Deutschland und die Sowjetunion im Zweiten Weltkrieg 1941-1945

Ort
Berlin
Veranstalter
Deutsch-Russisches Museum Berlin-Karlshorst, Zwieseler Straße 4, 10318 Berlin <http://www.museum-karlshorst.de>
Datum
25.04.2013
Rezensiert für H-Soz-Kult von
Thomas Sandkühler, Institut für Geschichtswissenschaften, Humboldt-Universität zu Berlin

Der Name des Berliner Ortsteils Karlshorst, um die Wende zum 20. Jahrhundert als Villenkolonie gegründet, ist für die Nachgeborenen vor allem mit einem weltgeschichtlichen Ereignis verbunden: Im Offizierskasino der kurz vor Beginn des Zweiten Weltkrieges erbauten Festungspionierschule I unterzeichneten Generalfeldmarschall Wilhelm Keitel und die Spitzen von Marine und Luftwaffe in der Nacht vom 8./9. Mai 1945 die bedingungslose Kapitulation der deutschen Wehrmacht vor Vertretern der siegreichen Sowjetunion, Großbritanniens, der Vereinigten Staaten und Frankreichs.

Bis zur Gründung der DDR war Karlshorst Sitz der Sowjetischen Militäradministration in Deutschland (SMAD), danach (bis zu ihrer Auflösung 1953) der Sowjetischen Kontrollkommission in der DDR, bis zum endgültigen Truppenabzug 1994 Standort des Oberkommandos der Sowjetischen Streitkräfte in Deutschland und DDR-Zentrale des Geheimdienstes KGB, der eng mit dem Ministerium für Staatssicherheit (MfS) zusammenarbeitete. Im Norden Karlshorsts, wo auch die „Russenkaserne“ lag, befand sich ein zeitweilig umzäuntes, seit Mitte der 1950er-Jahre vom MfS bewachtes Sperrgebiet, das zehn Jahre später für die deutsche Bevölkerung weitgehend freigegeben wurde. Die Gebäude und Anlagen der ehemaligen Festungspionierschule und die direkt angrenzenden Straßenzüge blieben indes bis 1991 unzugänglich.

Das frühere Offizierskasino lag knapp außerhalb dieses Sperrgebietes. Hier wurde im November 1967, anlässlich des 50. Jahrestages der russischen Oktoberrevolution, das „Museum der bedingungslosen Kapitulation des faschistischen Deutschlands im Großen Vaterländischen Krieg 1941–1945“ eröffnet. Das Museum, eine Einrichtung der sowjetischen Streitkräfte, zielte vor allem auf die Heroisierung sowjetischer Soldaten. Der Weg der Roten Armee ins deutsche Machtzentrum und die Schlacht um Berlin standen im Mittelpunkt der Darstellung. Besucher des Kapitulationsmuseums fanden unter anderem das Arbeitszimmer des jeweiligen Chefs der SMAD bzw. der Sowjetischen Kontrollkommission vor – Personen, die aufs Engste mit der deutschen Niederlage und dem Auf und Ab der Entstalinisierung verbunden waren.[1]

Ein visuell und akustisch effektvoll inszeniertes Diorama „Sturm auf den Reichstag“, Marmortafeln zu Ehren der an der Eroberung Berlins beteiligten Truppen, ein mit einem Halbrelief versehener Raum zum Gedenken an die in der Schlacht gefallenen Rotarmisten, Glasfenster im Treppenhaus, die ihrerseits auf das sowjetische Ehrenmal im Treptower Park und das Moskauer Siegesfeuerwerk vom 9. Mai 1945 verweisen, Panzer im umliegenden Gartengelände – alles das waren zentrale Bestandteile der damaligen sowjetischen Ikonographie. Dem Leben und Sterben des individuellen Soldaten schenkte das Museum keine Aufmerksamkeit. Der eigentliche Kapitulationssaal befand sich architektonisch in dem Zustand, wie ihn die sowjetischen Sieger vorgefunden hatten. Allerdings war das Mobiliar nachgebildet und stammte teilweise aus den Requisitenbeständen der DDR-Filmfabrik DEFA. Das hat sich bis heute nicht geändert.

Nach dem Zerfall der Sowjetunion 1991 stand die Frage auf der Agenda, was aus dem Kapitulationsmuseum werden sollte. Die Entscheidung, die dortige Ausstellung grundlegend zu überarbeiten, führte mit der Eröffnung des Deutsch-Russischen Museums am 10. Mai 1995 zu einem in der deutschen Museumslandschaft einmaligen Experiment: Sieger und Besiegte erinnern sich am historischen Ort gemeinsam der Geschichte des deutsch-sowjetischen Krieges. Unter der Leitung des Historikers Peter Jahn legte das Museum den Vermittlungsschwerpunkt der Ausstellung „Erinnerung an einen Krieg“ auf den verbrecherischen Charakter des „Unternehmens Barbarossa“ mit seinen millionenfachen sowjetischen Opfern, aber auch auf den Alltag deutscher und sowjetischer Soldaten zwischen 1941 und 1945. Zahlreiche Sonderausstellungen trugen zusätzlich dazu bei, das Erinnern lebendig zu erhalten, wobei ein deutlicher Akzent auf der Erforschung und Präsentation von bislang unbekanntem Fotomaterial lag. Der Grundstock der Fotosammlung des Deutsch-Russischen Museums besteht aus angekauften Nachlässen namhafter sowjetischer Korrespondenten. Sie wurde im Laufe der Zeit ergänzt um Amateuraufnahmen ehemaliger deutscher Soldaten, die dem Deutsch-Russischen Museum überlassen wurden.

Seit 1995 zählte das Museum mehr als eine halbe Million Besucher/innen; 2012 kamen über 40.000.[2] Mit Publikumsmagneten wie dem Deutschen Historischen Museum in Berlins Stadtmitte (jährlich etwa 900.000 Besucher/innen) kann und muss das Deutsch-Russische Museum im Südosten der Stadt nicht konkurrieren. Mit den großen Museen teilt es aber eine Veränderung der Besucherstruktur: Zeitgenossen und Kriegsteilnehmer verlieren an Bedeutung; jüngere Besucher (etwa Schulklassen) wissen trotz medialer Dauerpräsenz der NS-Zeit oftmals wenig über den Zweiten Weltkrieg und speziell über den Krieg gegen die Sowjetunion. Dies war einer der Gründe, weshalb sich das Museum, seit 2009 unter Leitung des Historikers Jörg Morré, und sein wissenschaftlicher Beirat zu einer Neukonzeption der Dauerausstellung entschlossen. Die Ausstellung „Deutschland und die Sowjetunion im Zweiten Weltkrieg 1941–1945“ öffnete vor rund einem Jahr, im April 2013, ihre Pforten.[3]

Ziel der Überarbeitung war es, das Ereignis der Kapitulation deutlicher zu betonen, die Nutzungsschichten des Hauses seit 1945 sichtbar zu machen und den deutsch-sowjetischen Krieg aus gleichberechtigter deutscher und russischer Perspektive zu erzählen. Der stärker politisch profilierte Erinnerungs- und Gedenkauftrag der Dauerausstellung von 1995 tritt hinter eine Historisierung des Weltkrieges und des Erinnerns zurück. Die neue Dauerausstellung trägt schon im Titel dem wachsenden Zeitabstand zum Kriegsende Rechnung.

Der Besucher betritt das ehemalige Heereskasino durch dessen neoklassizistisches Eingangsportal. Bereits im Treppenhaus des Foyers wird er durch Aufschriften mit den Zeit- und Nutzungsschichten des Hauses seit 1938 vertraut gemacht. Es folgt das Portal des sowjetischen Kapitulationsmuseums mit seiner Überschrift „Ruhm dem großen Sieg“. Der Blick fällt hier zugleich auf eine doppeltürige Wand, welche die Dualität des deutsch-russischen Erinnerns zum Thema macht („8. MAI 1945 / 9 MAЯ 1945“). Die Eingangssituation stellt mithin die heroische Formensprache des Kapitulationsmuseum in ihren historischen Kontext, ohne sie zu entwerten. An der Eingangswand der Ausstellung von 1967 wie durchgängig an den erhaltenen Resten des damaligen Museums finden sich informierende Kommentartafeln.

Eine etwa hüfthohe Längsvitrine verbindet anschließend zwei Räume durch eine offene Schiebetür. Hier wird mit Fotos, Objekten und einer Audioinstallation die internationale Erinnerung an das Kriegsende seit 1955 gezeigt. Typographische Elemente in unterschiedlichen Sprachen, Schriftfarben und Relieftiefen rufen innerhalb der Vitrine Emotionen wie Angst, Trauer, Hoffnung und Freude auf. Der Blick des Betrachters wird mithin buchstäblich durch die widersprüchlichen Gefühle der Zeitgenossen gebrochen. Diese Installation ist praktizierte Multiperspektivität.

Von hier aus betritt der Besucher wahlweise den Kapitulationssaal oder das rückwärts gelegene Arbeitszimmer des SMAD-Chefs. Es war eine mutige und tiefgreifende Entscheidung von Ausstellungsteam und Gestaltern, das bislang in die Dauerausstellung einbezogene Erdgeschoss weitgehend freizuräumen, um für die erwähnte Installation Platz zu schaffen und das Ereignis des 8./9. Mai 1945 räumlich zu betonen. Hier sind der Kapitulationssaal mit seinen 1967 angebrachten Gedenktafeln für die sowjetischen Einheiten, das Arbeitszimmer Shukows und seiner Nachfolger, das Diorama des Reichstagssturms, der sowjetische Gedenkraum und die Mosaikfenster des Treppenhauses erhalten geblieben. Die neue Dauerausstellung schließt sich im Obergeschoss an. Kapitulationssaal, Kapitulationsmuseum und heutige Ausstellung – die Zeitschichten von 1945, 1967 und 1941–1945 aus dem Rückblick von 2013 – sind also räumlich voneinander getrennt, zugleich aber aufeinander bezogen. So kann man aus dem Obergeschoss über eine Art Balkon, der zur architektonischen Ausstattung der Vorkriegszeit gehört, in den Kapitulationssaal blicken.

Dem Verlust an Ausstellungsfläche im Erdgeschoss sucht die Dauerausstellung durch eine Straffung zu begegnen. Statt bislang sechzehn enthält die Ausstellung nunmehr zehn Kapitel, von denen neun im Obergeschoss, ein weiteres im Untergeschoss präsentiert werden. Jeder Raum enthält ein Kapitel. Die Räume im Obergeschoss sind stärker chronologisch gegliedert als die bisherige Ausstellung – nicht zuletzt zur Erhöhung des Informationswertes für jüngere Besucher –, wogegen der abschließende Raum im Untergeschoss die Besucher wieder auf das Jahr 1945 und das spätere Erinnern zurückführt. Helle Holzdielen im Obergeschoss vermitteln einen warmen Raumeindruck; die überwiegend schwarz-weiße Ausstellungsarchitektur hebt sich davon ab.

Der chronologische Durchgang beginnt mit den deutsch-russischen bzw. deutsch-sowjetischen Beziehungen vom Ersten Weltkrieg bis zum „Unternehmen Barbarossa“ (Kapitel 1). In diesen Raum eingelagert ist ein schwarzer Kubus mit abgeschrägten Wänden, in dessen Innerem zentrale Dokumente der deutschen Planung für den Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion gezeigt werden. Zu den beeindruckenden Exponaten dieses Teilkapitels gehören deutsche Flugblätter, mit denen Soldaten der Roten Armee zum Mord an ihren Politkommissaren aufgerufen und Juden mit Ratten verglichen wurden.

Kapitel 2 erzählt mit Hilfe einer Chronik die Geschichte des deutsch-sowjetischen Krieges einschließlich seiner Vorgeschichte seit der gemeinsamen Besetzung Polens im September 1939. Fotografien sowjetischer und deutscher Provenienz dokumentieren den Alltag des Krieges. Kapitel 3 widmet sich dem Schicksal der sowjetischen Kriegsgefangenen in deutschem Gewahrsam, der zweitgrößten Opfergruppe nationalsozialistischer Vernichtungspolitik. Die Zahl „60% Sterben“ wird groß und auffällig in einer Vitrine gezeigt, zusammen mit dem Mantel und der Mütze eines sowjetischen Kriegsgefangenen. Kapitel 4 fährt mit den zivilen Opfern vor allem in den besetzten Gebieten fort, darunter Juden, Roma, Anstaltspatienten, die Opfer der deutschen Partisanenbekämpfung und der Hungerpolitik. Ein eigenes Kapitel zu den so genannten Fremdarbeitern, die zu Millionen ins Reichsgebiet verschleppt wurden, fehlt allerdings. Kapitel 5 thematisiert die sowjetische Sicht auf Krieg und Besatzung. Hier findet auch die hierzulande weitgehend vergessene deutsche Belagerung Leningrads mit ihren rund 800.000 Todesopfern die nötige Aufmerksamkeit. Im 6. Kapitel wird die Geschichte der Anti-Hitler-Koalition seit August 1941 erzählt.

Kapitel 7 behandelt das Schicksal der deutschen Kriegsgefangenen in sowjetischem Gewahrsam. Obgleich Hunderttausende von ihnen durch Hunger und Zwangsarbeit ums Leben kamen, erreichte die Sterblichkeit der ehemaligen deutschen Soldaten bei weitem nicht das Ausmaß der rund drei Millionen ermordeten oder verhungerten Rotarmisten, denen Hitler und die deutsche Militärführung den Schutz des Kriegsvölkerrechts ausdrücklich versagt hatten. Kapitel 8 fragt nach der Rolle der deutschen Zivilbevölkerung im Krieg gegen die Sowjetunion, der den „Volksgenossen“ durch Kriegsgefangene und zivile Zwangsarbeiter im Alltagsleben ständig begegnete. Kapitel 9 schildert schließlich die Eroberung Deutschlands durch die Rote Armee. Deren Soldaten waren vielfach von Rachegedanken für das Leid des eigenen Volkes motiviert. Zu tödlicher Rache rief etwa der populäre sowjetische Kriegspropagandist Ilja G. Erenburg auf, der gleichzeitig Beweise für die deutschen Verbrechen an sowjetischen Juden zusammentrug. Die Ausstellung verschweigt Massenvergewaltigungen deutscher Frauen durch vorrückende sowjetische Soldaten nicht. Diese wurden ihrerseits von der Goebbels-Propaganda genutzt, um die Furcht vor den angeblichen „asiatischen Untermenschen“ zu schüren und den deutschen Durchhaltewillen zu stärken. Andererseits dokumentiert Kapitel 9 Befehle sowjetischer Kommandeure, Vergewaltigungen und Plünderungen zu unterbinden, und den Versuch der Militärverwaltung, nach der Kapitulation die Versorgung der Berliner Bevölkerung mit knappen Nahrungsmitteln in Gang zu bringen.

Gemäß dem Sammlungsschwerpunkt des Deutsch-Russischen Museums machen Fotografien rund die Hälfte der über 1.000 Exponate aus. Entgegen dem in der historisch-politischen Bildung weit verbreiteten Einsatz von Fotos als reinen Illustrationen nimmt die Ausstellung Fotografien als Quellen ernst, stellt sie zu in sich narrativ strukturierten Serien zusammen und fordert den Betrachter zur kritischen Auseinandersetzung mit dem Material auf. Man findet in der Ausstellung etwa den Schnappschuss eines deutschen Soldaten in der Ukraine aus dem Jahr 1942, von ihm „Die Minenprobe“ betitelt: Eine Frau wird gezwungen, ein Flussbett zu durchschreiten. In solchen Abbildungen bündelt sich die Grausamkeit des „Unternehmens Barbarossa“ wie in einem Brennglas.[4]

Die neue Dauerausstellung folgt über weite Strecken den Prinzipien einer modernen Geschichtsdidaktik. Sie erzählt die Geschichte des deutsch-sowjetischen Krieges facettenreich und lädt zur Auseinandersetzung mit den Objekten und Dokumenten ein; sie historisiert die Vergangenheit, ohne moralisch zu relativieren; sie befördert die Herausbildung eines kritischen Geschichtsbewusstseins und historisiert zugleich das Erinnern, um es für die Gegenwart anschlussfähig zu halten. Eine kleine Hitler-Büste, die noch 2001 bei Erdarbeiten in Karlshorst zum Vorschein kam, ist ein besonders eindrückliches Exponat.

Über die Kapitel verteilt finden sich fünfzehn Videomonitore, mit deren Hilfe die Lebensgeschichten von Kriegsteilnehmern unterschiedlicher Herkunft erzählt werden. Das Spektrum reicht von überlebenden Kriegsgefangenen und KZ-Häftlingen (Männern und Frauen) russischer Nationalität über einen estnischen Rom und eine weißrussische Partisanin jüdischer Herkunft, eine ukrainische Zwangsarbeiterin und einen 1944 hingerichteten deutschen Deserteur, einen nach Kasachstan deportierten Russlanddeutschen, den Korrespondenten Ilja Erenburg, eine hingerichtete Partisanin und den weißrussisch-jüdischen Partisanen Abba Kovner, den jüdischen Kommunisten und deutschen Widerstandskämpfer Herbert Baum, eine bei Minsk ermordete deutsch-jüdische Familie, den ersten sowjetischen Stadtkommandanten von Berlin, Nikolai E. Bersarin, und einen Offizier der Roten Armee, der ein Tagebuch über seine Erlebnisse in der unmittelbaren Nachkriegszeit hinterließ.

Diese Biographien sind neben der bereits erwähnten Vitrine zum Thema des Kriegsendes ein weiteres Element von Multiperspektivität, das neben die deutsch-sowjetische bzw. deutsch-russische Erzählachse tritt. Und doch darf man sich angesichts der didaktischen Qualitäten der neuen Dauerausstellung fragen, ob die Ausstellungsmacher an dieser Stelle nicht des Guten zu viel getan haben. Die Individualisierung von Kriegsschicksalen ist gedenkstättenpädagogisch „State of the Art“, doch bieten die Exponate und namentlich die gezeigten Fotografien genug Anhaltspunkte für das eigenständige Erzählen von Geschichte. Und auch das letzte Kapitel der Ausstellung im Untergeschoss des Hauses könnte mit der Darbietung heutiger russischer, ukrainischer und deutscher Sichtweisen auf die je persönliche Bedeutung des deutsch-sowjetischen Krieges unbeabsichtigt zu dem falschen Eindruck führen, die übrigen neun Kapitel seien im Unterschied zum zehnten ‚nur‘ Geschichte und hätten mit den Nachgeborenen der Gegenwart nichts zu tun.

Es wäre daher lohnend, einmal empirisch in Erfahrung zu bringen, wie insbesondere Jugendliche mit dem Haus und der hier dargestellten Geschichte umgehen, ob und wie das Museum das Geschichtsbewusstsein der Besucher/innen beeinflusst, ob und wie sie Geschichte zu erzählen lernen. Wohl kein anderes deutsches Museum setzt, seinen Gründungsintentionen entsprechend, so stark auf das didaktische Potential von Polarität und Multiperspektivität. Man wünscht dem Deutsch-Russischen Museum, dass möglichst viele Besucher/innen von diesen Angeboten Gebrauch machen.

Anmerkungen:
[1] Chef der SMAD war zunächst der legendäre Sieger von Berlin, Marschall Georgij K. Shukow, der die deutsche Kapitulation entgegengenommen hatte, im März 1946 von Stalin, 1957 von Nikita S. Chruschtschow kaltgestellt und kurz nach dessen Sturz von Chruschtschows Nachfolger Leonid S. Breschnew rehabilitiert wurde. Shukows zweiter Nachfolger (1949–1953) war sein alter Rivale, der Stalingrad-Sieger und spätere Marschall Wassili I. Tschuikow.
[2] Mündliche Auskunft von Margot Blank, wissenschaftliche Mitarbeiterin des Museums, am 4.6.2013.
[3] Vgl. dazu Julia Franke / Andrea Frank / Jörg Morré / Babette Quinkert, Ein vielschichtiger Ort gemeinsamen Erinnerns, in: Gedenkstättenrundbrief Nr. 173 (März 2014), S. 3-15, URL: <http://www.gedenkstaettenforum.de/nc/gedenkstaetten-rundbrief/rundbrief/news/ein_vielschichtiger_ort_gemeinsamen_erinnerns_kopie_4/> (8.4.2014). Die Autoren gehörten zusammen mit Margot Blank und Svetlana Andreeva dem von Morré geleiteten Ausstellungsteam an. Für die Ausstellungsdidaktik zeichnete Julia Franke verantwortlich. Ein Katalog zur neuen Dauerausstellung wird im Mai 2014 erscheinen.
[4] Jüngst hat dieses Foto wieder besondere Aufmerksamkeit erhalten durch das Buchcover und die Reflexionen von Helmut Lethen, Der Schatten des Fotografen. Bilder und ihre Wirklichkeit, Berlin 2014.

Zitation
Thomas Sandkühler: Rezension zu: Deutschland und die Sowjetunion im Zweiten Weltkrieg 1941-1945, 25.04.2013 Berlin, in: H-Soz-Kult, 12.04.2014, <www.hsozkult.de/exhibitionreview/id/rezausstellungen-180>.