Forschungsresidenz EUROPA DENKEN Paris 2019

Ort
Paris
Institution
Maison Heinrich Heine
Datum
01.05.2019 - 31.10.2019
Bewerbungsschluss
28.02.2019
Von
Jasmina Kadi

Ausschreibung
Forschungsresidenz 2019
EUROPA DENKEN

Thema: Konzepte „Europas“ und Orte des Konzepts

Das Collège international de philosophie (CIPh) und die Fondation de l’Allemagne - Maison Heinrich Heine (MHH) haben 2018 eine jährliche Forschungsresidenz für eine(n) Forscher(in) mit dem Titel « Europa denken » eingerichtet. Die diesjährige Vergabe steht unter dem Thema Konzepte „Europas“ und Orte des Konzepts (cf. detaillierte Beschreibung des Projekts). Dieses Thema ist von der/dem ausgewählten Kandidat(in) auszuarbeiten.

Voraussetzungen:
- Die Forschungsresidenz richtet sich an Postdoc-Forscher Junior oder Senior ohne Vorgabe bezüglich des Alters, der Nationalität oder der Fachrichtung.
- Dauer: 2-3 Monate im Zeitraum vom 01.05.2019 bis 31.10.2019
- Die Unterkunft wird in der Maison Heinrich Heine in der Cité internationale universitaire de Paris gewährleistet.
- Der Hin- und Rückflugs wird durch das Collège international de philosophie übernommen.
- Im Anschluss an den Forschungsaufenthalt hält die/der ausgewählte Kandidat(in) eine Konferenz in der MHH über das Projekt.

Bewerbungsmodalitäten:
Die Bewerbungsunterlagen sind bis spätestens 28. Februar 2019 per Mail zu an folgende Adresse zu richten: residence-mhh-ciph@ciph.org. Die akzeptierten Sprachen sind Englisch, Französisch, Deutsch, Spanisch, Portugiesisch und Italienisch. Die Ergebnisse werden Ende März 2019 mitgeteilt.
Die einzureichenden Unterlagen beinhalten: Lebenslauf, Motivationsschreiben (max. 2 Seiten), ein Forschungsprojekt (5000 Zeichen einschl. Abstände) und ein Nachweis des Doktorgrads.

Beschreibung des Projekts:

Forschungsaufenthalt: Europa denken
Konzepte „Europas“ und Orte des Konzepts

Kann man die Frage nach Europa anders als in politischer Hinsicht stellen? Diesen Ansatz verfolgt 1973 Patočka in einem privaten Seminar: „Man spricht immerzu von Europa im politischen Sinne, vernachlässigt aber die Frage, was genau Europa ist und woraus es hervorgegangen ist. Wir hören, wie man von der europäischen Integration spricht. Aber ist Europa denn etwas, das integriert werden kann? Handelt es sich um ein geographisches oder ein rein politisches Konzept? Nein, und wenn wir der Frage nach unserer gegenwärtigen Situation nachgehen wollen, müssen wir verstehen, dass Europa ein Konzept ist, welches auf einer geistigen Grundlage basiert“. Derrida stellt seinerseits in seiner letzten öffentlichen Stellungnahme („Ich bin im Krieg gegen mich selbst“, Le Monde vom 18. August 2004) eine ähnliche Feststellung auf: „Europa hat die Pflicht eine neue Verantwortung zu übernehmen. Ich meine nicht die europäische Gemeinschaft, wie sie existiert oder sich in der aktuellen (neoliberalen), durch zahlreiche interne Konflikte bedrohten Mehrheit abzeichnet, sondern ein Europa, das noch kommt und sich sucht. Im („geographischen“) Europa und anderswo. Was man algebraisch „Europa“ nennt, muss Verantwortungen übernehmen für die Zukunft der Menschheit und des internationalen Rechts - das ist mein tiefer Glaube.“ Welche Konzepte lassen sich für ein zukünftiges Europa hervorbringen? Zwischen institutioneller Krise, Migrationskrise, Wirtschaftskrise etc. erweist sich die Frage nach einer europäischen Denkrichtung in der Tat als von dringender Aktualität. Ist es möglich das Konzept Europas unter neuen Vorzeichen zu denken? Wie könnte man das philosophische Denken mobilisieren, um sich ein zukünftiges Europa vorzustellen?

„Eines der dringendsten Probleme, welches Europa stellt, sind die Sprachen“, sagte Barbara Cassin vor etwa zehn Jahren in ihrem Vorwort zu dem kollektiven Werk Vocabulaire européen de la philosophie. „In Sprachen zu denken“, zwischen Übersetzung, Ungenauigkeit, Interpretation und Anpassung der durch „unübersetzbare“ Wörter getragenen Konzepte war und ist noch heute wesentlich für das philosophische Denken, das sich auf dem Kontinent und seiner Ränder entwickelt. Denn der Dialog wie auch der Streit zwischen Sprachen charakterisieren seit jeher die Geschichte der Philosophie in Europa; genauso wichtig sind in dieser Geschichte die Auseinandersetzungen zwischen „Nationalphilosophien“. Denken wir beispielsweise an die berühmte Lügen-Kontroverse zwischen Kant und Constant, ein Austausch zwischen zwei Philosophen, welcher dann im Hinblick einer philosophischen Auseinandersetzung zwischen Frankreich und Deutschland interpretiert wurde.

Wie steht es damit heute? Schaffen sich die sprachlichen Unterschiede in der globalisierten Sprache des Englischen, das von nirgendwo und überall her kommt, ab? Verschwindet der Streit zwischen Schulen und Traditionen in der geteilten Ignoranz des Anderen? (wie man es mit den zwei mehr oder weniger einander ignorierenden Welten der analytischen Philosophie und der sogenannten „kontinentalen“ Philosophie feststellen kann). Oder geht es vielleicht darum, den philosophischen „Streit“ (Lyotard) neu zu denken, oder zu dem, was bei dem Übergang von einer zu einer anderen Sprache widerstrebt, zurückzukehren und den Graben zwischen zwei Traditionen zu denken? Und dies nicht nur im europäischen, erweitert um den nordamerikanischen, sondern im Anderswo der westlichen Philosophietradition, in Afrika, im Mittleren Osten oder in Asien?

Kontakt

Jasmina Kadi
27C Boulevard Jourdan
75014 Paris

culture@maison-heinrich-heine.org

Zitation
Forschungsresidenz EUROPA DENKEN Paris 2019, 01.05.2019 – 31.10.2019 Paris, in: H-Soz-Kult, 07.02.2019, <www.hsozkult.de/grant/id/stipendien-17938>.
Redaktion
Veröffentlicht am
07.02.2019
Beiträger