in westeuropäischen Städten, in der mit der Aufklärung eine bürgerliche Öffentlichkeit und zugehörige Räume entstanden, gab es in der osmanischen und türkischen Stadt eine komplexe Sequenz von nachbarschaftlichen, religiösen und ökonomischen Räumen, die unterschiedliche Öffentlichkeiten betrafen. Im Zuge der Stadtentwicklung und Modernisierung gibt es in Istanbul eine zunehmende Diskussion um die Rolle und Bedeutung von öffentlichen Räumen, als sozialer und politischer Raum oder unter Aspekten der Zugänglichkeit und Gestalt konkreter Orte.

Fragen der Tagung
- Lassen sich Begriffe und Konzepte der idealtypischen europäischen Stadt auf eine Metropole wie Istanbul übertragen?
- Wie lässt sich das Öffentliche als theoretische und analytische Kategorie in der Erforschung der Stadt Istanbul erarbeiten?
- Was sind spezifische Räume der Öffentlichkeit in Istanbul? Welche Form haben öffentliche Räume?
- Wie manifestiert sich Öffentlichkeit als Raum politischer und kultureller Transformationsprozesse?

Ziel von „Public Istanbul“
Das Ziel dieser Arbeitstagung ist es theoretische Ansätze und Forschungserfahrungen zu dem Thema „Public Istanbul“ aus der Perspektive unterschiedlichen Disziplinen zu diskutieren. Es werden WissenschaftlerInnen der Disziplinen Soziologie, Geographie, Ethnologie, Politologie, Geschichte, Stadtplanung, Architektur, Kulturwissenschaften, Kunst sowohl aus dem deutschsprachigen Raum wie auch aus der Türkei eingeladen, um einen Dialog und Austausch zwischen den Disziplinen und den Ländern zu fördern.
Die Tagung versteht sich als ein interdisziplinäres Forum in dem die unterschiedlichen Perspektiven auf die aktuellen Entwicklungen der Stadt Istanbul und ihre Räume der Öffentlichkeit zusammengetragen und gemeinsam weiterführende Forschungsfragen erarbeitet werden sollen. Ausgewählte Beiträge sollen nach der Tagung in Buchform publiziert werden.

Im Vorfeld ist die Einreichung der Vorträge und die Weiterverteilung an alle Teilnehmenden in Form eines Readers geplant, so dass auf dem zweitägigen Symposion anhand kurzer Eingansstatements gemeinsam Thesen diskutiert und weitere Fragestellungen entwickelt werden können.

Einreichung von Abstracts (max. 300 Wörter) in englischer Sprache.
Deadline 1.6.2006

Kontakt

Prof. Dr. Frank Eckhardt
Dr. Kathrin Wildner

Bauhaus Universität Weimar
Bauhaus-Str. 7b
99421 Weimar
Tel. 03643-582646

publicistanbul@archit.uni-weimar.de

Zitation
Public Istanbul – Die Stadt und ihre Räume der Öffentlichkeit, 20.01.2007 – 21.01.2007 Weimar, in: H-Soz-Kult, 30.01.2006, <www.hsozkult.de/event/id/termine-4920>.
Redaktion
Veröffentlicht am
30.01.2006
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Land Veranstaltung