Ort
Torgau
Veranstalter
Staatliche Kunstsammlungen Dresden im Schloß Hartenfels, Torgau
Datum
24.05.2004 - 10.10.2004
Publikation
Marx, Harald; Hollberg, Cecilie (Hrsg.): Glaube und Macht - Sachsen im Europa der Reformationszeit. 2. Sächsische Landesausstellung, Katalog- und Essaybd. mit Audio-CD. Dresden : Sandstein Verlag  2004 ISBN 3-937602-09-7, 3-937602-07-0, 2 Bände: 388 und 333 S. € 40,00.
Rezensiert für H-Soz-Kult von
Johanna Sänger, Bereich Volkskunde/Kulturgeschichte, Friedrich-Schiller-Universität Jena

weiterer Katalog:
Scheurmann, Konrad; Frank, Jördis (Hgg.), Neu entdeckt: Thüringen - Land der Residenzen 1485 – 1918. 2. Thüringer Landesausstellung Schloss Sondershausen, 2 Katalogbde, 944 S., Aufsatzbd. (noch nicht erschienen, ca. 380 S.), Mainz 2004. ISBN 3-8053-3321-8, € 69,00

Landesausstellungen sind historische Leistungsschauen der Bundesländer. Mit hohem fachwissenschaftlichem Anspruch präsentieren sie regional umgrenzbare Geschichte einem breiten Publikum. Die Themen sind so exzeptionell wie die für kurze Zeit vereinten Objekte, und häufig werden dafür Schlösser und Kirchen mit großem restauratorischen Aufwand aus einem Dornröschenschlaf geweckt. Auch mit den beiden Ausstellungen, die Thüringen und Sachsen diesem Sommer veranstalteten, verbindet sich großer wissenschaftlicher und politischer Ehrgeiz. Ihre Konzepte und Inszenierungen sollen hier besprochen werden.

Es gäbe Landesausstellungen wohl nicht ohne das föderale System Deutschlands, in dem jedes Land nach immer neuen Wegen zur Förderung des Tourismus und der Identitätspflege sucht. Aber erst das neuerwachte historische Empfinden der 1970er Jahre machte vor allem den südlichen Bundesländern die regelmäßige Nabelschau in die Vergangenheit zur repräsentativen Pflicht. Der Boom setzte ein mit der Stuttgarter Staufer-Ausstellung 1977, der weitere Expositionen zu Dynastien folgten. In den 1980er Jahren behandelte dann etwa „Stadt im Wandel“ (Braunschweig 1985) mit der Entwicklung mittelalterlicher Städte auch alltagsgeschichtliche Themen und sprach mit der Denkmalpflegeproblematik ein Thema der Zeit an. Meist widmen sich die Expositionen allerdings Themen aus Hochkultur und Herrschaftsgeschichte. Schätze und Raritäten erweisen immer wieder als Magneten für Auftraggeber und Besucher, weil sie die temporäre Teilhabe an einer „utopischen Vergangenheit“ [1] ermöglichen.

In der Regel übersteigen Landesausstellungen die Möglichkeiten lokaler Museen und die Finanzkraft ihrer Kommunen und werden daher zentral organisiert und finanziert, womit sich der Anspruch verbindet, „durch die Präsentation vergangener Epochen und Herrscher eine Brücke in die Gegenwart [zu] schlagen und zur Identitätsstiftung bzw. –festigung der jeweiligen Region bzw. des Bundeslandes bei[zu]tragen“. [2] Repräsentativ sind sie, weil historische Ereignisse oder kulturelle Eigenarten im Focus der Veranstalter zu Alleinstellungsmerkmalen und damit „weichen Standortfaktoren“ des Bundeslandes mutieren. [3].

Landesausstellungen in den neuen Bundesländern haben, wollen sie dieser westdeutschen Tradition folgen, reiche Auswahl an Themen. Vieles aus ihrer älteren Geschichte könnte beleuchtet und den Besuchern bewusst gemacht werden, was aus dem Geschichtsbild der DDR ausgeblendet wurde oder nur als rudimentäres Wissen in der Bevölkerung vorhanden ist. Vor allem außerhalb der Universitätsstädte und kulturellen Zentren besteht meist noch großer Nachholbedarf der Mittelalter- und Frühneuzeit-Forschung. So ist zu verstehen, dass Sachsen-Anhalt sich bisher in drei Ausstellungen Otto dem Großen (Magdeburg 2001), dem 500jährigen Bestehen der Universität(en) Halle-Wittenberg (Halle 2002) und dem Haus Oranien in Anhalt (Oranienbaum 2003) gewidmet hat. Thüringen präsentierte 2000 in der Erfurter Predigerkirche eine Schau „Der junge Bach“. Sachsen zeigte 1998 unter dem Titel „Zeit und Ewigkeit“ religiöse Kunst des Mittelalters im Lausitzer Kloster Marienstern.

Sachsen hat nun mit einer Ausstellung zur Reformationszeit erneut ein zeitlich umgrenztes konfessionelles Thema aufgegriffen, während Thüringen mehr als 400 Jahre Neuzeit unter dem Motto „Residenzkultur“ neu in Augenschein nimmt. Das nordthüringische Sondershausen am Südrand des Kyffhäusergebirges und das nordsächsische Torgau an der Elbe verbindet heute kaum etwas miteinander, doch die präsentierten Landesgeschichten gehören durch dynastische Verbindungen eng zusammen. In Torgau wird die Entstehung des lutherischen Protestantismus im Spiegel der weltlichen Macht erzählt und gleichzeitig eine Gründungsgeschichte des heutigen Freistaates. Der Focus liegt auf der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts, in der die Stadt als politisches Zentrum der Reformation galt. Denn Luther und seine Lehre sind unter der Ägide der sächsischen Kurfürsten, die damals in Torgau residierten, groß geworden. Entsprechend zeigt die Ausstellung die ernestinischen Wettiner als Schlossbauer, Landesherren und Politiker des Reiches. Mit der Niederlage des Schmalkaldischen Bundes endete diese Blütezeit. Johann Friedrich I. musste als Gefangener des Kaisers seine Residenz in seine verbliebenen thüringischen Landesteile verlegen, zu deren neuem Zentrum Weimar wurde. Von dieser Niederlage profitierte der Albertiner Moritz; der politische Aufstieg des nun von Dresden aus regierten Kursachsen begann.

„Glaube & Macht“ wird von den Staatlichen Kunstsammlungen Dresden am historischen Ort, in eigens restaurierten Teilen des Renaissance-Schlosses Hartenfels gezeigt. Wirtschaft, Verwaltung und Recht der Epoche präsentieren sich in der ehemaligen Kurfürstlichen Kanzlei, Musik und die Gottesdienstordnungen der Reformation in der Schlosskapelle, die als erster protestantischer Kirchenbau 1544 von Luther geweiht wurde. Im spätgotischen Albrechtsbau wird in chronologischer Ordnung und klarer Gliederung auf drei Etagen der Hauptteil der Schau gezeigt. Hier sind moderne Ausstellungssäle mit künstlichen Wänden und dezenter Beleuchtung entstanden, so dass nur der Blick nach oben, auf die originalen farbigen Balkendecken, an den historischen Ort erinnert. Der erste Ausstellungsteil „Glaube und Macht um 1500“ stellt die politischen Verhältnisse in Europa und im Reich sowie die Stellung von Kirche und Glauben in Staat und Gesellschaft vor. „Vom Thesenanschlag bis zur militärischen Eskalation“ schildert die Entwicklung der Reformation und die Rolle der sächsischen Herrscher. Der letzte Teil „Vom Schmalkaldischen Krieg zum Augsburger Religionsfrieden“ zeigt den Übergang der Kurwürde auf die Albertiner und deren neue Reichspolitik, gleichzeitig die Festschreibung zweier christlicher Konfessionen im Reich.

Kurze Einleitungstexte geleiten in jeden Raum. Die hier geübte Zurückhaltung ermöglicht es, dass die Texte zu manchen Exponaten längere Erklärungen bieten können, ohne den Besucher zu ermüden. Bei aller kunsthistorischen Akribie der Beschriftungen lassen anfangs jedoch manche Schilder eine Datierung vermissen. Die Präsentation lässt auch großen Objekten viel Raum und unterstützt so die eindringliche Wirkung. Es werden Kunstwerke aller Art und als Sachzeugnisse Bücher, Handschriften und Urkunden gezeigt. Die Landesausstellung will historisches Geschehen über die Aura der einzelnen, meist Kunstobjekte zeigen. Gezeigt werden viele bekannte Texte gezeigt, so ein Druck von Luthers 95 Thesen (1517), eine Ausfertigung der Bannandrohungsbulle Papst Leos X. gegen Luther (1520), ein Druck der Confessio Augustana von 1530, oder eine Urkunde des Augsburger Religionsfriedens von 1555.

Die Schau ist inhaltlich sehr dicht und verlangt vom Besucher intensives Einlassen. Der bloße Flaneur erfreut sich am Prunk der aus ganz Europa entliehenen Schätze, aber auch er wird sich immer wieder die historischen Ereignisse in Erinnerung rufen müssen, um Zusammenhänge herzustellen. Dass es eine Cranach-Ausstellung ist (und wegen des Elbe-Hochwassers nicht schon im Cranach-Jahr 2003 gezeigt wurde), wird in fast jeder Abteilung deutlich. Lucas Cranach der Ältere und seine Schule haben die Reformation propagandistisch mit ihrer Kunst begleitet, zu allen wichtigen Problemen der religiösen Auseinandersetzung wie zu politischen Geschehen Bilder geschaffen. Die Exposition interpretiert die Gemälde in ihrem historischen Kontext und hat das mit reformatorischen Anspielungen gespickte „Elias und die Baalspriester“ (1545) sogar zu ihrem Leit- und Titelbild gewählt. So konnte man in Torgau eine kunsthistorisch zurückhaltend gestaltete Schau erleben, die sich am Muster traditioneller Großausstellungen orientierte, d.h. an einem Ereignis mit überregionaler Wirkung, an das man durch ein Jubiläum erinnert. Der Aufsatzband enthält 26 vertiefende Beiträge zur Reichs-, Landes- und Kunstgeschichte, zu Kirche, Religion und Musik und damit eine kompakte Ergänzung des Katalogs. Dass man diesem ernsthaften neuen Standardwerk auch noch sinnliche Eindrücke abgewinnen kann, ist der beigefügten Audio-CD mit weltlicher und geistlicher Renaissancemusik zu verdanken.

Ganz andere Wege hat man in Sondershausen beschritten. Inhaltlich beginnt die Ausstellung „Neu entdeckt“ da, wo Torgau endet. Auch ihre Vorgeschichte ist die Teilung der Wettiner Linien (1485), doch sie geht zeitlich wie thematisch in die Breite, um den kulturellen Reichtum der mehr als 30 Kleinstaaten bis zum Ende der Monarchie 1918 zu zeigen. Denn, so Ausstellungsleiter Konrad Scheurmann, die Menge und Vielfalt der Residenzen sei „ein für die kulturelle Identität prägender Teil der Thüringer Kulturgeschichte“ (Kat. I, S. 10). Die verschiedenen Thüringer Dynastien hätten im Verlauf der Neuzeit keine besondere politische, wirtschaftliche und militärische Macht gewinnen können, sich aber umso mehr der Pflege kultureller Belange gewidmet. Diese in ihren Zusammenhängen vergessene Residenzkultur könnte nur kaleidoskopartig über „das Kleinteilige, Dezentrale, Disparate, auch Provinzielle“ (Kat. I, S. 11) wieder ins öffentliche Bewusstsein gerückt werden.

Die Ausstellung gliedert sich in 10 Abteilungen, in denen man von der Darstellung politischer Ordnung zu den kulturellen Leistungen schreitet: Dynastien und Territorien, Landesherr und Kirche, Wirtschaft und Soziales, Regenten und Regierungen, Schlösser und Gärten, Künstler und Gelehrte, Sammeln und Forschen, Erneuern und Bewahren, Festkultur sowie Militärgeschichte. Der größte Teil davon wird im rekonstruierten Marstall gezeigt. Sofort sieht man sich einer Fülle von Informationen ausgesetzt, welche die vielfältigen politischen Verflechtungen zu erklären versuchen. Vor allem die relativ dichte Hängung von Grafiken unter, und Gemälden über der Blickhöhe und die zu langen Einführungstexte lassen die Ausstellung sehr komplex wirken. Die nur an der Decke installierte Beleuchtung verärgert häufig als Blendung oder Verschattung. Auch einzigartige Kunstwerke oder kulturhistorische Objekte, wie der Prunksarg des Heinrich Posthumus Reuß (vor 1633), der auf das außergewöhnliche lutherische Funeralzeremoniell der Reußen verweist, können sich so nicht die gebührende Aufmerksamkeit sichern. Dabei finden sich hier Preziosen aus fast allen (Schloss-) Museen, Bibliotheken und Archiven Thüringens. Eingebettet in viele bekannte Beispiele, sind als beabsichtigte Entdeckung Objekte aus den kleineren Residenzen zu bewundern. Gerade Musikalien und Theaterschriften oder naturwissenschaftliches Sammlungsgut zeigen das lokale Schwarzburg-Sondershausen oder reußische Höfe als Orte ambitionierter Kunstpflege.

Auch diese Landesausstellung ist als Schatzkammer, als sprechende Schau wertvoller Objekte inszeniert, die von Erläuterungstafeln nur ergänzt werden sollte. Leider wird sie jedoch in der Fülle von mehr als 1000 Exponaten unübersichtlich und die gelegentlich eingestreuten Medienstationen wirken eher störend. Ganz konnte man in Sondershausen der Versuchung nicht widerstehen, der Kultur der Eliten sozialgeschichtliche Andeutungen beizufügen, doch die Umsetzung stört den Eindruck. So passt es in der Abteilung zur Wirtschaftsgeschichte zwar ins Bild, wenn der Gewerbefleiß der immigrierten Hugenotten oder Buchdruck, Verlagswesen und Porzellanmanufakturen als Wirtschaftsförderung der Herrschenden erscheinen. Ob jedoch eine wechselnde Projektion historischer Stadtansichten inmitten einer Art Diorama von Fachwerkhäusern, mit zeitgenössischer Mahnung zur fürstlicher Mäßigung auf dem Boden und eingespielten Geräuschen eines geruhsamen Landstädtchens, das dinglich kaum überlieferte Alltagsleben in einer kleinen Residenz sinnlich veranschaulichen kann, bleibt mehr als fraglich.

Das Disparate ordnet sich erst dort, wo sich die Institution Museum selbst bespiegelt: Im Raum „Sammeln und Forschen“ werden die verschiedensten fürstlichen oder in ihrem Umkreis entstandenen Sammlungen gezeigt. Von einem Observatorium en miniature, das unten die astronomischen Ambitionen Ernst II. von Sachsen-Gotha-Altenburg zeigt, hat man gleichzeitig einen großartigen Überblick auf die Wunderkammer Thüringen, etwa auf Objekte der Gothaer Kunstkammer, Gemälde des Weimarer Schlossmuseum, italienische Malerei der Frührenaissance aus dem Lindenau-Museum Altenburg oder naturhistorische Kabinette aus Sondershausen und Rudolstadt.

Das lokale Beispiel, das Sondershäuser Schloss, könnte besser eingebunden sein. Die letzten Teile der Ausstellung wirken etwas verloren in den langen Suiten. En passant entdeckt man hier noch schön ornamentierte Parkettböden, betritt aber eher unverhofft die bedeutenden Festsäle. Hätte hier nicht auch die Möglichkeit bestanden, die Aura des gelebten Ortes besser zu nutzen, lokale Residenzgeschichte lebendig werden zu lassen? Sprachen nur konservatorische Gründe dagegen, etwa den Teil „Landesherr und Kirche“ in der Schlosskapelle zu zeigen? So durchläuft man die Räume des Schlosses, die zunehmend weniger Bezug zur Landesausstellung und damit Besucher haben, und stößt gleichsam im letzten Winkel auf die Präsentation der höfischen Festkultur, die leider in den etwas gedrungenen, ihren Sanierungsbedarf nicht verbergenden Renaissanceräumen des Südflügels ihren zumeist barocken Glanz nicht recht zur Geltung bringen kann.

Spätestens hier fragt sich der Besucher, warum die Ausstellung derart breit angelegt wurde. Der starre Blick auf alles bisher zu wenig Beachtete hat nicht nur zu einer Ausweitung auf die gesamte Neuzeit geführt, obwohl sich viele Aspekte an einer Blütezeit zwischen 1648 und 1806 noch deutlicher gezeigt hätten. Auch inhaltlich hat etwa die Behandlung des 19. Jahrhundert ganz neue Themen erzeugt. So wäre dessen Kunstförderung eine eigene Schau wert oder die Geschichte der Thüringischen Industrie, von der die Ausstellungsmacher selbst gestehen, dass sie „eher unbeeinflusst von den Adelshäusern“ (Kat. I, S. 12) verlief, aber eben bisher kaum erforscht sei. Vieles wurde nur angerissen ohne im Zusammenhang interpretiert zu werden. Thüringen dürfte es schwer haben, für eine folgende Großausstellung neuzeitliche Themen wiederum als ganz „neu entdeckt“ herausstellen zu können. Denn auch der identifikatorische Anspruch, das Einzigartige Thüringens zu zeigen, ist mit dieser kosmologischen Schau nicht eingelöst. Was dem modernen Auge fehlt, sind das stringente Konzept, die ordnende Hand. Hier hat Thüringen quasi ein temporäres Landesmuseum geschaffen, in dem man vor allem Kunst und Kultur der vielen Fürstentümer zusammen erleben und als Bildungstourist eigentlich auf Rundreisen verzichten kann. Vergleiche zwischen den Residenzen waren nicht beabsichtigt und so fällt es auch dem Besucher schwer, eine Wertung zu treffen.
Das verworrene Bild könnte der Katalogband glätten, der mit seinen angekündigten 40 wissenschaftlichen Beiträgen an die Katalogthemen anschließt. Deutlicher als in der Exposition widmen sich die Autoren darin dem ‚Herbst der Höfe’ nach 1806. Aufgrund seiner thematischen Breite dürfte das Werk zum bisher fehlenden Standardwerk zur Thüringer Herrschafts- und Kulturgeschichte der Neuzeit avancieren. Leider ist er auch jetzt, am Ende der Ausstellung, noch nicht erschienen, und lässt somit eine endgültige Bewertung noch nicht zu.

Im Vergleich stellen sich beide Länder mit diesen Ausstellungen sehr verschieden dar. Thüringen versteht sich auch heute als Region kultureller Vielfalt und Qualität und zeigt seine Geschichte als föderalistischen Mikrokosmos in der Bundesrepublik. Probleme der Kleinstaaten, wie wirtschaftliche und politische Unbeweglichkeit, geringe Entwicklungsmöglichkeiten, das oft Marginale und weniger Regional- als Zeittypisches werden ausgeblendet. Sachsen zeigt Stolz auf die Weltwirkung der hier begonnenen Reformation und die Folgen der hiesigen Ereignisse, auch wenn dies heute wohl gerechterweise mit dem nahen anhaltinischen Wittenberg zu teilen wäre. Mit dem Prunk der bis heute in Dresden erhaltenen Kunstschätze feiert man die Stärke des damals begründeten, weitgehend stabilen Zentralstaates. Auch in diesem engen zeitlichen Focus liegt die Gefahr, allzu teleologisch zu erzählen und damit Wissenschaft und Ausstellungsästhetik einer Landespolitik unterzuordnen. In der Zusammenschau schließlich wird vor allem deutlich, wie eng die historischen Verflechtungen der drei mitteldeutschen Bundesländer sind, und es bleibt die Frage, ob es nicht Zeit für eine große länderübergreifende Schau wäre.

Anmerkungen:
[1] Mai, Ekkehard, Expositionen. Geschichte und Kritik des Ausstellungswesens, München 1986, S. 73.
[2] Thamer, Hans-Ulrich, Vom Heimatmuseum zur Geschichtsschau. Museen und Landesausstellungen als Orte der Erinnerung und Identitätsstiftung, in: Westfälische Forschungen 46 (1996), S. 430.
[3] Mai (wie Anm. 1), hier S. 48, S. 65-72. Ähnlich Ministerpräsident Althaus über die Thüringer Landesausstellung 2004: Sie „verdeutlicht, auf welchen historischen Fundamenten wir stehen […] Von der Landesausstellung sollen Impulse ausgehen“ (Kat. I, S. 6).

Zitation
Johanna Sänger: Rezension zu: Glaube und Macht, 24.05.2004 – 10.10.2004 Torgau, in: H-Soz-Kult, 09.10.2004, <www.hsozkult.de/exhibitionreview/id/rezausstellungen-24>.
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09.10.2004
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