Verbundprojekt „Geschichtsnarrative in Europa“ (Daimler und Benz Stiftung)

Verbundprojekt „Geschichtsnarrative in Europa“ (Daimler und Benz Stiftung)

Institution
Daimler und Benz Stiftung
PLZ
68526
Ort
Ladenburg
Land
Deutschland
Bewerbungsschluss
01.12.2022
Von
Jörg Klein, Daimler und Benz Stiftung

Verbundprojekt „Geschichtsnarrative in Europa“ (Daimler und Benz Stiftung)

Die Daimler und Benz Stiftung fördert in den nächsten Jahren in ihrem Format Ladenburger Kolleg das Thema „Geschichtsnarrative in Europa zwischen Konflikt und Dialog“ und stellt hierfür für einen Forschungsverbund einen Betrag in Höhe von bis zu 500.000 Euro pro Jahr (Laufzeit max. drei Jahre) zur Verfügung. Antragsberechtigt sind unabhängige Forschungsgruppenleiter und -leiterinnen an Hochschulen und gemeinnützigen außeruniversitären Forschungseinrichtungen.

cooperative project “Historical Narratives in Europe” (Daimler and Benz Foundation)

Over the next few years, the Daimler and Benz Foundation will be supporting the topic of “Historical Narratives in Europe between Conflict and Dialog” in its Ladenburg Research Networks format and will be providing funding of up to 500,000 euros per year (for a maximum term of three years) for such a Research Network. Independent research group leaders (professors, junior professors, postdoctoral researchers) from universities and non-profit extra-university research institutions are eligible to apply.

Verbundprojekt „Geschichtsnarrative in Europa“ (Daimler und Benz Stiftung)

1. Beschreibung des Forschungsthemas

Mit dem Format Ladenburger Kolleg greift die Stiftung wichtige gesellschaftliche Trends auf. In einer Zeit, in der sich nationalistische Geschichtsnarrative in Europa ausbreiten, möchte die Stiftung durch diese Ausschreibung ein Projekt fördern, das Wege aufzeigt, wie das Konfliktpotenzial umstrittener Geschichte entschärft und offene Dialoge über antagonistische Narrative in Gang gesetzt werden können. Der Fokus des Projekts soll auf Europa liegen, ist aber nicht auf zwischenstaatliche Konflikte beschränkt, sondern kann sich auch auf innergesellschaftliche Kontroversen richten. Internationale Zusammenarbeit ist dabei ausdrücklich erwünscht.

1.1 Herausforderung/Motivation

Historische Narrative können dazu beitragen, die eigene Nation, Ethnie usw. zu überhöhen und Feindbilder zu schüren. Auch in Europa, wo sie lange Zeit auf dem Rückzug schienen, werden sie wieder erfolgreich von populistischen Bewegungen und autoritären Regierungen instrumentalisiert. Sie sollen unter anderem die Abkehr von der europäischen Integration und neuerdings sogar wieder Gebietsansprüche und Krieg legitimieren. Die Geschichts-, Kultur- und Sozialwissenschaften stellt diese Entwicklung vor besondere Herausforderungen. Ihre Aufgabe besteht nicht nur in der Kritik an und Aufklärung über die politische Instrumentalisierung der Geschichte, sondern auch darin, die Grundlagen für geteilte historische Narrative zu legen. Aus dieser Verantwortung sollen Projekte gefördert werden, die sowohl kritische Bestandsaufnahmen bisheriger staatlicher und zivilgesellschaftlicher Initiativen zum Ziel haben als auch neue Ideen, Konzepte und Formate entwickeln.

1.2 Ausschreibungsfokus

Die Ausschreibung will interdisziplinär angelegte Projektideen aus den Geschichts-, Kultur- und Sozialwissenschaften ermutigen. Die Beteiligung ausländischer Projektpartner ist ausdrücklich erwünscht. Im Mittelpunkt der Fragestellung soll das Spannungsverhältnis von historischen Narrativen stehen, wobei der Zugang sowohl empirisch-analytisch als auch auf die Erarbeitung praktischer Ansätze gerichtet sein kann.

Im Mittelpunkt des aktuellen öffentlichen Interesses stehen die antagonistischen historischen Narrative Osteuropas, doch schließt der europäische Fokus der Ausschreibung auch andere Teile des Kontinents ein, etwa Geschichtserzählungen, die Unabhängigkeitsbestrebungen in Westeuropa begründen sollen. Die deutschen Erfahrungen mit dem Streben nach Überwindung antagonistischer und trennender historischer Narrative können ebenfalls thematisiert werden, sollen jedoch nicht als normatives Modell vorausgesetzt werden.

Konfliktäre historische Narrative müssen nicht in Gänze empirisch falsch sein, doch sie zeichnen sich dadurch aus, dass sie sich gegen äußere und/oder innere „Feinde“ richten und zu diesem Zweck politisch instrumentalisiert werden. Geteilte Narrative wiederum zielen nicht primär auf Konsens oder die Einebnung von Kontroversen, sondern beruhen auf Dialog und der Pluralität von Perspektiven. Die methodischen Standards der Geschichtswissenschaft ermöglichen im Idealfall eine ergebnisoffene Argumentation und Verständigung, können jedoch weder im politischen Raum noch in medialen Öffentlichkeiten auf allgemeine Akzeptanz hoffen. Wo Meinungs- und Wissenschaftsfreiheit eingeschränkt sind und Geschichtserzählungen verbindlich vorgeschrieben werden, ist die Suche nach geteilten Narrativen und multiperspektivischen Erinnerungen schwierig und riskant. Daher möchte die Ausschreibung neben bisherigen Forschungsprojekten ausdrücklich auch unkonventionelle sowie unerprobte Ideen und Formate ermutigen.

Im Mittelpunkt der Förderung können z. B. stehen:

- Möglichkeiten und Grenzen gemeinsamer bi- oder multinationaler Schulbuchprojekte
- Kontroversen über „Geschichtsgesetze“, die historische Narrative rechtlich sanktionieren
- Bi- und multinationale zivilgesellschaftliche Initiativen zur Aufarbeitung von Geschichte und zur Ermöglichung unterschiedlich wahrgenommener Erinnerungen
- Kontrastive Analyse von Narrativen in Museen, Erinnerungsritualen und Populärkultur

2. Beschreibung des Förderformats

Beim Förderformat Ladenburger Kolleg handelt es sich um ein in der Regel für einen Zeitraum von drei Jahren gefördertes Forschungsvorhaben, dessen Ergebnisse publiziert werden. Unter der Leitung eines wissenschaftlichen Koordinators, der die Sprecherfunktion im Verbund einnimmt, wird ein von der Stiftung vorgegebenes Forschungsthema (hier: „Geschichtsnarrative in Europa zwischen Konflikt und Dialog“) von mehreren Arbeitsgruppen an unterschiedlichen wissenschaftlichen Einrichtungen im In- und Ausland gemeinsam bearbeitet. Die Mitglieder eines Kollegs agieren in hohem Maße frei, legen ihr Forschungsprogramm eigenständig fest und kommen bei regelmäßigen Treffen in der Stiftung zusammen.

Die Stiftung finanziert vorrangig Stellen für Promovierende sowie Reisemittel; Sachmittel können nur in einem sehr begrenzten Umfang bewilligt werden. Nicht beantragt werden können Kosten für Grundausstattung, Overheads sowie Verwaltungskosten. Die Stelle des Koordinators kann nur dann beantragt werden, wenn der Stelleninhaber aktiv an der Forschungstätigkeit des Kollegs teilnimmt. Die Forschungsverbünde Ladenburger Kollegs stehen prinzipiell Wissenschaftlern sämtlicher Disziplinen offen.

3. Antragstellung

Die Daimler und Benz Stiftung nimmt Projektskizzen für ein Verbundprojekt (keine Einzelprojekte) in deutscher oder englischer Sprache zunächst per E-Mail (info@daimler-benz-stiftung.de) entgegen. Nach einer Vorauswahl und Erstbegutachtung werden einzelne Antragsteller von der Stiftung aufgefordert, Vollanträge zur Begutachtung einzureichen.

3.1 Antragsskizze

Antragsskizzen können bis zum 1. Dezember 2022 eingereicht werden. Diese sollten folgende Informationen enthalten:

a) Antragsteller (Wissenschaftlicher Koordinator des Verbunds; Name, Funktion, Institution, Anschrift, Kontaktdaten)
b) Projekttitel und -beschreibung (max. 3 DIN A4-Seiten)
c) Beantragtes Budget
d) Liste der teilnehmenden Wissenschaftler bzw. Institutionen

3.2 Vorprüfung durch Stiftung

Nach Eingang wird die Antragsskizze durch die Stiftung geprüft. Die Prüfung kann bis zu vier Wochen dauern. Wir bitten, während dieser Phase von Nachfragen bei der Stiftung abzusehen.

3.3 Vollantrag

Nach positiver Vorprüfung wird der Antragsteller durch die Stiftung eingeladen, einen ausführlichen Vollantrag einzureichen. Zusätzlich zu den Angaben der Antragsskizze sollte dieser Vollantrag folgende Informationen enthalten:

1. Ausführliche Projektbeschreibung mit Angaben zum Stand der Forschung und Einordnung des geplanten Forschungsprojekts (max. 20 DIN A4-Seiten)
2. Angaben zur gesellschaftlichen Relevanz des Projekts
3. Angaben zu allen Projektbeteiligten (Mitantragsteller, Projektleitung, Kooperationspartner, Kofinanzierende etc.)
4. Detaillierter Finanzplan
5. Zeit- und Meilensteinplan

Der Vollantrag mit allen Anlagen kann ausschließlich über das Online-Portal der Stiftung eingereicht werden. Bei der Anmeldung sollte beachtet werden, dass ausschließlich die zuvor im Antragsportal registrierten Personen Zugriff auf die Antragsdaten haben, einen Antrag einreichen können und E-Mail-Benachrichtigungen erhalten. Es ist daher erforderlich, dass sich projektverantwortliche Antragsteller selbst registrieren oder ggf. Mitarbeiter mit der Einrichtung eines Benutzerkontos im jeweiligen Namen und der Hinterlegung einer E-Mail-Adresse beauftragen.

3.4 Prüfung durch Stiftung

Der Vollantrag wird nach dem Eingang stiftungsintern geprüft und unter Heranziehung externer Gutachter evaluiert.

3.5 Endgültige Entscheidung durch Vorstand und Geschäftsführung

Die endgültige Entscheidung über den Vollantrag fällen der Vorstand und die Geschäftsführung der Stiftung.

4. Ansprechpartner

Bei Rückfragen steht Ihnen der Geschäftsführer der Stiftung, Dr. Jörg Klein, gern zur Verfügung.

Tel.: 06203-10920
E-Mail: klein@daimler-benz-stiftung.de

*Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird auf die gleichzeitige Verwendung weiblicher und männlicher Sprachformen verzichtet. Sämtliche Personenbezeichnungen gelten für Personen aller Geschlechter. Wir möchten die in den Texten der Stiftung verwendete Form als geschlechtsneutral und wertfrei verstanden wissen.

cooperative project “Historical Narratives in Europe” (Daimler and Benz Foundation)

1. Description of the research topic

With its Ladenburg Research Networks format, the Foundation addresses significant social trends. At a time when nationalistic historical narratives are spreading in Europe, the Foundation would like to support a collaborative project that points out ways of defusing the conflict potential of contested historical perspectives and to initiate open dialog regarding antagonistic narratives. The project is to focus on Europe; it is not limited to conflicts between states, but can also address controversies within societies. International cooperation is expressly encouraged.

1.1 Challenge/Motivation

Historical narratives may involve the glorification of one’s own nation, ethnicity, etc., and intensify enemy stereotypes. Even in Europe, where these had long appeared to be on the decline, they are now once more being successfully instrumentalized by populist movements and authoritarian governments. Among other things, they are intended to legitimize a renunciation of European integration and, more recently, even territorial claims and war. This development poses particular challenges for the historical, cultural, and social sciences. Their task is not only to critically comment on and to provide enlightenment regarding political instrumentalization of history, but also to lay the foundations for shared historical narratives. In view of this responsibility, projects are to be funded that aim both to critically assess initiatives that have arisen to date, and to develop new ideas, concepts, and formats.

1.2 Focus of the call for applications

The call for applications sets out to encourage project ideas of an interdisciplinary nature from the fields of history, cultural studies, and the social sciences. Participation of foreign project partners is expressly welcomed. The analyses should focus on the tense relationship between historical narratives, based on the methodology which can be either empirical-analytical or be directed towards the development of practical approaches.

While public interest is currently concentrating on the antagonistic historical narratives of Eastern Europe, the European focus of the call for applications also extends to other parts of the continent, such as historical accounts that are intended to substantiate aspirations for independence in Western Europe. The German experience of striving to overcome antagonistic and divisive historical narratives may also be addressed, but should not be presupposed as a normative model.

While conflictual historical narratives need not be empirically false in their entirety, they are substantially directed against external and/or internal “enemies” and are politically instrumentalized for this purpose. Shared narratives, on the other hand, do not primarily aim at consensus or a leveling of controversy, but are based on dialogue and a plurality of perspectives. Ideally, the methodological standards of historical scholarship allow open-ended discourse and understanding, but cannot hope to achieve widespread acceptance either in the political sphere or in the media. Where freedom of opinion and scholarship are restricted and historical narratives are rigorously prescribed, the search for shared narratives and multi-perspective memories is difficult and risky. In addition to previous research projects, this call for proposals therefore also explicitly encourages unconventional and untested ideas and formats.

Funding may focus for example on:

- possibilities and limitations of cooperative bi- or multinational school textbook projects
- controversy regarding “legislation of history” that legally sanctions historical narratives
- bi- and multinational initiatives from civil society to reassess history and enable differently perceived memories
- contrastive analysis of narratives in museums, memory rituals, and popular culture

2. Description of the funding format

The Ladenburg Research Networks funding format comprises a research project normally funded for a period of three years, the findings of which are published. Under the leadership of a scientific coordinator who assumes the function of spokesperson within the Network, a research topic specified by the Foundation (in this case: “Historical Narratives in Europe between Conflict and Dialog”) is jointly investigated by several research groups at different scientific institutions in Germany and abroad. The members of a Research Network act with a high degree of freedom, autonomously determine the course of their research program, and come together for regular meetings on the Foundation’s premises.

The Foundation primarily finances positions for doctoral candidates as well as travel funds; consumables can only be founded to a very limited extent. Financing of basic equipment, overheads, or administrative costs cannot be applied for. The position of coordinator can only be financially supported if the applicant actively participates in the research activities of the Network. The Ladenburg Research Networks are fundamentally open to academics from all disciplines.

3. Applications

The application and evaluation occur as a two stage process: The Daimler and Benz Foundation initially receives project outlines for collaborative projects (not individual projects) in German or English by e-mail (info@daimler-benz-stiftung.de). Following a pre-selection process and initial review, individual applicants are invited by the Foundation to submit full proposals for assessment.

3.1 Application outline (1st stage)

Draft proposals may be submitted up until December 1, 2022. These should include the following information:

a) Data of the applicant (scientific coordinator of the consortium; name, function, institution, address, contact details)
b) Project title and description (max. 3 A4 pages)
c) Requested budget
d) List of participating scientists and institutions

3.2 Preliminary assessment by the Foundation

Following receipt, the project outlines are reviewed by the Foundation. This process can take up to four weeks; we ask you to refrain from making inquiries to the Foundation during this phase.

3.3 Full application (2nd stage)

Following a positive preliminary review, the successful applicants are invited by the Foundation to submit a detailed full application. In addition to the information provided in the project outline, this full application should include the following information:

1. Detailed description of the project, with information on the current state of research and context of the planned project (max. 20 A4 pages)
2. Information concerning the relevance of the project in the given context of the call
3. Details of all project participants (co-applicants, project management, cooperation partners, co-financers, etc.)
4. Detailed financial plan
5. Time-line and overview of key milestones

The full application, with all attachments, can only be submitted via the Foundation’s online portal. When registering, please note that only persons previously registered in the application portal can access the application data, submit applications, and receive e-mail notifications. It is therefore necessary for applicants responsible for a project to register themselves or, where appropriate, to appoint an employee to set up a user account in the respective name and to provide an e-mail address.

3.4 Evaluation by the Foundation

Following receipt, the full proposal is reviewed internally by the Foundation and evaluated with the assistance of external experts.

3.5 Final decision by the Board of Directors and management

The final decision regarding the full proposal is made by the Executive Board and the Foundation management.

4. Contact

If you have any questions, please do not hesitate to contact the Foundation’s Managing Director, Dr. Jörg Klein.

Tel.: +49 (0)6203-10920
Email: klein@daimler-benz-stiftung.de

Kontakt

Dr. Jörg Klein

https://www.daimler-benz-stiftung.de/cms/de/forschen/ladenburger-kollegs/539-aktuelle-ausschreibung-fuer-einen-forschungsverbund-geschichtsnarrative-in-europa-zwischen-konflikt-und-dialog.html