Ringvorlesung "Jenseits der Geschlechtergrenzen"

Ort
Hamburg
Veranstaltungsort
Uni Hamburg, Von-Melle-Park 5, Raum 0079
Veranstalter
Arbeitsstelle für wissenschaftliche Weiterbildung der Universität Hamburg, Koordination: AG Queer Studies und Prof. Marianne Pieper, Hamburg
Datum
02.04.2008 - 09.07.2008
Von
Bertold Scharf

Die Ringvorlesung „Jenseits der Geschlechtergrenzen“ wird von der AG Queer Studies organisiert und dieses Jahr 18 Jahre alt. Denn im Sommer 1990 gab es die ersten Vorträge, und kurz darauf die Vorlesungsreihe. Sie ist Bestandteil des Gender Studies Curriculums, richtet sich aber auch ausdrücklich an außeruniversitäre Zuhörer/Innen.
Auf einige Vorträge möchten wir besonders hinweisen:
Um den "Körper" und dessen "Geschlechtlichkeit" in der Philosophie auf den Spuren Heideggers geht es bei Patrick Baur, der hierbei auch die Frage aufwerfen möchte, wie sich die Philosophie ändern müsste, um nicht mehr metaphysisch über den Menschen nachzudenken. Martin Lücke untersucht, welche Konzepte von männlicher Prostitution in der Weimarer Republik in Bezug auf sexuelle Identität und Geschlechtsidentität existierten und ob sie eine Nische waren, die sich den geschlechtlich kodierten Identitätskonzepten von Homo- und Heterosexualität entziehen konnte. Am 7.5. wird Martin Büsser uns einen (hiostorischen) Überblick über Geschlechterverhältnisse in der Punk/Hardcore-Szene geben. Markus Wiefarn wird anhand von Verena Stefans Autobiografie "Häutungen", die in ihrem Buch erwachendes Körperbewusstsein mit entstehenden politischen Bewusstsein verknüpfte, fragen, ob sie sich damit nicht einer "Authentizitätsregel" unterwarf, die nur eindeutig identifizierte Subjekte zuließ und skizziert im Anschluss Möglichkeiten einer Strategie der "offenen Subjektivierung" um diesem Problem zu entkommen. Am 4. Juni stellt Prof. Brigitte Röder Rückgriffe auf die angeblich "natürlichen" Geschlechterverhältnisse bei den Steinzeitmenschen vor und versucht die Frage zu beantworten, inwiefern diese Forschungsergebnisse oder moderne Projektionen sind. Am 25.6. wird Dr. Iris Wachsmuth den familiengeschichtlichen Umgang mit dem Nationalsozialismus und die dort festzustellenden Tradierungsweisen von Geschlechterbildern analysieren. Last but not least stellt Ilaria Simonetti in englischer Sprache ihre Arbeit über Frauen in der israelischen Armee und den Einfluss der Streitkräfte auf deren Leben und Identität vor.
Aber auch die anderen Vorträge versprechen einen interessanten
Einblick in die Beschäftigung mit Queer Studies vor dem Hintergrund unterschiedlicher akademischer Disziplinen und Praxisfelder.

Die Vorträge finden immer Mittwochs von 19.15 – 21.00 Uhr statt.

Programm

02.04. Die AG Queer Studies stellt sich und das Semesterprogramm vor
AG Queer Studies, Universität Hamburg

09.04. Riot not diet! Sportliche Durchqueerung von Geschlechternormierungen mit Radical Cheerleading
Anne Quinkenstein, Dipl.-Sportlehrerin und Susanne Diehr, M.A., Gender Studies, Berlin

16.04. Zerstreute Geschlechter. Heidegger, Derrida und die sexuelle Differenz
Dr. des. Patrick Baur, Philosoph, Freiburg

23.04. Kritik der polysexuellen Ökonomie
Bini Adamczak, Autorin, Frankfurt/Berlin

30.04. "Im übrigen wars mir gleichgültig" – Sexuelle Identität und Geschlechtsidentität bei männlichen Prostituierten in der Weimarer Republik
Dr. des. Martin Lücke, Historiker, Berlin

07.05. Geschlechterverhältnisse in der Punk- und Hardcore-Szene
Martin Büsser, Autor, Publizist und Herausgeber der testcard-Buchreihe

21.05. „ihr geschlecht ist ihre hautfarbe“ – über literarische Körperpolitik im Zeichen der Authentizitätsregel
Markus Wiefarn, M. A., Promovend Literaturwissenschaft, Universität München

28.05. Verkörperte Arbeit der Subjektivierung und transnationale Fluchtlinien
Efthimia Panagiotidis, M. A., Soziologie, Hamburg

04.06. Der Jäger und die Sammlerin als „urgeschichtliches Traumpaar“. Die Naturalisierung moderner Geschlechtermodelle über die Urgeschichte
Prof. Dr. Brigitte Röder, Prähistorikerin, Universität Basel

11.06. UnterOrdnung der Prostitution. Zur Konstruktion einer Notwendigkeit des Unerwünschten
Katrin Billerbeck und Nele Bastian, Dipl.-Soziologinnen, Hamburg

18.06. Queer Desires: Sexuelle Dissidenz im populären Film
Vina Yun, Wien

25.06. Familiengeschichtlicher Umgang mit dem Nationalsozialismus: Tradierungsweisen von Geschlechterbildern
Dr. Iris Wachsmuth, Sozialwissenschaftlerin, Biografieforscherin, Berlin

02.07. Das Starbuck Dilemma. Vom Zurechtkommen-Müssen mit den Anforderungen der Heteronormativität in SciFis „Battlestar Galactica“
Marko Meenakshi ALIEN Hutsch, AG Queer Studies

09.07. Israeli Women and the Military Service. Some Gendered and Cultural Elements to Read Israeli Society
Ilaria Simonetti, PhD, Italien

Kontakt

AG Queer Studies

Von-Melle-Park 5
20146 Hamburg
040/45020437

queer.aghh@gmx.de

Zitation
Ringvorlesung "Jenseits der Geschlechtergrenzen", 02.04.2008 – 09.07.2008 Hamburg, in: H-Soz-Kult, 25.03.2008, <www.hsozkult.de/event/id/termine-8932>.
Redaktion
Veröffentlicht am
25.03.2008
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