Ort
Innsbruck, Hofburg
Veranstalter
Burghauptmannschaft Österreich, Hofburg Innsbruck
Datum
25.05.2019 - 12.10.2019
Publikation
Frenzel, Monika; Gepp, Christian; Wimmer, Markus (Hrsg.): Maximilian 1. Aufbruch in die Neuzeit InnsbruckHaymon , ISBN 978-3-7099-3462-3, Url: https://www.burghauptmannschaft.at/Betriebe/Hofburg-Innsbruck/Maximilian-1.html
Rezensiert für H-Soz-Kult von
Maximilian Krüger, Institut für Geschichtswissenschaften und Europäische Ethnologie, Leopold-Franzens-Universität Innsbruck

Kaiser Maximilian I. (1459–1519), der dem Haus Habsburg Weltgeltung verschaffte, ist eine der Schlüsselfiguren der österreichischen Geschichtsschreibung. Wenn man heute, nach 500 Jahren, auf ihn zu sprechen kommt, hat man wahrscheinlich zuerst das markante Profil des Habsburgers vor Augen. Vielleicht denkt man an die Tafelmalereien von Bernhard Strigel, die den römisch-deutschen König auf der Höhe seines Lebens präsentieren: im vergoldeten Prunkharnisch mit Krone, Zepter und Schwert; oder das letzte berühmte Bildnis, von Albrecht Dürer, das den Kaiser am Ende seines Lebens zeigt.

Dem bekanntesten aller Habsburger, der sich in vielerlei Hinsicht von den Herrschergestalten vorangegangener Zeiten, aber auch seiner eigenen Zeit, sonderbar abhebt, widmete die Burghauptmannschaft Österreich anlässlich seines 500. Todestages eine Jubiläumsausstellung, die zugleich einer der Höhepunkte des vom Land Tirol ausgerufenen Maximilianjahres[1] war.


Abb. 1: Plakat der Ausstellung
Copyright: Burghauptmannschaft Österreich

Von Anfang an stand dabei fest, die Jubiläumsausstellung nach dem Abschluss des Maximilianjahres in eine Dauerpräsentation (seit dem 22. November 2019) zu überführen. Die Projektbeteiligten[2] waren herausgefordert, ein inhaltlich anspruchsvolles wie zeitgemäßes museumsdidaktisches Ausstellung- und Vermittlungskonzept („living museum“) zu entwickeln, das auch nach Abgang der Leihgaben nicht an Relevanz verlieren sollte. Neben wechselnden Sonderausstellungen wurde eine Museums-App entwickelt, die, durch den Einsatz modernster Augmented Reality-Technik, Zusatzinhalte zu den ausgestellten Objekten und Komponenten bietet, wodurch die Ausstellung um eine virtuelle Ebene erweitert wird.

Das intendierte Vermittlungsziel der von Monika Frenzel kuratierten und von Manfred Hollegger wissenschaftlich begleiteten Exposition ist es, die Geschichte Maximilians I. anhand ausgewählter Momente und prägnanter Aspekte zu erzählen. Die Narration der Lebensgeschichte steht dabei im Mittelpunkt, doch wird diese in den Kontext der Zeitenwende, des Übergangs vom Mittelalter zur Neuzeit, gesetzt, und damit verbunden werden Einblicke in die Strukturen und die Lebenswelt um 1500 gegeben.

Die Ausstellung, die sich mit rund 800 m² auf mehr als 20 Räume verteilt, lässt sich in sieben Themenfelder gliedern, anhand derer die Besucher schrittweise durch die verschiedenen Lebensabschnitte des Kaisers geführt werden. Die Ausstellung beginnt an der Mündung eines überdimensionierten Kanonenrohrs, das für die zahlreichen Kriege des artilleriebegeisterten Habsburgers steht. Nachdem man die Mordmaschine durchschritten hat, gelangt man in eine holzgetäfelte Kammer, mit der das erste Themenfeld eröffnet wird. Der liebevoll eingerichtete Raum, angelehnt an die „Kürnstube“ im heute nicht mehr erhaltenen Wappenturm der Hofburg, in der einstmals die Jagdtrophäen aufbewahrt wurden, stellt anhand mehrerer Exponate den Menschen Maximilian vor, der in einer Rückschau auf sein Leben blickt. Der darauffolgende Raum thematisiert Herkunft, Geburt, Kindheit, Jugend und Erziehung des Kaisersohnes.


Abb. 2: Raum 5: "Kindheit und Jugend". Eine Videoinstallation zeigt den jungen Maximilian an der Totenbahre der Mutter
Copyright Burghauptmannschaft Österreich

Die ihn für sein ganzes Leben prägende Begegnung mit Burgund wird durch die nächste Rauminstallation in Form eines Kriegszeltes visualisiert, das Bezug auf den Fürstentag von Trier (1473) nimmt. Dort hatten seinerzeit Kaiser Friedrich III. (1415–1493) und Herzog Karl der Kühne (1433–1477) über eine dynastische Verbindung ihrer Kinder verhandelt. Die beiden Väter sind durch überlebensgroße Nachbildungen der Bronzefiguren vom Grabmal in der Hofkirche auf eindrucksvolle Weise körperlich präsent.


Abb. 3: Raum 6: "Burgund". Das burgundische Kriegszelt mit Kaiser Friedrich III. und Herzog Karl dem Kühnen
Copyright Burghauptmannschaft Österreich

Vom Burgunderzelt gelangt man in einen durch einen Springbrunnen angedeuteten Palastgarten, in dem die verfeinerte burgundische Hofkultur in ihren verschiedenen Ausprägungen und Maximilians erste Ehefrau, Maria von Burgund (1457–1482), vorgestellt werden. Vorlage für diese dramaturgische Rauminszenierung ist ein Holzschnitt aus dem Weisskunig, dem autobiografischen Lebensroman des Kaisers.

Das zweite Themenfeld nimmt, über mehrere Räume verteilt, die maximilianische Festkultur unter besonderer Berücksichtigung der Residenz Innsbruck in den Blick. Eine akustisch und optisch stimmungsvolle Präsentation[3], für die verschiedene Szenen aus dem Turnierbuch Freydal zum Leben erweckt wurden, vermittelt einen Eindruck von den heiteren Mummereien, Kostümmoden, Tänzen und Musikinstrumenten am maximilianischen Hof. Den Mummereien stehen die Turniere[4], Maximilians anderer großen Leidenschaft, gegenüber. Die prachtvollen Kampfszenen aus dem Freydal, die kleine Helmschau mit den extravagant zimierten Visierhelmen und die ausgestellten Exponate zum Rennen und Stechen betonen die Bedeutung des gesellschaftlichen Ereignisses Turnier. An einer Mitmachstation haben die Besucher die Gelegenheit, sich in die Perspektive eines Ritters zu versetzen. Eine Medienstation lädt dazu ein, durch die farbenfrohen Aquarellmalereien der Turnierbücher zu blättern und die unterschiedlichen Turnierformen kennenzulernen.

Die materiellen und finanziellen Grundlagen für die Kriege des Kaisers werden im dritten Themenfeld aufgezeigt. Innsbruck war, wie die nächsten Räume illustrieren, ein bedeutender Wirtschaftsstandort, der aufgrund der ansässigen Gießereien und Plattnereien, in denen die Rüstungen und Kanonen gefertigt, aber auch Glocken gegossen wurden, zu einem florierenden Zentrum des Frühkapitalismus aufstieg. Thematisiert werden neben dem regionalen Silberbergbau und der Münzproduktion auch die Geldpolitik des permanent hochverschuldeten Tiroler Landesherrn und seine Abhängigkeit von den Augsburger Fuggern. Der thematisch daran anschließende Raum, der wie das Unterdeck eines Schiffes gestaltet ist, leitet zur europäischen Expansion über. Im Dämmerlicht des mit Tauen, Kisten, Fässern und Säcken beladenen Schiffsbauchs erfährt man unter anderem von den Expeditionen nach Indien und Goa und kann die Schätze aus der Neuen Welt (Nelken, Kukumber, Kardamom, Sternanis) olfaktorisch entdecken.


Abb. 4: Raum 14: "Expeditionen". Blick in einen Schiffsbauch
Copyright Burghauptmannschaft Österreich

Das vierte Themenfeld führt anhand der Eheschließung mit der mailändischen Fürstentochter Bianca Maria Sforza (1472–1510) an adelige Luxuskultur, an das Leben bei Hofe und die waghalsigen Schaujagden heran, die durch Szenen aus dem Theuerdank und dem Jagd- und Fischereibuch illustriert werden. Ein herausragendes Exponat stellt dabei die kunstvolle Replik des Brautschmucks von Bianca Maria dar, der nach Vorlage einer Porträtmalerei eigens für die Ausstellung von Swarovski nachgebildet wurde.


Abb. 5: Raum 12: "Bianca Maria Sforza und das Hofleben". Replika des Brautschmucks von Bianca Maria Sforza
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Das fünfte Themenfeld dokumentiert Maximilians Wirken als Bauherr und Stadtentwickler. Ein digitales 3D-Modell gibt neben ausgelegten Konstruktionsplänen und Stadtansichten aufschlussreiche Einblicke in die bauhistorischen Entwicklungen der spätgotischen Hofburg.

Im Zentrum des sechsten Themenfelds stehen Krankheit, Tod und Memoria – der Wunsch nach Unsterblichkeit. Dafür stellte Maximilian das neue Medium Buchdruck in seinen Dienst und gab Ruhmeswerke wie seine autobiografische Trilogie, die Ehrenpforte und den Triumphzug in Auftrag. Die Ehrenpforte, eine monumentale Schauwand nach Vorbild der antiken Triumphbögen, setzt sich in der Rauminszenierung in einer textilen Ausführung aus mehreren versetzt angeordneten Stoffbahnen zusammen. Der Triumphzug, welcher alle politischen Höhepunkte des maximilianischen Lebens präsentiert, wird als verfilmte 3D-Präsentation gezeigt. Dominiert wird der Raum von einer überlebensgroßen Statue von Philipp dem Schönen (1478–1506), die zur Krönung des kaiserlichen Gedächtnisses überleitet. Das kaiserliche Hochgrab in der Hofkirche wird in der Ausstellung in einer multimedialen Inszenierung durch Augmented Reality hautnah erlebbar. Auf die Wände des Raumes und im Raum positionierte gespiegelte Stelen werden unter sphärischen Klängen und in rascher Abfolge digitale Aufnahmen des Kenotaphs aus verschiedenen Perspektiven projiziert. Das virtuelle Kaisergrab in der Hofburg schlägt damit einen natürlichen Bogen zum realen Grabmonument in der Hofkirche.


Abb. 6: Raum 17: "Die ewige Gedechtnus - Der Kenotaph". Multimediale Inszenierung des kaiserlichen Hochgrabs in der Innsbrucker Hofkirche
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Das siebte Themenfeld schließt mit der Heiratspolitik Maximilians und seinem dynastischen Vermächtnis, mit dem der weitere Aufstieg der Habsburger begründet wurde.

Kaiser Maximilian hatte zu Lebzeiten große Anstrengungen unternommen, nicht vergessen zu werden und der Nachwelt im Gedächtnis zu bleiben. Doch die Erinnerung an ihn beginnt außerhalb des wissenschaftlichen Elfenbeinturms und gerade mit Blick auf die deutsche Erinnerungskultur langsam zu verblassen. Dazu hat einerseits eine stetige Marginalisierung des schulischen Geschichtsunterrichts verbunden mit einem Niedergang der Allgemeinbildung beigetragen; andererseits ein neues, von Geschichte weitgehend losgelöstes Gesellschaftsmodell, dass sich als postnational und postheroisch definiert. Die allgemeine biografische Kenntnis über Maximilian I. erschöpft sich zumeist in dem mit seiner Person untrennbar verbundenen Beinamen eines letzten Ritters, ein dekoratives, aber inhaltsloses Etikett, das ihm in Anbetracht seiner facettenreichen Persönlichkeit und seines Vermächtnisses für die Dynastie und Österreich nicht ansatzweise gerecht wird. Doch gerade hierin offenbart sich die gesellschaftliche Relevanz musealer Wissensvermittlung. Es ist das Verdienst dieser Dauerausstellung, dass sie nicht nur in überaus gelungener Weise Kaiser Maximilian würdigt und ihm einen Ort des Gedenkens – gegen das Vergessen – geschaffen hat, sondern auch, dass damit ein immanenter Beitrag zum Verständnis von Landesgeschichte und Kultur geleistet wird.

Zur Ausstellung ist ein opulenter Katalog[5] im Haymon Verlag erschienen, der die wesentlichen Exponate abbildet. Thematisch vielseitige Beiträge ausgewiesener Fachleute bieten die Möglichkeit zur inhaltlichen Vertiefung.

Anmerkungen:
[1] Vgl. Maximilian Krüger, Rezension zu: Michael Forcher / Christoph Haidacher (Hrsg.), Kaiser Maximilian I. Tirol, Österreich, Europa, 1459–1519, Innsbruck 2018; Sabine Weiss, Maximilian I. Habsburgs faszinierender Kaiser, Innsbruck 2018, in: H-Soz-Kult, 20.08.2019, <https://www.hsozkult.de/publicationreview/id/reb-27860> (14.01.2021).
[2] Projektleitung: Hofrat Mag. Markus Wimmer; Assistenz der Projektleitung: Christian Gepp M.A.; Kuratorin: Dr. Monika Frenzel; Assistenz der Kuratorin: Stefanie Heim M.A.; Ausstellungsarchitekt: Gerhard Veigel; Art-Director: Manfred R. Corrine.
[3] Tänze und Mummereien am Hofe Kaiser Maximilians I., Präsentation in der Hofburg Innsbruck, seit 3. Juli 2020.
[4] Maximilian1 – der Kaiser und seine Turniere, Sonderausstellung in der Hofburg Innsbruck vom 28. Mai bis 10. Oktober 2021.
[5] Monika Frenzel / Christian Gepp / Markus Wimmer (Hrsg.), Maximilian 1. Aufbruch in die Neuzeit, Innsbruck 2019.

Zitation
Maximilian Krüger: Rezension zu: Maximilian 1. Aufbruch in die Neuzeit, 25.05.2019 – 12.10.2019 Innsbruck, Hofburg, in: H-Soz-Kult, 15.01.2022, <www.hsozkult.de/exhibitionreview/id/rezausstellungen-388>.