Europäische Gedächtniskulturen (Zweite Ravensbrücker Sommer-Universität 2006)

Ort
Fürstenberg
Veranstaltungsort
Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück | Straße der Nationen
Veranstalter
Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück / Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten Internationaler Freundeskreis Gedenkstätte Ravensbrück Heinrich-Böll-Stiftung e.V. Stiftung Topographie des Terrors
Datum
20.08.2006 - 25.08.2006
Bewerbungsschluss
04.08.2006
Von
Bernhard Spindler

Die Gedächtniskulturen vieler europäischen Staaten sind durch die Erinnerung an den zweiten Weltkrieg geprägt. Der NS-Massenmord, der Krieg und die deutsche Besatzung dienen bis heute als eine wirkungsmächtige Grundlage für die politische Konsensbildung der Nach-kriegsgesellschaften und zwar in West- und in Osteuropa.

Indes ist in westeuropäischen Ländern seit einigen Jahren eine Erosion nationaler Geschichts-mythen zu beobachten, in dem beispielsweise die „großen Erzählungen“ vom nationalen Widerstand eine Neubewertung erfahren. In den osteuropäischen Ländern haben ähnliche Prozesse seit 1989 begonnen. Im Zuge der gegenwärtigen Renationalisierungsversuche und vor dem Hintergrund des Stalinismus findet eine Neubewertung von Vergangenheit statt, bei der es u.a. um die Definition von unterschiedlichen Opfergruppen geht.
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Thema der zweiten Ravensbrücker Sommer-Universität sind die kanonisierten Formen der öffentlichen Erinnerung an den zweiten Weltkrieg in ihrer normenstiftenden Funktion. Ausgangspunkt ist die Geschichte der deutschen Konzentrationslager. Diskutiert werden sollen die Tradierungsmuster der einzelnen west- und osteuropäischen Länder, die Differenzen und Gemeinsamkeiten in der Interpretation von Erfahrungen wie Deportation, Zwangsarbeit, KZ-Haft und Befreiung. Welche Rollen spielten die Häftlingsverbände, die sich nach 1945 gründeten, bei der Entwicklung der jeweiligen Gedächtnisorte? Welche Divergenzen ergaben sich in Westeuropa aus der Erinnerung einerseits an den bürgerlich-national motivierten Widerstand und andererseits an den kommunistischen Widerstand? Welche Erinnerungen an Deportation, Zwangsarbeit und KZ-Haft wurden in den west-europäischen Staaten Teil des offiziellen Geschichtsbildes und welche wurden ausge-klammert? Welchen Einfluss nahm der kalte Krieg auf die jeweiligen Vergangenheitsbilder?

Für die Herausbildung und Manifestation von Gedächtniskulturen spielen Massenmedien eine herausragende Rolle. Dominierende Geschichtsversionen werden in unterschiedliche Formen der Repräsentation vermittelt, die Filme und Bilder ebenso umfassen wie Texte, Skulpturen und verschiedene Praktiken des Gedenkens. Dies sind in etwa die Gegenstandsfelder, an denen sich die Manifestation der verschiedenen kollektiven Opfer- und Täterdiskurse untersuchen, vergleichen und diskutieren lassen.

Im Rahmen des europäischen Integrationsprozesses sind die Fragen der Erinnerungspolitik und das Geschichtsbewusstsein virulenter geworden. Dabei spielen nationale Besonderheiten ebenso eine Rolle wie transnationale Vergleiche. Vor diesem Hintergrund ist die zweite
Ravensbrücker Sommer-Universität als ein europäisches Forum vergangenheitspolitischer
Diskussion konzipiert.

„Members of the board:“: Dr. Zepp, Th.Lutz, U.Schneider, Prof. Dr.Sachse, J. Kootz, Dr. Eschebach

Anmeldung (bis 4.8.2006): Gedenkstätte Ravensbrück

Verpflegung und Unterkunft (Mehrbettzimmer): 23,50 € pro Tag

Anreise
Bahn: Der RE fährt stündlich Berlin - Fürstenberg - Stralsund/Rostock. Vom Bahnhof Fürstenberg aus 2 km Fußweg oder per Taxi.
Kfz: Fürstenberg liegt ca. 80 km nördlich von Berlin an der B 96 Berlin - Stralsund; derzeit Umleitung über Menz; in Fürstenberg der Beschilderung folgen.

Programm

PROGRAMM

Sonntag, 20. August 2006

16 Uhr
Eröffnung der Ausstellung "Ravensbrück - Der Zellenbau"
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Montag, 21. August 2006

10 Uhr
Eröffnung der Sommer-Universität
Begrüßung Prof. Dr. Johanna Wanka, Ministerin für Wissenschaft, Forschung
und Kultur des Landes Brandenburg sowie Veranstalter

Schwerpunktthema: Konzentrationslager

10 Uhr 30 bis 13 Uhr
Dr. Angelika Königseder: Die Entwicklung des nationalsozialistischen
KZ-Systems
Dr. Monika Flacke: Die Shoah im europäischen und israelischen Bildgedächtnis

Diskussion

14 bis 16 Uhr 30
Arbeitsgruppen
1. Phillip Neumann: Internationales Buchenwaldkomitee und europäisches
Buchenwaldgedächtnis. Zur Rolle einer politischen Überlebenden-Organisation
in der KZ-Erinnerung
2. Prof. Dr. Silke Wenk: Transformationen großer Erzählungen in
Denkmalskulturen nach 1945
3. Dr. Matthias Heyl: Gedenkstättenpädagogische Erinnerungslandschaften in
Europa

17 Uhr
Plenum
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Dienstag, 22. August 2006
Schwerpunktthema: Verfolgung und Judenmord

10 bis 13 Uhr
PD Dr. Susanne Heim: Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden
Prof. Dr. Stefan Troebst: Holocaust-Erinnerung und GULag-Gedächtnis:
Memorialkonflikte im erweiterten Europa

Diskussion

14 bis 16 Uhr 30
Arbeitsgruppen:
1. Peter Rosenbaum: Recht und Geschichte: Zur Wiederverwertung von
Dokumentarfilmaufnahmen in Eyal Sivans "The Specialist" (1998)
2. Monika Kovács: The Holocaust and the national narratives
3. Dr. Sabine Kittel: Die Rückkehr in die herkömmliche Welt. Eine
biographische Analyse des Lebens nach dem Überleben
4. Izabela Dahl, Dr. Simone Erpel: Rezeption der "Aktion Weiße Busse" -
Neuere schwedische Forschung und skandinavische Debatte zur Rettung von
KZ-Häftlingen

17 Uhr
Plenum
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Mittwoch, 23. August 2006
Schwerpunktthema: Zwangsarbeit

10 bis 13 Uhr
Helmut Bräutigam: Entwicklung, Bedingungen und Formen von Zwangsarbeit im
Dritten Reich
Günter Saathoff: Die Rezeption der NS-Zwangsarbeit in Mittel-Osteuropa -
historische Aufarbeitung, Anerkennung und Entschädigung von Überlebenden.
Dargestellt an ausgewählten Beispielen im Kontext der Arbeit der Stiftung
"Erinnerung, Verantwortung und Zukunft"

Diskussion

14 bis 16 Uhr 30
Arbeitsgruppen:
1. Jacub Deka: Politische, rechtliche und ethische Aspekte der
"Entschädigung" an ehemaligen Sklaven- und Zwangsarbeitern des Dritten
Reiches aus Mittel- und Osteuropa aus polnischer Sicht
2. Thomas Irmer: NS-Zwangsarbeit, Nachkriegswirtschaft und
Privatunternehmen - Das Beispiel des Berliner Elektrokonzerns "Allgemeine
Elektrizitäts-Gesellschaft" (AEG) nach 1945
3. Prof. Dr. Carola Sachse: ,Rasse' und Geschlecht im System der
Zwangsarbeit
4. Dr. Ramona Saavedra Santis: Zwischen "Sklaverei" und "Verrat". Topoi in
der öffentlichen Wahrnehmung der NS-Zwangsarbeiter in der Sowjetunion und im
postsowjetischen Russland

17 Uhr
Plenum
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Donnerstag, 24. August 2006
Schwerpunktthema: Widerstand und Kollaboration

10 bis 13 Uhr
Dr. Christoph Dieckmann: Kollaboration und Widerstand unter deutscher
Besatzung: Erfahrungen und Grauzonen
Prof. Dr. Dorothee Wierling: Widerstand, Kollaboration und europäisches
Gedächtnis

Diskussion

14 bis 16 Uhr 30
Arbeitsgruppen:
1. Prof. Dr. Mechthild Gilzmer: Widerstand und Kollaboration in der
französischen Erinnerungskultur am Beispiel von Literatur, Film und Denkmal
2. Dr. des. Silvija Kavčič: Kollaboration und Widerstand in
Osteuropa: das Beispiel Slowenien
3. Katja Jedermann: Widerstandsdarstellungen in den Internationalen
Gedenkräumen des Ravensbrücker Zellenbaus
4. Dr. Constanze Jaiser: Widerstand und Kollaboration in literarischen
Darstellungen

17 Uhr
Plenum
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Freitag, 25. August 2006

10 Uhr
Fahrt zum künftigen Dokumentationszentrum zur NS-Zwangsarbeit in
Berlin-Schöneweide, 12 Uhr Führung Thomas Lutz

14 Uhr
Empfang in der Heinrich-Böll-Stiftung Berlin

15 Uhr
Europäische Geschichte und nationale Erinnerungskulturen
Vortrag: Prof. Dr. Edgar Wolfrum
Podium: Prof. Dr. Mechthild Gilzmer, Prof. Dr. Stefan Troebst, Dr.
Heidemarie Uhl, Prof. Dr. Edgar Wolfrum

Ende 17 Uhr

Kontakt

Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück

Straße der Nationen | 16798 Fürstenberg

033093-608-13
033093-608-29
info@ravensbrueck.de

Zitation
Europäische Gedächtniskulturen (Zweite Ravensbrücker Sommer-Universität 2006), 20.08.2006 – 25.08.2006 Fürstenberg, in: H-Soz-Kult, 08.07.2006, <www.hsozkult.de/event/id/termine-5726>.
Redaktion
Veröffentlicht am
08.07.2006
Klassifikation
Region(en)
Weitere Informationen
Sprache Beitrag
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Land Veranstaltung