Deutsche Ostforschung und polnische Westforschung im Spannungsfeld von Wissenschaft und Politik: Institutionen – Personen – Vergleiche

Ort
Kulice, PL-72-200 Nowogard
Veranstaltungsort
Europäische Akademie Külz-Kulice
Veranstalter
Historisches Institut der Universität Greifswald Abteilung für osteuropäische Geschichte der Universität Kiel Institut für Geschichte und Internationale Beziehungen der Universität Szczecin in Verbindung mit der Europäischen Akademie Külz-Kulice
Datum
08.12.2006 - 09.12.2006
Von
Jörg Hackmann

Nach dem Ersten Weltkriegs entstanden in Deutschland unter der Bezeichnung „deutsche Ostforschung“ und in Polen unter dem Begriff „polska mysl zachodnia“ („polnischer Westgedanke“) interdisziplinär angelegte Forschungsrichtungen, die die historische Zugehörigkeit der deutsch-polnischen Berührungszone zu Deutschland bzw. Polen nachzuweisen versuchten und daraus dann rechtliche und politische Argumente für die Revision der deutschen Ostgrenze bzw. für die Verteidigung der polnischen Westgrenze ableiteten. Beide Konzeptionen übten erheblichen Einfluss auf die Wissenschaftslandschaft in ihren Ländern aus. Nach 1945 setzte sich mit dem Verlust des preußischen Ostens für Deutschland und der Westverschiebung Polens der Konflikt zwischen beiden Forschungskonzeptionen fort: Während in Polen die Regionen als „Wiedergewonnene Gebiete“ („ziemie odzyskane“) auch historisch reklamiert wurden, versuchten zahlreiche deutsche Wissenschaftler, den bundesdeutschen Rechtsanspruch auf dieselben Territorien mit historischen Argumenten zu untermauern.

Eine kritische Auseinandersetzung mit der „deutschen Ostforschung“ hat in der (bundes-)deutschen Geschichtswissenschaft Ende der 1980er Jahre begonnen und mittlerweile eine Vielzahl von Studien hervorgebracht, die den beziehungsgeschichtlichen Aspekt der deutsch-polnischen Diskussionen oft jedoch nur am Rande behandeln. Auch in der polnischen Geschichtswissenschaft hat sich die Diskussion über die wissenschaftliche Thematisierung der „Westgebiete“ in den letzten Jahren intensiviert, dennoch ist eine gewisse Reserviertheit gegenüber einer traditionskritischen Perspektive unverkennbar.

Trotz des Aufschwungs transnationaler Konzeptionen in der Geschichtswissenschaft in der letzten Zeit sind Untersuchungen zu den Wechselwirkungen zwischen „deutscher Ostforschung“ und „polnischer Westforschung“ und ihren wissenschaftlichen wie politischen Implikationen nur ansatzweise vertieft worden. Von diesem Hintergrund und angesichts der Tatsache, dass die Verflechtungsgeschichte der deutschen und polnischen Geschichtswissenschaft in der letzten Zeit auf stärkeres internationales Interesse stößt, knüpft die Tagung an eine Konferenz in Posen an, deren Ergebnisse 2002 publiziert wurden (Jan M. Piskorski, Jörg Hackmann, Rudolf Jaworski (Hg.): „Deutsche Ostforschung“ und „polnische Westforschung“ im Spannungsfeld von Wissenschaft und Politik. Disziplinen im Vergleich, Poznan-Osnabrück 2002).

Drei Themen stehen im Mittelpunkt der kommenden Tagung:
- Studien zu den Institutionen der deutschen Ostforschung und polnischen Westforschung,
- (Parallele) biographische Skizzen wichtiger Akteure in Deutschland und Polen,
- Vergleichsfälle weiterer territorialer Konflikte und deren geschichtswissenschaftliche Thematisierung.

Programm

Freitag, 8.12.2006

9-9.30 Uhr
Begrüßung
Edward Wlodarczyk, Direktor des Instituts für Geschichte und Internationale Beziehungen der Universität Szczecin

Einführung in die Tagung
Jörg Hackmann (Greifswald), Rudolf Jaworski (Kiel), Jan M. Piskorski (Szczecin)

9.30-13.45 Uhr
I. Institutionen
Moderation: Jörg Hackmann

Deutsche Ostforschung und polnische Westforschung bis 1939: Das Institut für ostdeutsche Wirtschaft (Königsberg) und das Ostsee-Institut (Thorn-Gdingen)
Hans-Christian Petersen (Mainz)

Polnische Westforschung: Das Schlesische Institut
Bernard Linek (Opole)

Deutsche Ostforschung und polnische Westforschung im Zweiten Weltkrieg
Markus Krzoska (Mainz)

Deutsche Ostforschung nach 1945: Das Herder-Institut Marburg
Thekla Kleindienst (Rostock/Greifswald)

Ostmitteleuropa in der Reflektion der polnischen Westforschung
Maciej Gorny (Warszawa/Berlin)

15.15-18.45 Uhr
II. Personen
Moderation: Jan M. Piskorski

Kazimierz Tymieniecki und Hermann Aubin
Blazej Bialkowski (Berlin)

Jozef Kostrzewski und Gustav Kossinna
Wiebke Rohrer (Marburg)

Gotthold Rhode und die polnische Westforschung in den 1950er Jahren
Eike Eckert (Kiel)

Eduard Winter – von der deutschen Ostforschung zur Osteuropaforschung in der DDR
Jiri Nemec (Brno)

Samstag, 9.12.2006

9-13 Uhr
III. Vergleiche
Moderation: Rudolf Jaworski

Sudetengebiete und Tschech(oslovak)ische Republik
Andreas Wiedemann (Praha)

Deutsche Südostforschung im Dienst von Grenzrevision und Hegemoniebestrebungen 1918-1945
Gerhard Seewann (München)

The Polish Eastern Borderlands in Polish and Russian Historiography
Rafal Stobiecki (Lodz)

Deutsche Westforschung
Bernd-A. Rusinek (Düsseldorf/Freiburg)

Das Rheinland in der deutschen und französischen Geschichtswissenschaft
Stephan Laux (Köln)

15-17.30 Uhr
Schlussdiskussion
Einleitung: Jie-Hyun Lim (Seoul)

Kontakt

Jörg Hackmann

Universität Greifswald, Historisches Institut
Domstr. 9A, 17489 Greifswald
03834-86-3306
03834-86-80067
hackmann@uni-greifswald.de

Zitation
Deutsche Ostforschung und polnische Westforschung im Spannungsfeld von Wissenschaft und Politik: Institutionen – Personen – Vergleiche, 08.12.2006 – 09.12.2006 Kulice, PL-72-200 Nowogard, in: H-Soz-Kult, 22.11.2006, <www.hsozkult.de/event/id/termine-6381>.
Redaktion
Veröffentlicht am
22.11.2006
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